Wildtauben und vor allem deren Hinterlassenschaften setzten dem Sandsteingemäuer der denkmalgeschützten Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg in den vergangenen Jahren arg zu. Mit aufwändigen Drahtkonstruktionen und Metalldornen versuchten die Kirchen-Verantwortlichen relativ erfolgreich, die Tauben abzuwehren. Was die Tauben vergrämt, haben jetzt allerdings Störche als Fundament für einen weiteren Horst im Zentrum der Stadt entdeckt.

Auf dem Gesims der erst vor wenigen Jahren generalsanierten Westfassade werkelt seit einigen Tagen ein Storchenpaar an einer neuen Bleibe. Der "Rohbau" des Horstes hat schon deutlich Form angenommen.


Nicht begeistert
Bei Dekan Kilian Kemmer lösen diese Aktivitäten auf seinem Haus nicht gerade Begeisterungsstürme aus.
Er sähe es lieber, wenn sich das Storchenpaar einen anderen Standort suchen und die Kirche verschonen würde. Beim Urteil über die Störche auf dem Kirchendach waren sich am Freitag der Dekan und vor Ort ein Pfarrgemeinderat und der Mesner einig: "Das geht so nicht."



Von zwei "Unfällen" habe er schon etwas mitbekommen, berichtet Kemmer - die ersten Gottesdienstbesucher wurden bereits von den ätzenden Ausscheidungen der geschützten Vögel getroffen. Der neue Horst liegt fast genau über dem Hauptportal der Georgskirche und da werden weitere ähnliche Vorkommnisse befürchtet, sollten die Störche hier erst richtig heimisch werden.


Es ist zu spät
Es gebe aber Schlimmeres, sagte Dekan Kemmer am Freitagnachmittag, als seine erste Aufregung verflogen war. Kemmer: "Ich muss mich erst einmal mit der Materie auseinandersetzen."
Die barocke Kirche muss wohl damit leben, dass sie jetzt auch von Störchen bevölkert wird. Die Chancen, den Horst wieder loszuwerden, gehen gegen null. "Es ist schon zu spät", sagt dazu Höchstadts "Storchenvater" Edmund Lenz. "Die Schöpfung sucht Asyl auf der Kirche", freut sich der Storchenexperte. Dieses Asyl dürfe man ihnen laut Lenz auch nicht verwehren, zumal die Eiablage unmittelbar bevor stehe.

Wie von aufmerksamen Beobachtern berichtet, sollen die Störche, die sich jetzt auf der Kirche niederlassen, vorher versucht haben, einen Horst auf dem Schornstein eines Privathauses in der Kirchgasse zu bauen. Dort sei das von ihnen aufgeschichtete Nistmaterial aber immer wieder heruntergestochert worden.

Solche Handlungen rufen Andreas Sehm von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Höchstadt auf den Plan. Er ist für den Artenschutz und speziell auch für den Weißstorch zuständig. "Das Brutgeschäft zu stören, ist verboten", zitiert Sehm die artenschutzrechtlichen Bestimmungen. Und weil das Brutgeschäft bereits mit dem Nestbau beginnt, ist für ihn auch eine Beseitigung des Bauwerks auf der Westfassade der Kirche inzwischen unzulässig. "Der Horst ist gesetzlich geschützt", sagt der Artenschützer aus dem Landratsamt. Er würde übrigens auch nicht davor zurückschrecken, gegen den Menschen vorzugehen, der die Störche in der Kirchgasse am Nestbau gehindert hat. Sehm bräuchte dafür nur noch Zeugen.

Den Horstbau auf der Kirche hat er bereits fotografiert und festgestellt, dass das Bauwerk nicht absturzgefährdet ist. Frühestens wenn das Brutgeschäft beendet ist und die Jungvögel ausgeflogen sind, sähe Sehm die Möglichkeit, "eine neue Standortlösung herbeizuführen".

Storchenvater Lenz und Artenschützer Sehm rechnen beide mit einer baldigen Eiablage aller in Höchstadt lebender Storchenpaare. "Die brüten und bauen gleichzeitig ihren Horst aus", sagt Lenz mit Blick auf das erst halbfertige Quartier auf dem Kirchendach. Da dürfe man nicht mehr eingreifen.


Wasser muss abfließen
Einen letzten Eingriff vor der Eiablage nahm Lenz am Freitag auf den etablierten Horsten auf dem alten Höchstadter Rathaus, der Mälzerei, in Gremsdorf und Adelsdorf vor. "Die Störche kennen mich und machen mit", sagt Lenz, bevor er sich mit der Drehleiter der Höchstadter Feuerwehr in schwindelerregende Höhen schieben lässt.

Lenz macht die Horste wieder wasserdurchlässig, indem er im Winter von den Tieren eingebautes Material abträgt und frisches Heu und Hackschnitzel ausbreitet. Am Boden assistiert ihm dabei Otto Oberndorfer. Würden Lenz und die anderen Storchenbetreuer auf den Horsten nicht nachhelfen, drohten Eier im Wasser liegen zu bleiben, oder gar Jungstörche zu ertrinken.

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