Es ist ein struktureller Großumbau, der gestern in der Sparkassenzentrale in Erlangen verkündet wurde. Bei einer Pressekonferenz gab der Vorstand der Stadt- und Kreissparkasse-Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach bekannt, dass im Landkreis und in der Stadt Erlangen zahlreiche Geschäftsstellen geschlossen werden. Und das schon bald. Am 1. März 2021 sollen an 17 der bisher 57 personalbedienten Geschäftsstellen die Rollläden nach unten rauschen und die Geldautomaten abgebaut werden.

Die Sparkasse legt Geschäftsstellen zusammen und gibt in diesem Zug folgende Standorte im Landkreis Erlangen-Höchstadt auf: Lonnerstadt, Wachenroth, Zentbechhofen, Neuhaus (SB-Geschäftsstelle), Heßdorf, Großenseebach, Herzogenaurach Haydnstraße, Bubenreuth Birkenallee, Eckenhaid;

In der Stadt Erlangen schließen: Dechsendorf, Bunsenstraße, Langfeldstraße, Martin-Luther-Platz (eventuell Ersatz einzelner Geldautomat), Luitpoldstraße, Möhrendorfer Straße, Schenkstraße, Werner-von-Siemens-Straße, Drausnickstraße;

Man habe sich entschieden - habe sich entscheiden müssen aufgrund kostenseitiger Zwänge - bestimmte Geschäftsstellen aufzugeben, sagt Vorstandsvorsitzender Johannes von Hebel. Er nenne es allerdings lieber eine "Verlagerung". Denn im Zuge der Schließungen werde man Nachbargeschäftsstellen aufwerten. Alle verbliebenen 40 Geschäftsstellen sollen laut von Hebel den vollen Service vom alltäglichen Bankgeschäft, Beratung bis hin zur Baufinanzierung behalten. Daher werde man auch keine Stellen abbauen. Es handle sich quasi um einen "Umzug" in andere Geschäftsstellen.

Was gut klingt, hat es dennoch in sich. Zumindest für die Orte, die ihre Sparkassenfiliale verlieren. Denn was geplant ist, ist nicht lediglich eine Eindampfung des Schalterservices oder der Öffnungszeiten wie in den vergangenen Jahren, sondern ein Komplettabzug. An den betroffenen Standorten wird auch kein Geldautomat verbleiben.

Im Höchstadter Gebiet schließt mit Zentbechhofen die kleinste Geschäftsstelle. Künftiger Anlaufpunkt der Kunden soll Adelsdorf sein. In Neuhaus wird die "SB-Geschäftsstelle" (Geldautomat) in Kooperation mit der VR-Bank aufgegeben.

Lonnerstadter nach Höchstadt-Süd

Die Lonnerstadter Kunden sollen sich künftig an die Filiale in Höchstadt-Süd wenden. Dort werde "kräftig umgebaut", kündigt Vorstandsmitglied Walter Paulus-Rohmer an. Man werde im gesamten Erdgeschoss einen großen Servicebereich schaffen.

Wachenroth verliert ebenfalls seine Geschäftsstelle. Kunden sollen künftig von Mühlhausen aus betreut werden.

Heßdorf bekommt Neubau

Die Geschäftsstellen Heßdorf, Großenseebach und Dechsendorf sollen zusammengelegt werden. Dazu wolle man im Heßdorfer Gewerbegebiet an der A 3 ein neues Geschäftshaus bauen, das 2023 bezugsfertig sein soll. Bis dahin sollen die drei Filialen offen bleiben.

Es handle sich um eine strategische Entscheidung, erklärt Vorstandschef von Hebel die Gründe für die massiven Einschnitte ins Zweigstellennetz. "Das Kundenverhalten hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert." Immer weniger Menschen kämen persönlich. Über 66 Prozent hätten mittlerweile einen Online-Banking-Vertrag. Tendenz stark steigend. Corona wirke hier noch mal beschleunigend. Von den rund zehn Millionen Überweisungen jährlich würden nur noch neun Prozent in Papierform abgewickelt. Vor fünf Jahren habe der Wert noch bei 20 Prozent gelegen.

