Was die Pilze betrifft, gibt es im Hause Krautblatter eine klare Arbeitsteilung. Gesucht und gegessen wird gemeinsam, "für das Zubereiten ist aber meine Frau zuständig", berichtet der Pilz-Experte. Gut möglich, dass die geliebten Schwammerl in den nächsten Wochen besonders häufig in der Pfanne des Höchstadter Ehepaars landen. Denn Hans Krautblatter hat für sich und alle Sammelfreunde eine frohe Kunde. "Wegen dem Regen lohnt es sich seit kurzem so richtig, in den Wald zu gehen. Derzeit ist es phänomenal, eine wahre Pilzflut."

Während üblicherweise frühestens im September die Pilze aus dem Boden sprießen, war das nach dem nassen Wetter der vergangenen Wochen heuer bereits Ende August der Fall. "Man findet bereits sehr viele Arten - auch bekannte Speisepilze. Die Schwammerl-Saison ist vorgezogen", sagte der erste Vorsitzende des Vereins für Pilzkunde München, Peter Karasch. Alle fünf bis zehn Jahre komme das in etwa vor.

Vielseitiges Hobby

Das freut natürlich auch Hans Krautblatter. Der Pilz-Experte, der in den heimischen Wäldern jedes Jahr im September und Oktober Exkursionen anbietet, gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Leidenschaft spricht. "Ich wüsste kaum ein Hobby, das vielseitiger ist. Man bewegt sich im Freien, in schönen Wäldern, hat das Erlebnis des Suchens und Findens." Und das Beste käme dann immer zum Schluss: eine leckere Mahlzeit. "Das ist immer ein Hochgenuss. Besser geht es nicht."

Etwa 1500 von insgesamt knapp 2500 Arten, die es in Mitteleuropa gibt, hat Krautblatter schon selbst entdeckt, nur ein Bruchteil sind in der heimischen Pfanne gelandet. Beim Pilz-Genuss, unterstreicht der Experte, müsse der Laie nämlich vorsichtig zu Werke gehen. "Man sollte nur das sammeln, was man kennt." Im Zweifelsfall gelte die Regel: Kein Risiko eingehen und lieber den Experten fragen. "Man muss sich sehr gut auskennen. Die Verwechslungsgefahr ist groß."

Büchern oder Foren im Internet reichen nicht aus, um Pilze sicher bestimmen zu können. Viele Pilze haben giftige Doppelgänger. So sieht beispielsweise der leckere Champignon dem tödlich giftigen Knollenblätterpilz täuschend ähnlich. Wer nach einer Mahlzeit unter Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen leidet, sollte sofort den Notarzt rufen oder sich an den Giftnotruf wenden.

Gefahr nicht unterschätzen

Glücklicherweise sei es in der Region in den letzten Jahren zu keinem Todesfall gekommen, berichtet Krautblatter. "Aber massive Dauerschäden infolge der teils schweren Vergiftungen kommen vor. Man darf die Gefahr nicht unterschätzen."

Ausreden will der Experte den Menschen das Sammeln aber nicht. Dafür liebt er sein Hobby zu sehr, ist eigentlich ständig im Wald. Dabei kann der ehemalige Gymnasiallehrer praktisch an keinem Pilz vorbeilaufen. Er bleibt stehen, schnuppert, probiert, zückt die Lupe.

"Bei uns kann man das ganze Jahr Pilze finden." Den Winterrütling habe er beispielsweise schon Anfang des Jahres gesammelt. "Der schimmert dann wunderschön gelblich aus dem Schnee", schwärmt der Pilzfan, der "Gott sei Dank" auch immer wieder neue Exemplare entdeckt, teilweise auch seltene, gefährdete Arten.
Die Fundstellen werden dann nicht verraten. "Diese Pilze sind für den Laien nicht unbedingt interessant." Hingegen hat der Höchstadter kein Problem damit, die Steinpilz-Fundorte an die Sammler weiterzugeben. "Davon kenne ich mittlerweile unzählige."


Mehr schwere Vergiftungen


Die Zahl der schweren Pilzvergiftungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. 2013 wurden nach Angaben der Krankenkasse DAK 34 Fälle im Krankenhaus behandelt, rund 41 Prozent mehr als 2012. Die meisten Pilzsammler landeten in Bayern in der Klinik. Dort wurden neun Fälle registriert, vier weniger als 2012.

