Paul Hußenether hat immer mehrere Eisen im Feuer, um es mit dem bekannten Sprichwort zu sagen. Und wenn er die Eisen aus dem Feuer holt, muss er sie schmieden, so lange sie noch heiß sind. Um den Beruf des Hufschmieds ranken sich viele Sprichwörter. Paul Hußenether ist Hufbeschlagschmied, wie es korrekt heißt.

In Niederlindach wird der Kleinweisacher von Lisa Noppenberger schon erwartet. Winny L., das Pferd von Lisa, muss neu beschlagen werden. "Na, wieder mal zu schnell gefahren", scherzt Hußenether, als er sieht, dass Winny L. ein Hufeisen verloren hat. Auch "Navarro", das Pferd des Niederlindacher Stallbesitzers, braucht neue Eisen für seine "Schuhe". Denn letztendlich sind die Hufe für das Pferd so etwas wie die Schuhe für den Menschen.

Jetzt könnte man annehmen, der Kleinweisacher sei mit seinem Beruf in eine echte Marktlücke gestoßen. Doch selbst sieht er das nicht so.
Er habe gut Arbeit und von dem Einkommen könne man auch leben, erklärt er. Aber Angebot und Nachfrage würden sich in diesem Geschäft von selbst regeln. So wie die Zahl der Pferde habe auch die Zahl der Hufschmiede zugenommen.

Dennoch - allzu groß ist die Konkurrenz für den Kleinweisacher nicht. Im Umkreis von etwa 200 Kilometern hat er einen festen Kundenstamm mit rund 600 Tieren zu versorgen. Etwa ein Drittel davon sind so genannte "Barfußläufer", das heißt, sie bekommen keine Hufeisen. Das Ausschneiden der Hufe, nichts anderes als die Pediküre beim Menschen, wird aber auch bei ihnen notwendig.

Kamen früher die Bauern mit ihren Pferden zum Schmied, so ist Paul Hußenether heute tagaus, tagein mit seiner mobilen Werkstatt zu den Tieren unterwegs. In seinem Transporter hat er alles dabei, was er braucht.
Eine Saison gibt es in diesem Job nicht. Etwa alle acht Wochen müssen die Pferde neu beschlagen werden. Lisa Noppenbergers Haflinger Winny L. sowieso. Denn die Niederlindacherin fährt Turniere mit der Kutsche, ein- oder zweispännig und privat mitunter sogar vierspännig. Natürlich hat die 20-Jährige einen Kutschenführerschein. Lisa hat auch schon ein Praktikum bei Hußenether gemacht. Die Arbeit sei nicht ganz ungefährlich, findet sie und für Frauen "ganz schön schwer".

Paul Hußenether macht das ganz locker. Immer ein Lächeln oder einen Scherz auf den Lippen, arbeitet er wie im Akkord und jeder Handgriff sitzt. Er schneidet, kratzt und feilt die Hufe aus. Den Gasofen in seinem blauen Transporter hat er ausgefahren und angeheizt und einen kleinen Amboss aufgebaut. Rot-glühend holt er das Eisen aus dem Feuer, legt es auf den Amboss und bearbeitet es mit ein paar kräftigen Schlägen. Danach wird es erst einmal angepasst. Auch wenn das ganz fürchterlich raucht und stinkt, das Pferd empfindet dabei keinen Schmerz. Winny L. würde sonst nicht so ruhig bleiben. Sind die Eisen angepasst, werden sie abgekühlt und dann mit sechs bis acht Eisenstiften aufgenagelt.

Orthopädie ist als weitere Tätigkeit auf Hußenethers Werkstattfahrzeug zu lesen. Das sei nicht anders als beim Menschen auch, erklärt er. "Wenn ein Pferd schief läuft, muss man das korrigieren." Ausgeglichen wird mit einer orthopädischen Einlage, die mit dem Tierarzt abgesprochen ist. Heute gebe es auch spezielle Einlagen, mit denen die Tiere bei Schnee oder Glätte besser laufen können. Früher habe man den Tieren Stroh in die Hufe gesteckt, heute wären die Einlagen aus Plastik.
Paul Hußenether liebt seinen Beruf und er liebt die Tiere. Gelernt hat er in der Herzogenauracher Schmiede Welker. Er bildet auch Praktikanten aus. Sie müssen schon eine Berufsausbildung haben und würden zur Prüfung erst zugelassen, wenn sie nachweisen können, dass sie zuvor drei Jahre in einem Betrieb versicherungspflichtig gearbeitet haben.