Anstatt sich auf die Lehre zu konzentrieren, haben sich zwei junge Männer auf den Handel mit Marihuana konzentriert. Zunächst haben die beiden Kumpanen die Klassenkameraden in der Berufsschule mit Gras versorgt.
Los geht es im Februar dieses Jahres. Für 250 Euro kaufen die beiden Freunde in Erlangen eine Menge von 20 Gramm Marihuana. Brüderlich teilen sich die beiden die Kosten. Im nächsten Monat besorgen sie die gleiche Menge. Offenbar ist die Nachfrage unter den Kollegen in der Berufsschule ziemlich groß. Denn kurze Zeit später fuhren die zwei Angeklagten nach Thüringen.

Diesmal gingen sie auf große Shopping-Tour. Für 1000 Euro erwarben die Beschuldigten 140 Gramm des gefragten Stoffes. Zurück in Franken verteilten die beiden das Marihuana unter den Bekannten an der Berufsschule. Insgesamt 65 Gramm davon gingen allein an "Kunden" aus Herzogenaurach.

Weil die Nachfrage offensichtlich nicht abebbte, fuhren die beiden Angeklagten kurz darauf erneut nach Thüringen. Erneut landeten 140 Gramm Gras im Wert von 1000 Euro in der Einkaufstüte der jungen Männer aus Erlangen. Diesmal verkauften die beiden 35 Gramm ins kleine Dechsendorf bei Erlangen und 20 Gramm nach Herzogenaurach. Weil der Handel immer besser florierte, fuhren die beiden Angeklagten sogar nach Berlin. In einem Park in Kreuzberg kauften sie im April zunächst 180 Gramm, zwei Wochen später sogar 330 Gramm. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei den beiden Lehrlingen mit dem blühenden Nebengeschäft schon auf den Fersen.

Denn kurze Zeit zuvor hatten die Angeklagten einen anderen jungen Mann aus der Kiffer-Szene in Erlangen brutal mit einem Elektroschocker überfallen. Bei dem Raub hatten die Angeklagten kein Geld, sondern erneut Gras im Visier. Um sich offensichtlich das Geld für die 30 Gramm zu sparen, packte der ältere Angeklagte einen Elektroschocker aus und versetzte dem Opfer mehrere Stromschläge gegen den Hals. Bei dem Überfall haben die beiden Angeklagten das Opfer auch noch so stark geschlagen, dass der Mann drei Tage im Krankenhaus verbringen musste.


Erinnerung kommt zurück

Der Jüngere der beiden Angeklagten will erst unmittelbar zuvor erfahren haben, dass der vier Jahre ältere Kumpel den Elektroschocker mitgebracht hatte. Der 25-jährige Angeklagte in seinem grünen Kapuzen-Pulli nickt und ergänzt, sein Kumpel sei sofort abgehauen. Der ältere Angeklagte wollte bei den ersten Vernehmungen bei der Polizei noch wenig erzählen. Vor Gericht kann er sich immerhin an einige Details erinnern.

Der ersten beiden Gras-Einkäufe kann sich der 25-jährige Klassenkamerad allerdings nicht mehr entsinnen. Zumindest die Drogen-Fahrten nach Thüringen und später nach Berlin räumt er vor dem Jugendgericht am Dienstag ein. Offensichtlich hat der Angeklagte mithilfe seiner Verteidigerin eingesehen, dass die Beweislast zu erdrückend ist.

Außerdem erinnert sich der Jüngere noch ganz genau an viele Einzelheiten, wie man gemeinsam die ersten beiden Male nach Erlangen-Bruck zum Gras-Dealer spaziert sei. "Wir haben alle An- und Verkäufe zusammen gemacht", sagt der 21-Jährige am Dienstag. Der angehende Kfz-Mechatroniker kann auch noch genau erzählen, wie man auf dem Parkplatz der Berufsschule die ersten Geschäfte mit den Klassenkameraden abwickelte.

Auch die Fahrten nach Thüringen sind ihm noch in guter Erinnerung. Noch während der Rückfahrt haben die Schulkameraden per Mobiltelefon nachgefragt, ob die Shopping-Tour erfolgreich gewesen war. Schon nach der Festnahme in Nürnberg am 2. Mai mit knapp 300 Gramm im Gepäck hat der Jüngere bei der Polizei detailliert ausgesagt. Weil mehrere Zeugen nicht erscheinen konnten (ein Polizist befindet sich im Urlaub, ein anderer Zeuge auf einer Klassenfahrt in Frankreich) werden die Plädoyers frühestens am nächsten Verhandlungstag am 5. Oktober vorgetragen. Dann soll auch das Urteil gesprochen werden.