Es ist der 29. November 2009, in der A-Klasse 4 Erlangen/Pegnitzgrund steht der letzte Spieltag vor der Winterpause an. Germania Forchheim gastiert bei der DJK Kersbach. Vor dem Spiel ist klar: Forchheim wird die nächste deutliche Niederlage kassieren. Nach dem Spiel ist klar: Es wird der vorerst letzte Auftritt sein. Wenig später zieht der Verein seine Mannschaft zurück. Das 0:30 in Kersbach ist das letzte Kapitel einer Geschichte, die im Sommer 2008 ihren Anfang nimmt.

Michael Wölfel ist ein Teil von ihr - und oft die ärmste Sau. Wölfel, eigentlich Verteidiger, steht im Germanen-Tor und muss in den eineinhalb Jahren, in denen er für den Forchheimer Traditionsverein spielt, oft hinter sich greifen. "In den Spielen kamen jeweils um die 100 Schüsse aufs Tor. Wenn dann 20 oder 30 reingehen, ist das noch eine gute Quote", sagt Wölfel mit einigen Jahren Abstand. Spaß gemacht habe die Zeit bei den Germanen trotzdem und ans Aufhören denkt Wölfel trotz der Flut an Gegentoren nicht.

"Das war ja keine Fußballmannschaft, sondern eine Freizeitmannschaft. Alle wussten, dass wir nichts reißen würden." Das Forchheimer Desaster beginnt aber schon Jahre zuvor. Mitte der 2000er startet die Germania einen Großangriff im Forchheimer Fußball, will den in die Kreisklasse zurückgezogenen Platzhirsch Jahn Forchheim als Nummer 1 der Stadt abhängen. Finanziell großzügig vom damaligen Vorstand unterstützt, klettert Germania aus der A-Klasse bis in die Kreisliga.

Thekentruppe statt Top-Team

Als das Geld ausgeht, stürzt der Verein ab. 2008 gelingt mit einer jungen Mannschaft noch der Klassenerhalt in der Kreisklasse. Vor der Saison 2008/2009 verabschieden sich aber alle Spieler - ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins. Eine Mannschaft stellt der Klub trotzdem, schickt eine Thekentruppe ins Rennen. Ein Himmelfahrtskommando. So wird Germania Forchheim bundesweit bekannt.

Die regelmäßigen Klatschen wecken das Interesse der überregionalen Medien. Sogar ins Fernsehen schaffen es die bemitleidenswerten Kicker, ein Radiosender sponsort neue Trikots. Und am Sportplatz muss die Anzeigetafel um einen Nagel erweitert werden, damit die zweistelligen Ergebnisse überhaupt angezeigt werden können.

Nach dem Null-Punkte-Abstieg aus der Kreisklasse und dem wohl historisch schlechten Torverhältnis von 5:508 bringt der FC Germania 08 Forchheim auch in der A-Klasse keinen Fuß auf den Boden. Noch während der Saison meldet der Klub sein Team ab. 2010 kehrt die Germania in den Spielbetrieb der A-Klasse zurück. Doch die Altlasten sind erdrückend. Es fehlt ein kleiner sechsstelliger Betrag. Ende 2014 meldet der Verein Insolvenz an und verlässt die Fußballbühne endgültig.