Fritz und Christa Schierer lieben alte Häuser: "Sie haben eine besondere Atmosphäre", sagt Christa Schierer. "Und Charakter", ergänzt Hans-Joachim Schierer, der Sohn der beiden. Auf der Suche nach einem alten Haus wurden sie 1984 in der Bachgasse in Aschbach fündig.

Nun macht es aber einen Unterschied, ob man sich einfach nur für ein altes Haus entscheidet, oder - wie im Fall Schierer - eine ehemalige Synagoge erwirbt. Christa und Fritz Schierer ließen das verwahrloste Gebäude unter fachmännischer Begleitung behutsam instandsetzen, schreibt Projektbegleiterin Annette Faber vom Denkmalschutzamt. Jetzt wurden die Bemühungen und der Aufwand der Familie belohnt: Der herausragende persönliche Einsatz von Christa und Fritz Schierer wurde mit der Denkmalschutzmedaille gewürdigt.


Nein, sie hätten nicht gewusst, dass das Haus unter Denkmalschutz steht, als sie es - nach einer langen Zeit des Leerstands - erwarben, sagt Christa Schierer. Doch das habe sich rasch geändert. Als Fenster erneuert werden mussten, schaltete sich der Denkmalschutz ein.

Beim Kauf sei der Zustand des Hauses "zum Fürchten" gewesen, erzählen die beiden. An der Vorderfront verschandelten dreiflügelige völlig unpassende Fenster das historische Gebäude. Die Fenster waren nicht intakt, es regnete durchs Dach, Wasserleitung und Elektroinstallation mussten neu gelegt werden, um das Haus überhaupt bewohnbar zu machen.

Der Dachstuhl musste teils erneuert und - wegen des Hausbocks - präpariert werden. Das Mansarddach des spätbarocken Baus, vom Vorbesitzer mit Frankfurter Pfannen gedeckt, bekam eine denkmalgerechte Biberschwanz-Eindeckung. Sie habe sich von Anfang an vorstellen können, wie das Haus fertig aussehe, sagt Christa Schierer. Denn die Familie wollte ja darin wohnen.

"Alles, was markant ist, haben wir so gelassen", sagt Sohn Hans Joachim. Und da gab es viel in der 1766 errichteten Synagoge. Sie wurde auf dem Platz einer noch älteren Synagoge erbaut, nachdem die Aschbacher jüdische Gemeinde um 1850 stark zugenommen hatte.

Bei jeder baulichen Entscheidung sei darauf geachtet worden, die Vergangenheit zu veranschaulichen, schreibt Annette Faber weiter. An der Außenseite zeichnet sich noch der Vorbau für den Thoraschrein ab. Im ehemaligen Synagogenraum sei noch die einstige Höhe der Fenster, die über zwei Etagen gingen, zu erkennen.
Als das Dach abgedeckt wurde, war das für den damals zehnjährigen Sohn "wie eine Schatzkammer". Er habe alles Mögliche gefunden, Gegenstände, die heute teilweise im Museum sind. Ein ganz besonderer Raum ist die einstige Frauenempore, die über eine alte gedrehte Treppe zu erreichen ist.

Der etwa 80 Quadratmeter große Raum wird heute als großes Wohnzimmer genutzt und hat sich als ideal für Familientreffen erwiesen. Die hölzerne Tonnendecke ist im Original erhalten.

Vor der Ostwand mit dem runden Misrachfenster sind jetzt Bestandteile der historischen Ausstattung in einem großen Podest so eingelagert, dass sie der Forschung jederzeit zugänglich sind.

Bis zur Reichspogromnacht im November 1938 war das Gebäude in der Bachgasse Synagoge und Wohnung des Rabbiners. Sie habe zwar nicht gebrannt, sei aber geschändet worden, schreibt Annette Faber. Wenn Christa Schierer heute in ihrem Garten die Beete umgräbt, findet sie noch immer jede Menge Scherben von den zerborstenen Fenstern. Nach dem Krieg habe man in dem Gebäude Flüchtlinge untergebracht.

Neben der Synagoge befindet sich in einem eigenen Häuschen die Mikwe aus dem Jahr 1912, das Tauchbad für die rituellen Waschungen, das ebenfalls liebevoll saniert wurde. Das Wasser für die Mikwe musste "aus lebendigem Wasser" sein. Auch die Aschbacher Mikwe wurde über ein Rohrsystem mit Quellwasser gespeist, was heute noch zu sehen ist.