"Ein Ruck ist durchs ganze Dorf gegangen!" Wie Martin Oberle empfanden bei der Eröffnung der 600-Jahr-Feier von Kieferndorf viele Bewohner und Gäste. "Wir haben alles zusammengetragen, sagte auch Marianne Zimmermann, "die Triebfeder", die in dem 42-Seelen-Ort alles ins Laufen gebracht hat.

Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, auch wenn die Kieferndorferin dabei wohl mehr die Geschichte ihres Heimatortes vor Augen hatte.

Für sein rundes Jubiläum hat der kleine Ort tatsächlich alles aufgeboten, was nur möglich war.

Fränkische Fahnen wehten, große und kleine Karpfen schmückten die Ortsstraße und die Freude und der Elan des ganzen Dorfes waren beinahe greifbar. Bereits am Samstag waren vermutlich zehn Mal so viele Menschen in Kieferndorf als der Ort Einwohner hat.

Was macht Kieferndorf so besonders?

Bundestagsabgeordneter Stefan Müller (CSU) brachte es auf den Punkt: "Kieferndorf hat auch als Stadtteil von Höchstadt seinen eigenen Charakter bewahrt." Der Ort habe alles, was ein fränkisches Dorf ausmache. Eine lange und wechselvolle Geschichte, eine intakte Dorfgemeinschaft und ein hohes Maß an Zusammenhalt. Nicht zu vergessen - die Weiher! Oder wie Karpfenkönigin Katrin Uano rezitierte: "Was wär'n wir ohna Weiher? Wie a Omlett ohne Eier!" Die Karpfenkönigin reihte sich ein in den Reigen der vielen Promis und Kandidaten der bevorstehenden Wahlen, die dem Jubiläumsort die Ehre gaben.

Bürgermeister Gerald Brehm zeigte sich als Schirmherr charmant und ernannte Kieferndorf zum wichtigsten Ortsteil der Stadt. Auch wenn er bei nächster Gelegenheit in einem anderen Ortsteil wohl das Gleiche sagt - für die Kieferndorfer fand er höchstes Lob.

Gemeinsam etwas zu tun, schweiße zusammen.

Gemeinsam habe man es auch geschafft, dass Kieferndorf "den größten Wendehammer im Stadtgebiet" bekam. Das sei den Ortsbewohnern ein eigenes Fest wert, das Wendehammerfest, das seit zehn Jahren gefeiert werde.

An dem kleinen Festzug, vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Höchstadt angeführt, nahmen ohne Ausnahme alle 42 Einwohner teil. Es sei auch niemand krankheitshalber ausgefallen, versicherte Martin Oberle, der die Gäste und die vielen Sponsoren, die auf einer eigenen Schautafel genannt sind, willkommen hieß. Sein besonderer Dank galt der Freiwilligen Feuerwehr Kieferndorf-Medbach, die sich für die Feier verantwortlich zeichnet.

Mit einem Blick in die Chronik stellte Marianne Zimmermann fest, dass Strukturen und Namen im Ort über die Jahrhunderte gleich geblieben sind. Dem Höchstadter Historiker Sebastian Schmidt und Kreisheimatpfleger Manfred Welker, die sich um die Aufarbeitung der Kieferndorfer Geschichte verdient gemacht haben, galt ihr Dank. Bei seinen Forschungen hatte Sebastian Schmidt einen "Pöppel" ausgegraben, der 1596 die Bauersleute und Knechte ordentlich in Angst und Schrecken versetzt haben muss. Die Theatergruppe des Heimatvereins griff die Geschichte auf und machte ein Stück daraus, das auf der Wiese in der Ortsmitte zur Aufführung kam. Leider endet es tragisch. Der Pöppel, an den heute noch der Flurname "Pöppellache" erinnert, kam unter mysteriösen Umständen ums Leben.

Nach einem gemütlichen Nachmittag gab es am Abend Live-Musik mit der Band Konfetti und DJ Crunch. Gegen 22 Uhr erhellte ein Feuerwerk den nächtlichen Himmel über dem Weiher.