In einem ersten Schritt ist zunächst eine klinische Studie mit insgesamt 500 Schwangeren in der Frauenklinik geplant. Dabei kommen sogenannte Wearables wie Smartwatches zum Einsatz, die einfach anzuwenden sind. Außerdem erhalten die Teilnehmerinnen Geräte für Zuhause - etwa Kontraktions-Tracker, die das Start-up Bloomlife liefert, sowie tragbare Ultraschallsonden.
Das Schwangersein leichter machen
"Der Zweck der Studie besteht darin herauszufinden, wie wir es Schwangeren möglichst leichtmachen können, gängige Vorsorgeuntersuchungen selbst durchzuführen", erklärt Hanna Hübner, die für das Management der Studie an der Frauenklinik zuständig ist. Am Ende der Forschungsarbeit steht die Entwicklung einer möglichst benutzerfreundlichen App.
Messergebnisse aufzeichnen und auswerten, aber auch an gynäkologisches Fachpersonal weiterleiten - das alles soll mit der App möglich sein, mit deren Programmierung die Firma Refinio beauftragt ist. Mit Hilfe der gesammelten Daten sollen Maßnahmen für eine bessere Einbindung einer achtsamkeitsbasierten Stressreduktion in die Schwangerenvorsorge entwickelt werden. Wie das gelingen kann, wird durch den Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie untersucht.
Dass Fortschritte bei der Schwangerenvorsorge unbedingt erforderlich sind, liegt für Patrick Stelzl auf der Hand. Der stellvertretende Oberarzt betreut die Studie an der Erlanger Frauenklinik unter medizinischen Gesichtspunkten. "Unser Ziel ist nicht, den persönlichen Kontakt zu Ärzten und Hebammen zu ersetzen und die Schwangeren der Technik zu überlassen", erklärt Frauenheilkundler. Er möchte vielmehr eine Entlastung für alle Beteiligten schaffen.
"Wenn sich der Aufwand für routinemäßige Untersuchungen auf der einen Seite reduziert, werden auf der anderen Seite Ressourcen frei, um sich intensiver mit komplizierten Schwangerschaftsverläufen zu beschäftigen", erklärt Stelzl.
Ländlichen Raum versorgen
Auch um die Versorgung in ländlichen Gegenden sicherzustellen, sind digitale Angebote wichtig: Während es 1991 bundesweit über 1000 stationäre Geburtshilfeeinrichtungen gab, sind es heute nur noch rund 700.
Vor allem soll in der Studie erhoben werden, wie sich Anwendungsfehler minimieren lassen. Dazu betont Peter Fasching, der die Professur für Translationale Frauenheilkunde an der Frauenklinik innehat: "Wichtig ist, dass bei allen Vorteilen der neuen Technologien die Sicherheit der Schwangeren stets gewährleistet ist."
Für die Akzeptanz des neuen digitalen Angebots spielen neben Datenschutzfragen auch ethische Aspekte eine große Rolle. Daher ist auch der Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) in das Projekt einbezogen, und schließlich wird der Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement die organisatorische Herausforderung und die Kosten untersuchen, die aus einer flächendeckenden Versorgung mit einem digitalen Mutterpass entstünden.