Er hat das alles kommen sehen, aber noch so eine Krise steht er nicht durch. Christian Pöllmann steht hinter der Rezeption im Adelsdorfer Drei-Kronen-Hotel. Er beugt sich über den Computer und öffnet die Belegungspläne des Hotels. Weiße Tabellen flimmern über den Bildschirm. Grün unterlegt sind die Zeiträume, in denen alle 36 Zimmer ausgebucht sind - bis Mitte September gibt es kaum grüne Felder. Pöllmann sagt: "Die Auslastung ist sehr bescheiden."

So wie Pöllmann geht es derzeit vielen Hoteliers in Bayern. Denn bis auf die klassischen Tourismushochburgen wie das Tegernseer Tal oder das Voralpenland verzeichnen die allermeisten bayerischen Hotelbetriebe für die Sommerferien wenig Buchungsanfragen. Laut dem Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Bayern, Frank-Ulrich John, liegt die Nachfrage an Hotelzimmern in vielen Regionen bei rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders schlimm seien Stadthotels betroffen. Hier liegt die Auslastung teilweise bei unter 10 Prozent, was John auf die fehlenden Geschäftsbuchungen zurückführt.

Wenige Hotelgäste im Raum Höchstadt

Auch im Raum Höchstadt berichten Hotelbetreiber von einer geringen Auslastung. Rund 30 Prozent vom regulären Sommerumsatz müsse Pöllmann momentan hinnehmen. Hochzeitsbuchungen seien weggebrochen. Und auch die Messegäste, die sonst in seinem Hotel unterkommen, gebe es in diesem Jahr nicht. Natürlich liege das vor allem an Corona, sagt er. Die wenigen Touristenattraktionen im Aischgrund verschärfen das Problem aber erheblich. Man sei nicht in der Fränkischen Schweiz, nicht im Steigerwald und das Karpfenland ziehe auch nur wenige Touristen an. Ein gut ausgebautes Fahrradnetz, das es im Aischgrund gibt, könne das nicht abfangen. "Wir waren letztes Jahr kein touristisches Zielgebiet und sind es heuer zweimal nicht", sagt er.

Interessant ist der Aischgrund laut Pöllmann vor allem für jene, die auf der Durchreise sind. Schließlich befinde sich sich das Gebiet, deutschlandweit gesehen, sehr zentral und das lade Reisende, die zum Beispiel aus dem Norden sind, dazu ein, für eine Nacht halt zu machen.

Von solchen Übernachtungsgästen hat auch Josef Lorz in seiner Pension in Nackendorf jahrelang profitiert. In diesem Jahr aber bleiben die Durchreisenden aus. Zwar habe er unter der Wochen viele Monteure bei sich untergebracht. Bei den Wochenendtouristen seien es aber höchstens 40 Prozent im Vorjahresvergleich. Weil er nur geringe Ausgaben habe, mache sich der Touristenwegfall zwar weniger stark bemerkbar. Dennoch sagt er: "Das Jahr ist gelaufen."

Außergewöhnliche Übernachtung im Holzfass

Ganz anders ist das bei Ulrike Gumbrecht. Die Betreiberin des Aischblicks bietet neben der Gastronomie auch noch drei Holzfässer zur Übernachtung an. "Wir sind in den Sommermonaten gut gebucht", sagt sie. Coronabedingt habe sie lange Zeit nur ein Fass vermieten dürfen, weil nur eine Sanitäranlage für drei Fässer zur Verfügung steht. Seit kurzem sei das aber vorbei. In den ersten 48 Stunden nachdem die Auflage zurückgenommen wurde, habe sie über Airbnb sechs Anfrage auf einen Schlag erhalten.

Dass die Touristen eher zu der außergewöhnlichen Fassübernachtung greifen, führt Gumbrecht auf die Buchungsplattform zurück. Hotelbesitzern bietet Airbnb ein vorgefertigtes Hygieneprotokolle an, das Gumbrechts Mitarbeiter einfach anwenden können. Damit, sagt sie, falle viel Arbeit für sie weg.

Abgesehen von Gumbrecht klagen die allermeisten Hotelbetreiber über zu wenig Gäste. Dabei sei gerade jetzt die Zeit für Städtetrips günstig, sagt John. "Alle Geschäfte haben offen und die Hotels seien untergebucht." Christian Pöllmann hofft, dass die Buchungen in den kommenden Monaten wieder zunehmen. Wenn ein weiterer Lockdown kommt, sei das das Ende für viele kleine Hotelbetriebe. Er warnt deshalb vor einer zweiten Welle. "Viele gehen mit der zurückgewonnenen Freiheit leichtfertig um." Er hofft, dass sich das nicht rächt.