Auch an diesem Fastnachtssonntag kam eine Effeltricher Abordnung nach Baiersdorf zur Jahnhalle. Dazu gehörten die Strohbären mit ihren Treibern und die eigentlichen Fosaleggn. Das sind Burschen in weißer Kleidung mit bunten Rücken- und Schulterbändern, auf dem Kopf sitzt ein zylinderförmiger Hut, den bunte Bänder und Buchs schmücken. Die Mädchen der Tanzpaare erschienen in Tracht. Heuer lebte der Brauch der Strickreiter wieder auf.

Johannes Schirner aus Kersbach ritt als Strickreiter auf einem Pferd an der Spitze des Umzugs.
Auf ihrem Weg durch die Stadt versuchen die Treiber, wie Schäfer mit einem Fell bekleidet und einem Stab in den Händen, immer wieder, ihre Strohbären mehr oder weniger gut zu bändigen, während die sich über am Straßenrand stehende Mädchen und Frauen hermachen wollten.
Viele blieben nach diesen stürmischen Annäherungsversuchen zerzaust und mit viel Stroh im Haar am Straßenrand zurück.

An der Spitze des Zugs marschierte die Blaskapelle, nach den Strohbären folgten die Fosaleggn mit Peitschengeknall. Am Großparkplatz an der Linsengrabenstraße erläuterte Monika Hofmayer, Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, die Herkunft und des Brauchtums um die Fosaleggn. Vermutlich entstanden sie aus dem Brauch des "Todaustragens" am Sonntag Laetare in der Fastenzeit. Mit dem Stroh wurde symbolisch der Tod verbrannt. Allerdings verwischte sich im Laufe der Zeit die Bedeutung immer mehr.

Der Brauch ruhte für längere Zeit, bis erstmals wieder 1926 der Effeltricher Gastwirt Kotz für seine "Oberdörfer" Burschenschaft die Erlaubnis erwirkte, nach Baiersdorf zu ziehen, was allerdings in dem Jahr kaum beachtet wurde. Eduard Rühl, der Vorsitzende des Heimatvereins Erlangen, interpretierte die Aktion als Winteraustreiben. 1931 wurde die Effeltricher Abordnung erstmals vor dem Rathaus in Baiersdorf offiziell begrüßt und mit einem Geldpräsent belohnt.


Alkohol als Tribut

Nach der Festansprache Rühls führte der Heischegang durch die Stadt, mit dem die Akteure ihren Tribut einforderten - Geld, Essen oder alkoholische Getränke. 1939 brachten die Effeltricher ihre Musikkapelle und eine Trachtengruppe mit nach Baiersdorf. 1952 fand die Aktion erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder statt, und sie ist seitdem Anziehungspunkt für ein großes Publikum.

"Wir wollen, dass dieses alte Brauchtum erhalten bleibt", sagt Hofmayer. Mit Fastnacht habe das aber gar nichts zu tun. Monika Hofmayer zeichnete Michael Pinzel für zehn Jahre als Fosalegg und Philipp Kupfer für fünf Jahr aktiver Strohbär mit einer Urkunde aus.

Zuvor wurden die sechs Strohbären "gehäutet", das Stroh auf einen Haufen geworfen und entzündet. Die Gemeinde hat dafür extra ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem das Wickenstroh angebaut wird, das allerdings nicht auf herkömmliche Weise gemäht werden darf.

Es wurde extra ein Fahr-Mähbinder in einem Ort bei Kronach gekauft, damit das Stroh in der ganzen Länge geerntet werden kann. Das Stroh wird dann bei Baumschule Kupfer, Hausname "Stockbauer" gelagert für die Strohbären. Allein das "Einkleiden" mit dem Stroh dauert Stunden und auch das Gehen mit der steifen Montour ist nicht gerade einfach.

Das Gewand eines Fosaleggn wird in der Familie zuhause aufbewahrt. Die langen Bänder für das Gewand der Fosaleggn können noch zum Teil in einem Geschäft in Forchheim gekauft werden oder müssen aus der Pfalz bezogen werden. Der Strohhut wird alle Jahre neu mit frischem Buchs besteckt und mit Bändern eingefasst.
Begleitet von der Musikkapelle führten die Burschen mit ihren Trachtenmädchen Volkstänze ums Feuer auf.

Ganz Mutige sprangen am Schluss sogar mit dem Ruf "Allamoschee" über das niedergebrannte Feuer.

Der Zug führte ins Feuerwehrhaus, wo die Akteure verköstigt werden und sich mit den Zuschauern aufwärmten.