Zum ersten Mal kam beim Starkregen am Dienstag ein Flächenlagekonzept zum Tragen, das für so hohe Einsatzaufkommen Einheiten aus verschiedenen Teilen des Landkreises vorsieht, teilt Kreisbrandmeister Sebastian Weber, der Pressesprecher der Kreisbrandinspektion, mit.

Zwölf Feuerwehren mit definierten Zügen des Hilfeleistungskontingents und auch das Technische Hilfswerk Baiersdorf wurden ins Stadtgebiet Herzogenaurach alarmiert, um dort unterstützende Hilfe zur Bewältigung der Einsätz zu leisten. Mit den Feuerwehren der Stadt Herzogenaurach waren insgesamt 20 Wehren mobilisiert, um die über 130 angefallenen Einsätze zu bewältigen.

Unwetter im Kreis Erlangen-Höchstadt sorgt für Überschwemmungen

Zum Einsatz kam ebenfalls zum ersten Mal ein Abrollbehälter mit mehreren gleichartigen Rollcontainern, der einen speziellen Gerätesatz des Katastrophenschutzes für Hochwasser an Bord hat. Vollgelaufene Keller und Gebäudeteile waren die Hauptaufgabe, jedoch gab es auch umgestürzte Bäume, die entfernt werden mussten.

Über 150 ehrenamtliche Feuerwehrfrauen und -männer leisteten die schweißtreibende Arbeit zur Bewältigung der Schäden. Fast fünf Stunden dauerte die Abarbeitung durch den lokal extremen Starkregen und die daraus resultierenden Überflutungen.

Die gute Zusammenarbeit und die Vorarbeiten der Integrierten Leitstelle Nürnberg für die eingerichtete Unterstützungsgruppe Feuerwehr-Einsatzleitung habe die Verteilung der über 130 Einsatzstellen im Süd-Westen des Landkreises wesentlich erleichtert, berichtet Weber weiter. Hier waren Koordinationsarbeit und enge Absprachen zu leisten. Kommandant Reiner Weber und Kreisbrandrat Matthias Rocca koordinierten die eingehenden Meldungen zusammen mit einer fünfköpfigen Gruppe.

Nach Starkregen: Feuerwehr stundenlang im Einsatz

Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung hielt den Kontakt zur Leitstelle für diverse Nachforderungen, wobei die Unterstützungsgruppe Feuerwehr-Einsatzleitung im Gerätehaus der Feuerwehr Baiersdorf ihren Arbeitsplatz errichtet hat. Dort kamen alle Alarmmeldungen von der Integrierten Leitstelle zusammen, die über den Notruf 112 eingingen. Alle Einsätze übertrug man in eine sogenannte mobile Lagekarte, die an die Einsatzzentrale der Feuerwehr Herzogenaurach übermittelt und dort als Einsatzauftrag an die Feuerwehreinheiten in Papierform ausgegeben wurden.

Führungskräfte der Kreisbrandinspektion waren auch in Baiersdorf vor Ort. Verschiedene Pumpen, Wassersauger und Stromerzeuger waren gefragt. Jedes Fahrzeug bildete mit diesem Equipment eine Einheit, die dann selbstständig arbeiten und nach und nach mehrere Einsatzstellen abdecken konnte. Die Feuerwehren mussten nach Priorität vorgehen, da die Einsatzzahlen schlagartig anstanden. Um 23 Uhr waren dann alle Einsätze abgearbeitet.

Unwetter in Herzogenaurach fordert mehrfach das BRK

Das Unwetter in Herzogenaurach hat auch beim Rettungsdienst des BRK zu vermehrten Notfalleinsätzen geführt. Zur Bewältigung der vielen gleichzeitigen Einsätze wurde die ehrenamtliche Unterstützungsgruppe Rettungsdienst der Bereitschaft Herzogenaurach durch die ILS Nürnberg alarmiert.

Dabei werden ehrenamtliche Helfer per Funkmeldeempfänger alarmiert, die dann zur Rettungswache eilen und zusätzliche Rettungsfahrzeuge besetzen. So werden die normalerweise vorgehaltenen Kapazitäten des Rettungsdienstes ergänzt, damit die überlaufenden Hilfeleistungsersuchen abgearbeitet werden können.

In kurzer Zeit konnten so zusätzlich zur Standardbesetzung ein Notfall-Krankentransportwagen und ein weiterer Krankentransportwagen besetzt werden, um das Stadtgebiet abzusichern. Beide Einsatzfahrzeuge waren mit Notfallsanitäter und Fahrer besetzt, auch ein Arzt stand zur Verfügung.

Zusätzliche Rettungsfahrzeuge für Notfälle im Einsatz

Unter diesen Gegebenheiten konnten schnell drei Notfalleinsätze versorgt werden, der Krankentransportwagen übernahm die Absicherung des Herzogenauracher Stadtgebietes auf der Rettungswache Herzogenaurach, bis der eigentliche Rettungstransportwagen dafür wieder zur Verfügung gestanden hat.

Um 21.30 Uhr forderte dann der stellvertetende Kreisbrandrat Stefan Brunner von der Unterstützungsgruppe der örtlichen Einsatzleitung - die in Baiersdorf stationiert war - Kaltverpflegung für 250 Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks an, die bei dem Schwerpunkt der Unwetterlage in Herzogenaurach eingesetzt waren. In nur eineinhalb Stunden standen Würste und Weckla zur Verfügung, da das BRK für solche Einsätze rund um die Uhr Ansprechpartner in der Lebensmittelbranche hat. Vor Ort in Herzogenaurach bei der Feuerwehr war Kreisbrandrat Matthias Rocca.

Durch den diensthabenden Einsatzführungsdienst des BRK Erlangen-Höchstadt wurden dann umgehend die Schnelleinsatzgruppe Betreuung der Bereitschaft Erlangen 2 alarmiert, ebenso der Fachdienstleiter des Betreuungsdienstes, Julian Pertek. Diese übernahmen sofort den Betreuungseinsatz.

Kläranlage Herzogenaurach hatte kein Problem durch Starkregen

"Als Stadt werden wir die aufgetretenen besonderen Situationen aufgestauten Wassers analysieren", betont Bürgermeister German Hacker nach dem Starkregenereignis am Dienstag.

Insgesamt habe sich nach einer ersten Übersicht durch die Stadtentwässerung Herzogenaurach gezeigt, dass trotz der zahlreichen Keller, aus denen Wasser gepumpt werden musste, "die in den letzten Jahren bzw. über zwei Jahrzehnte investierten Summen in das Zwischenspeichern von Niederschlagswasser wie das gesamte Entwässerungssystem gut funktioniert hat". An städtischen Gebäuden, an Baustellen oder dem Entwässerungssystem seien nach bisheriger Übersicht keine nennenswerten Schäden aufgetreten. Die Kläranlage hatte kein Kapazitätsproblem.