"So kann es nicht weiter gehen", sind sich Anwohner der Bar Neutrino (dem ehemaligen Altstadtclub) in der Oberen Brauhausgasse im Zentrum Höchstadts einig. Freitags und Samstags rauben ihnen grölende und häufig betrunkene junge Kneipenbesucher den Schlaf - und das immer wieder bis fünf Uhr früh.

Das Rauchverbot in der Bar treibt sie an die Tische vor der Eingangstür und die erlaubte Öffnungszeit bis fünf Uhr früh tut ihr Übriges. Nachbarn, von denen aber niemand namentlich genannt werden möchte, klagen über Flaschen, Gläser und Aschenbecher die auf dem Kopfsteinpflaster zu Bruch gehen, über das wilde Urinieren an Hausfassaden und über Beleidigungen, die sich die müden Anwohner anhören müssen, wenn sie die im Freien lärmenden Gäste spät nachts um Ruhe bitten.

Keine Chance zu schlafen

Wenn alle anderen
Gaststätten in Höchstadt dicht gemacht haben, sammeln sich die Zechbrüder am Neutrino, stellt ein Nachbar immer wieder fest: "Da hat man keine Chance, weiter zu schlafen."

Sie haben bereits Unterschriften gesammelt, sich an Polizei und Stadtverwaltung gewandt. Am Montagabend nutzten einige der Anlieger die Bürgerfragestunde in der Stadtratssitzung, um ihrem Ärger erneut Luft zu machen.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) übergab dieses Thema an seinen Stellvertreter Günter Schulz (SPD), weil Miteigentümer des Gebäudes, in dem sich die Bar befindet, aus Brehms Familie kommen und er sich nicht dem Vorwurf der Befangenheit aussetzen möchte.

Harte Fakten nötig

Schulz und auch die Stadtverwaltung befassen sich mit diesen Klagen schon länger. Die Öffnungszeit bis fünf Uhr sei bayerisches Recht, sagt der Zweite Bürgermeister. Allerdings wurde den Kommunen vor einiger Zeit wieder die Möglichkeit eingeräumt, die Sperrzeit zu verlängern. Das müsse allerdings begründet sein. Weil es sich dabei um einen Verwaltungsakt handle, könnte der Gastwirt Widerspruch einlegen, stellt Schulz fest, "und dann brauchen wir harte Fakten". Der ehemalige Polizeichef von Neustadt kennt diese Thematik noch bestens aus seiner Amtszeit.

Schulz hat sich selbst schon ein Bild vor Ort gemacht und ein gemeinsames Gespräch mit allen Beteiligten geführt, "um die Sache sauber zu regeln" - bisher allerdings ohne Erfolg. Jetzt ist am 5. August ein weiterer Termin mit Gastwirt, Verwaltung und Anwohnern geplant. "Notfalls müssen wir die Sperrzeit ändern und nur bis ein Uhr Barbetrieb erlauben", droht Schulz an. Damit könnten die Anwohner leben, räumen sie ein. Der Gastwirt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.