Die SPDlerin Martina Stamm-Fibich kandidiert für den Wahlkreis Erlangen für den Bundestag. Im FT-Interview stellt sie klar, dass ihre Einstellung zur Politik durch ihre Erfahrungen als Betriebsrätin, im Ehrenamt und als Mutter von zwei Kindern geprägt ist.

Warum soll der Wähler gerade bei Ihrem Namen sein Kreuzchen machen?
Ich möchte meine Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Arbeit, aus meinem Job als Betriebsrätin bei Siemens und aus meiner Rolle als Mutter von zwei Kindern in praktische Politik umsetzen und zur Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände und -situationen beitragen. Ganz oben auf meiner Prioritätenliste steht dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Durch meine Wurzeln im Landkreis Erlangen-Höchstadt und meine Berufstätigkeit in Erlangen Stadt fühle ich mich sowohl mit der Stadt, als auch mit dem Landkreis tief verbunden und möchte mich in Berlin für die Menschen aus meinem Wahlkreis einsetzen.

Was hat Sie dazu bewogen, eine politische Karriere einzuschlagen?
Da ich am eigenen Leib erfahren habe, wie schwer es ist, vor allem als Frau, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, zählt dies von jeher zu meinen Hauptbeweggründen, mich aktiv in die Politik einzubringen. Mein Motto könnte man kurz und knapp so zusammenfassen: "Frauen müssen selbst für Veränderungen sorgen!" Deshalb habe ich für Kommunalwahlen kandidiert und mit Erfolg als Gemeinderätin in Hemhofen Politik für Menschen gemacht.

Dass ich deshalb damals als Rabenmutter beschimpft wurde, hat mich tief getroffen - heute weiß ich, es war richtig, für Mittagsbetreuung, längere Öffnungszeiten der Kita und ein Gebäude für die offene Jugendarbeit zu kämpfen.

Wofür würden Sie sich denn als Bundestagsabgeordnete besonders einsetzen - was dürfen speziell die Bürger aus dem Wahlkreis Erlangen von Ihnen erwarten?
Mir ist bewusst, dass mein Wahlkreis ein sehr wichtiger Wirtschaftsstandort mit vielen Arbeitsplätzen ist. Ich möchte mich als Abgeordnete im Deutschen Bundestag besonders für den Erhalt und Aufbau dieser Arbeitsplätze einsetzen. Eine Region kann nur bestehen, wenn gute Arbeit geleistet wird, sie wirtschaftlich stark ist und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Außerdem muss Wohnen im Landkreis Erlangen-Höchstadt und vor allem der Stadt Erlangen weiter bezahlbar bleiben.

Normalverdiener dürfen nicht durch steigende Mieten aus ihren alteingesessenen Wohnungen vertrieben werden.

Mit der A3 führt eine der europäischen Hauptverkehrsadern quer durch den Wahlkreis. Wie stehen Sie zu einer Autobahn-Maut für alle Fahrzeuge?
Mit mir und der SPD wird es keine Pendler-Steuer geben! Meiner Meinung nach handelt es sich bei der von der CSU geplanten Autobahnmaut um eine Pendler-Steuer. Alle, die behaupten, eine Autobahnmaut nur für ausländische Pkw einführen zu wollen, täuschen vorsätzlich die Bürger. Denn das ist aus europarechtlichen Gründen ausgeschlossen! Nirgendwo in Europa gibt es eine Maut, von der Einheimische verschont bleiben. Bezahlen müssen entweder alle oder niemand. Die geplante Pkw-Maut belastet in erster Linie Arbeitnehmer, die im ländlichen Raum wohnen und zur Arbeit pendeln.

 


Würden Sie sich dann für die Realisierung der seit Jahren diskutierten Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach einsetzen? Macht ein solch schienengebundenes Verkehrsmittel überhaupt noch Sinn?
Für mich und die SPD ist klar: Die Stub ist die richtige Antwort auf den täglichen Verkehrskollaps und stellt die Weichen für eine gesunde ökonomische und ökologische Weiterentwicklung des Wahlkreises. Die Bahn verbindet die großen Arbeitgeber der Region mit den Wohngebieten, schafft eine attraktive Verbindung für die Studierenden in Nürnberg und Erlangen, verlagert den Autoverkehr auf die Schiene und entlastet so die Bürger vom Verkehr und nutzt zudem Klimaschutz und Energiewende.

 

Eine Stub schafft neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung wie bei der Ansiedlung von Gewerbe oder der Entwicklung weiterer Wohngebiete.

Die Bewohner an der B 470 in Gremsdorf fordern seit Jahren eine Ortsumgehung. Dürften sie auf Ihre volle Unterstützung hoffen?
Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass diese Forderung meine volle Unterstützung hat. Allerdings möchte ich auch ehrlich sein und keine leeren Versprechungen machen, wie es Politikern oft nachgesagt wird. Die Frage einer Umgehungsstraße für Gremsdorf ist problematisch und wird so lange offen bleiben, bis dieses Projekt Eingang in den Bundesverkehrswegeplan gefunden hat. Das knappe Budget wird derzeit in gezielte Investitionen in die Beseitigung von Engpässen ebenso wie die Sanierung des Bestandsnetzes gesteckt. Neubaumaßnahmen, wie die geforderte Ortsumgehung werden nicht berücksichtigt.

Die Fragen stellte Andreas Dorsch.

 

 

 


Persönliches 1965 in Erlangen-Bruck geboren und aufgewachsen lebt Stamm-Fibich inzwischen seit 30 Jahren im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Seit 2008 wohnt sie mit ihrer Familie in Möhrendorf.

Berufliches Nach der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und einigen Weiterbildungen ist sie seit 1989 im Bereich Medizintechnik bei der Firma Siemens tätig. Zuletzt als freigestellte Betriebsrätin.

Politisches Derzeit bestreitet die SPD-Politikerin einen Vollzeit-Wahlkampf mit dem Ziel, als Abgeordnete in den Deutschen Bundestag einzuziehen.