Freya soll demnächst in eine Kindertagesstätte gehen. Mit ihren Eltern schaut sie sich im evangelischen Montessori-Kinderhaus um. In der Krippengruppe hat sie die bunten Holzfiguren bei der Weihnachtskrippe entdeckt. Vorsichtig steigt sie die schiefe Ebene hinauf, um auf Augenhöhe zu Schafen und Königen zu gelangen. "Wau-Wau", ruft sie und hebt den Hund aus dem Körbchen. Dann wird die Katze begutachtet und dann...

Freya konzentriert sich ganz auf ihre "Aufgabe", während sich die Eltern in Ruhe von Kinderhausleiterin Gabi Vaßholz die Einrichtung und ihre pädagogische Ausrichtung erklären lassen.

Die Zweijährige führt vor, was die italienische Pädagogin Maria Montessori Polarisation der Aufmerksamkeit genannt hat: Freya ist so sehr konzentriert auf ihre Figuren, dass sie alles ringsum kalt lässt. Dazu hat Montessori eine ganze Reihe von sehr nüchtern anmutenden "Spielsachen" entwickelt. So sollen auch nach den Vorstellungen der Röttenbacher Montessori-Erzieherinnen die Welt eigenständig entdecken. Mit Hilfe der Erzieherinnen.
"Die Kinder holen sich ihr Material, das in einer vorbereiteten Umgebung steht, selbst und arbeiten damit", erklärt Gabi Estor gerade einigen Eltern.

Deren Kinder haben, ohne dass ein Wort darüber verloren wurde, die interessanten Sachen schon entdeckt. Und probieren sie aus. Amy steht vor dem Kasten mit Holzblättchen, auf denen Farbschattierungen aufgedruckt sind. Sie nimmt einzelne heraus und vergleicht die Nuancen. "Wir zeigen den Kindern, wie das geht, wie man das Material benutzt", erklärt Estor den Eltern. "In jedem Material steckt eine Art Selbstkontrolle. Die Kinder sind dermaßen aufmerksam, denn sie wollen es genau nachmachen."

Montessoris pädagogisches Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" ist Maßstab für die Arbeit und "Herzensbildung und Vermittlung von Werten", fügt Vaßholz an. Auch praktischer Natur. So gehören Handfeger und Schaufelchen dazu. Vom Kehren um des Kehrens willen soll das Kind auch die richtige Handhabung beim Schmutz beseitigen ausprobieren und einüben dürfen.

Ben kennt das schon. Er geht ja auch schon in die fünfte Klasse. Dennoch wollte er sich am Tag der offenen Tür mal wieder in seinem Kinderhaus umschauen. "Ich kenn mich gar nicht mehr aus. Wo ist denn die Riesenschaukel?", fragt er seine frühere Erzieherin Anja Hellmuth. Sie bestätigt ihm, dass das Kinderhaus, das heuer 20 Jahre alt wird, in den letzten Jahren viel gewachsen ist. Ein eigener Krippenanbau wurde von der Gemeinde errichtet.

Derzeit wird ein weiterer Raum für die Allerkleinsten umgebaut. Die Vorschulkinder sollen eine Lernwerkstatt erhalten und die Hortgruppe mit zwölf Schulkindern füllt das Zwischengeschoss gut aus. "Ein Umzug in das Franziskushaus nebenan wird diskutiert", sagt dazu Pfarrerin Ulrike Lorentz. In die Räume, in denen während des Umbaus eine Kindergartengruppe ausquartiert ist.

Solche Probleme und Überlegungen lassen Freya kalt, aber keineswegs die Dinge, die sie in ihrer Höhe findet."Freya will gar nicht mehr nach Hause", ruft der Vater Vaßholz und Estor hinterher, als er dem Töchterchen in die Winterjacke hilft.