Dazu kämen finanzielle Aspekte wie die sich verstetigende Niedrig- beziehungsweise Minuszinsphase. Bei stetig sinkender Kundenfrequenz und ausfallenden Erlösen sei ein dermaßen dichtes Zweigstellennetz extrem ineffizient und betriebswirtschaftlich nicht mehr begründbar, so von Hebel. Dieser Realität müsse die Sparkasse ins Auge sehen.

Viele Mitbewerber hätten schon längst abgebaut. Mit den verbleibenden 40 Geschäftsstellen habe man aber immer noch doppelt so viele wie die Konkurrenz der Genossenschaftsbanken, sagt der Vorstandschef.

Hatten Kritiker 2017 Recht? Ist dies eine Konsequenz der Fusion der Erlanger mit der Sparkasse Höchstadt? Nein, sagt Reinhard Lugschi, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. "Wenn die Fusion nicht stattgefunden hätte, hätten wir als eigenständige Einheit wohl die Hälfte der Geschäftsstellen schließen müssen", so Lugschi. Das zeige ein Blick über den Tellerrand. Alle Banken landauf landab hätten mit diesem Problem zu tun.

Man habe die Einschnitte gut abgewogen, sagt von Hebel. Bundesweite Modellrechnungen der Sparkasse wären von noch größeren Kürzungen ausgegangen. Man habe sich dagegen entschieden und lediglich bei Kleinstgeschäftsstellen gekürzt. Bedingung war: Einzugsgebiet mindestens 4500 Einwohner, mindestens 70 Transaktionen am Geldautomat und mindestens 50 Kundentransaktionen täglich, Entfernung zur nächste Filiale weniger als zehn Autominuten.

Mit der verschlankten Struktur sei das Haus nun zukunftssicherer aufgestellt.

"Hat sich abgezeichnet" - Stimmen aus der Politik

Ist es noch eine Hiobsbotschaft, wenn man wusste, dass es irgendwann soweit sein wird? Stimmen aus der Kommunalpolitik zu den Geschäftsstellenschließungen:

"Die Entscheidung hat sich ja abgezeichnet", sagt Alexander Tritthart, Landrat (CSU) und damit Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse. Das Gremium sei sich über alle Parteigrenzen einstimmig einig gewesen, dass an dem Umbau des Filialnetzes kein Weg vorbei führe. "Es ist leider so", sagt Tritthart. "Betriebswirtschaftlich notwendig, aber insgesamt ausgewogen", auch für die Standorte auf dem Land, findet der Landrat.

German Hacker, Bürgermeister von Herzogenaurach (SPD) und ebenfalls im Verwaltungsrat, sagt, die Sparkasse müsse den Realitäten ins Auge blicken. Onlinebanking, Kartenzahlung, Geldabheben im Supermarkt: "Die Leute haben mit den Füßen ja bereits abgestimmt."

"Gerade für Zentbechhofen, aber auch für Lonnerstadt äußerst bedauerlich. Aber es war absehbar", sagt Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Die Entscheidung sei "politisch nicht schön", aber "wohl rein finanziell in gewisser Weise unausweichlich". 2017 gehörte er zu den Kritikern der Fusion der beiden Sparkassen. Ist dies nun ein Resultat? Sicher hätte auch eine autarke Sparkasse Höchstadt kürzen müssen. Aber vielleicht nicht in der Vehemenz. "Eine tiefere Bewertung erübrigt sich. Das ist Schnee von gestern", so Brehm. Das Verhältnis zum Vorstand sei sehr gut. Das Versprechen, nach der Fusion das Mittelzentrum Höchstadt nicht zu schwächen, sondern noch etwas auszubauen, sei eingelöst worden.

"Für unser Dorf finde ich es sehr schade", sagt Regina Bruckmann, Bürgermeisterin von Lonnerstadt (FW). Sie sei vor kurzem vom Vorstand der Sparkasse informiert worden. Dass es bald keinen Geldautomaten mehr geben wird, sei ein Verlust, das könne man nicht beschönigen. Doch wenn die Entscheidung rein buchhalterisch sein müsse, dann müsse Lonnerstadt sich wohl damit abfinden.