Trotzdem machen sich immer mehr Menschen nach Angaben der DAK-Ärztin Elisabeth Thomas auf die Suche nach Pfifferlingen, Maronen oder Champignons. "Vor allem in Süddeutschland hatten viele wegen Tschernobyl lange Zeit Angst, dass Pilze radioaktiv belastet sein könnten." Diese Sorge verschwinde langsam.

In der Rhön geht aktuell Gefahr von einem Pilz aus, der dem beliebten Champignon zum Verwechseln ähnlich sieht. Pilzexpertin Ulrike Meinschäfer vom Holzberghof bei Bischofsheim warnt vor dem Verzehr des Karbol-Egerlings beziehungsweise Karbol-Champignons.

Das Hauptmerkmal, um den Pilz zu erkennen, sei die Stielbasis, die sich bei Verletzungen gelb färbe. "Etwas drücken, und wenn es gelb wird, ist es kein echter Champignon." Die Expertin hat noch einen Tipp: "In der Mikrowelle fängt der Pilz fürchterlich an zu stinken."
In Franken hat die Giftinformationszentrale ihren Sitz in Nürnberg. Telefon: 0911/3982451.


Transportieren im luftigen Körbchen


Nehmen Pilzsammler eine unbekannte Art zum näheren Bestimmen mit nach Hause, sollte sie diese von den ihnen bekannten essbaren Pilzen getrennt transportieren. Sonst kann zum Beispiel ein tödlich-giftiger Grüner Knollenblätterpilz Sporen abwerfen und die an sich genießbaren Pilze zu Giftpilzen machen.

Beim Sammeln empfehlen die Experten, den Pilz mit einem Messer vorsichtig aus dem Boden zu heben oder abzuschneiden, ohne das Erdreich stark durcheinander zu bringen, weil sonst das unterirdische Pilzgeflecht Schaden nehmen könnte. Damit dieses kein Licht abbekommt, müssen bei der Ernte entstandene Löcher wieder verschlossen werden. Wer bekannte Speisepilze gefunden hat, säubert diese am besten im Wald. Auch Stellen, die von Maden durchzogen sind, sollten vor Ort entfernt werden.

Transportiert werden sollten Pilze immer luftig in Körben, weil sich sonst ihr Eiweiß schnell zersetzt und sie ungenießbar werden. "Die Pilze auf keinen Fall in einer Plastiktüte, sondern immer offen sammeln. Sonst kommt es zu Zersetzungsvorgängen und damit eventuell zu Magen-Darm-Störungen", rät Hans Krautblatter.
Verzehren sollten Pilzliebhaber ihre gefundenen Schätze innerhalb von 24 Stunden, am besten noch am selben Tag. Sonst gehen die Aromastoffe zunehmend verloren.


Sammeln nur zum Eigenbedarf


In bestimmten Gebieten gilt in Deutschland ein Sammelverbot für Pilze. Dazu zählen öffentliche Parks, Naturschutzgebiete, eingezäunte Waldflächen und Flächen, auf denen Holz geschlagen wird. Auch in Nationalparks kann es in bestimmten Bereichen verboten sein.

Grundsätzlich sollten Pilzsucher sich vorher bei den zuständigen Kommunen über die erlaubten Sammelmengen informieren, denn auch dabei gibt es Beschränkungen. Geschützte Arten etwa dürfen nur in kleinem Umfang für den eigenen Bedarf gepflückt werden. Wer die erlaubten Mengen überschreitet, begeht Pilzdiebstahl und riskiert ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro. In der Regel gilt: Zwei Kilo für den Eigenbedarf sind erlaubt pro Sammeltag und Erwachsenen.


Rezept: Pilzgulasch



Zutaten: 1 kg geputzte frische Waldpilze, 1 - 2 Essl. Butter, 50 g Speck, 1 große Zwiebel gewürfelt, 1/2 l Milch, 1 Teel. Salz, Pfeffer, 1/2 Teel. Kümmel, etwas Soßenwürze oder selbstgemachte Brühpulver. Frische Petersilie.
Zubereitung: Zwiebeln und Speck in Butter andünsten, die Pilze dazu geben. Alles braten, bis die Pilze glänzen. Nun Milch, Salz, Pfeffer, Würze und Kümmel dazu geben und alles soweit einkochen, dass eine sämige Soße entsteht. Abschmecken und gehackte Petersilie darüber streuen. Dazu passen gekochte Kartoffeln und frischer Gartensalat.
Zubereitungszeit:
ca. 30 Min.
Quelle: Genussregion Oberfranken