Mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Leistungssteigerung positionieren sich die TSH-Damen als erster Nachrücker für die 3. Liga.
Mit einem vor allem in dieser Deutlichkeit nicht für möglich gehaltenen Auswärtserfolg beendeten die Handballerinnen der TS Herzogenaurach ihre etwas unrund verlaufene Saison in der 3. Liga. Im zweiten Relegationsduell setzten sie sich nach dem 24:27 aus dem Hinspiel doch noch durch und begeben sich nun in die Warteschleife ihrer Ligen-Zugehörigkeit für die kommende Spielzeit.
Es wird davon abhängen ob sich weitere Mannschaften aus der 2. oder 3. Liga zurückziehen, zum Beispiel aus finanziellen Gründen, was aber noch Wochen dauern kann.
SFN Vechta - TS Herzogenaurach 21:27
Es war jedenfalls das stärkste Auswärtsspiel des Watzinger- Teams in dieser Saison. Während die TSH in so manchem Pflichtspiel Nervenflattern gezeigt hatte, wenn es um die Wurst ging, zeigte sie bei diesem letzten Aufbäumen eine ungeahnte Entschlossenheit. Auch als Vechta zwischenzeitlich mit drei Toren in Front lag (9:6, 17.) drängte sich nicht der Eindruck auf, als könnte Herzogenaurach einbrechen. Bestens auf den Gegner eingestellt und angetrieben von Lisa Neumann (Rückraum rechts) und Sarah Stephan (linker Flügel), die beide im Hinspiel gefehlt hatten, glichen die Gäste in der 22. Minute zum 9:9 aus. Danach hielten sie die an sich heimstarken Niedersächsinnen auf Distanz.
Wo die TSH sonst zu häufig mentale Schwächen zeigte, passierte dies hier dem Gegner. Die wenigen mitgereisten Fans der Mittelfranken waren erst verblüfft und dann begeistert, wie das Team seine Drittliga-Tauglichkeit unter Beweis stellte. Nach dem 19:12 (41.) für Herzogenaurach, verkürzte Vechta vor knapp 300 Zuschauern zwar noch auf 15:20, wovon sich die Gäste jedoch nicht mehr beeindrucken ließen.
Das Herzogenauracher Trainergespann hatte sich zwar darauf eingestellt, SFN-Antreiberin Leonie Wöbking bei Bedarf besonders eng zu beschatten, doch das war nicht nötig. Zwar warf die Linkshänderin acht Tore, vier davon waren jedoch Siebenmeter. Und das war zu wenig. Denn die TSH hatte in der Abwehr wieder mehr personelle Alternativen als im Hinspiel und mit Martina Ebersberger eine Torhüterin, die über sich hinauswuchs: 46 Prozent gehaltene Würfe sind ein Spitzenwert, der den Vechtaer Angriff zunehmend verunsicherte. Und gegen Spielende trug Ebersberger erneut mit einem eigenen Treffer aus rund 37 Metern Entfernung zusätzlich zum Sieg bei.
Trainer Klaus Watzinger hob zudem die beispielhafte Einstellung von Mannschaftsführerin Nina Bestle hervor: "Bemerkenswert, wie sie die Truppe in den schweren Wochen zusammengehalten hat." Auch Amelie Theobald verdiente sich auf dem rechten Flügel ein Sonderlob. "Da sieht man, was ich meinte, als ich von dem personellen Dilemma im Spiel gegen Chemnitz sprach, in dem wir unsere zweite echte Chance auf den Klassenerhalt vergaben. Heute waren wir, abgesehen von Jana Lichtscheidel, Sakia Probst und Carole Mittelheisser komplett, hoffentlich wird das doch noch belohnt."
Davon wird er allerdings nicht mehr profitieren: Während Co-Trainer Mirko Scholten sich wieder auf seine Kreisläufer-Tätigkeit beim TV Erlangen-Bruck konzentrieren will, ist Watzinger im Team nicht unumstritten und wird sein - eigentlich auf zwei Jahre ausgelegtes Engagement - deshalb schon jetzt wieder beenden.
Die Hintergründe wollen die Abteilungsverantwortlichen in der nächsten Woche erläutern, beide Trainer verabschiedeten sich gleich nach der Partie in Vechta von der Mannschaft. Diese sollte vielleicht sich selbst und der Abteilungsleitung nachweisen, dass sie mit dieser schwerwiegenden Entscheidung richtig liegt. Gerade, nachdem diese Leistungsexplosion im letzten - möglicherweise richtungsweisenden - Saisonspiel eben mit diesen beiden Trainern gelang. Hoffentlich kam diese nicht zu spät.
TSH: Ebersberger (1), Gerling - Stephan (7), Wedrich (4/2), Bestle (3), Schneidereit (1), Mergner, Lang (2), Erdmann, Theobald (3), Küffner (2), Neumann (4)