Eine Woche noch, dann ist Landtagswahl. Noch nicht jeder hat sich bereits entschieden, wie eine Publikumsbefragung zu Beginn der FT-Podiumsdiskussion am Donnerstagabend ergab. Aber vielen hat der knapp dreistündige Abend etwas gebracht. So schnellten auf die entsprechende Abschlussfrage von Moderator Andreas Dorsch fast alle Hände nach oben.

Gut 150 Besucher fanden sich in der Fortuna Kulturfabrik ein und verfolgten eine großteils sachliche, von Argumenten geprägte Diskussion. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass das Thema Flüchtlinge weitgehend ausgeklammert worden war. Wohnungsnot, Bildung und Ausbildung sowie die Krise der Demokratie waren als Schwerpunktthemen genannt.

Einmal freilich wurde es emotional. Als der FDP-Kandidat Boulent Ekrem, der aus Griechenland stammt, seit 32 Jahren in Herzogenaurach lebt und längst integriert ist, an die Adresse des AfD-Bewerbers Michael Meister ( ebenfalls Herzogenaurach) nämlich feststellte: "Viele Menschen haben Angst vor Ihrer Partei." Für Ekrem gab es anhaltenden Applaus aus dem Publikum.

Auf Distanz

Als daraufhin der AfD-Ortsvorsitzende Christian Bessler den Kandidaten der Linken als Sympathisanten von Terroristen bezeichnete, gab's ebenso deutlichen Protest aus den Besucherreihen. Der 19-jährige Lukas Eitel hatte Meister zuvor aufgefordert, die Partei zu verlassen. Wenn der sich doch zu den gemäßigten Politikern zähle und von Hetzrednern wie Bernd Höcke distanziere. Meister hatte zuvor gesagt: "Von Herrn Höcke distanziere ich mich aufs Deutlichste." Der sei als "U-Boot" der neuen Rechten geschickt.

Den großen Teil des Abends über erklangen aber leise Töne. Es wurde kein polemischer Schlagabtausch. Dazu trug die Disziplin der Redner bei. Routiniert agierten Walter Nussel (CSU) und Alexandra Hiersemann (SPD) und brachten ihre bisherige Erfahrung im Landtag ein. Szenenapplaus gab es für Lukas Eitel für seine unbekümmerte und dennoch fundierte Argumentation. Rhetorisch geschliffen präsentierten sich Christian Enz (Freie Wähler), wenn manchmal auch etwas ausschweifend, und Medienmann Michael Meister (AfD). Frei von der Seele weg sprachen Astrid Marschall von den Grünen und der etwas aufgeregte Boulent Ekrem (FDP).

Und wer mag mit wem? Spannend wie nie präsentiert sich diese anstehende Wahl. Die CSU braucht einen oder gar mehrere Koalitionspartner, um weiter zu regieren. Und rein rechnerisch ist erstmals sogar eine Vierer-Regierung gegen die CSU möglich. Glaube man den Prognosen, werde sich die "Zusammensetzung gewaltig verändern", sagte FT-Redakteur Andreas Dorsch, der die Veranstaltung gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Bauriedel moderierte.

Schwarz-grün? Für Nussel nicht

Mit den Grünen könnte sich Walter Nussel (CSU) derzeit keine Zusammenarbeit vorstellen. Diese Partei wolle zu viel reglementieren, mit dem Bürokratiebeauftragten der Staatsregierung ist das wohl eher nicht zu machen. Für den Höchstadter Christian Enz ist die Zeit reif für eine bürgerliche Alternative in der Regierung. Die CSU brauche einen vernünftigen Koalitionspartner. Enz: "Das können nur wir sein."

Die beiden Kandidatinnen von Grünen und SPD könnten sich im Falle einer Regierungsbeteiligung mit der CSU persönlich nicht vorstellen, Markus Söder zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Zwischen den Themenblöcken (ausführlich auf Seite 14) gab es ein paar Fragerunden an die Politiker. Diese sollten sich zu für sie typische Dinge äußern. Die Grüne Astrid Marschall kann sich demnach durchaus ein Windrad vor der Haustür vorstellen. Es dürfe sie aber nicht durch Lärm und Schattenwurf belästigen, müsse also schon etwas entfernt stehen. Walter Nussel wurde gefragt, ob Horst Seehofers Politik als Innenminister im Bund nicht der CSU im Land schade. "Ich denke, dass unser Parteivorsitzender schon weiß, was er sagt", meinte Nussel. Mit allem sei er aber nicht einverstanden.

In der Pause ergaben sich Möglichkeiten zum Gespräch. Da sah man dann kleine Gruppen zusammenstehen, unter anderem unterhielt sich der FDP-Kreisvorsitzende Michael Dassler mit AfD-Kandidat Michael Meister. Signale für eine Zusammenarbeit? "Wir kennen uns halt schon lang", sagte Dassler. Beide sind etwa gleich alt und aus Herzogenaurach. Also eher eine private Unterhaltung.

Lob aus Herzogenaurach

Der Höchstadter Frank Greif sprach mit Christian Enz. Greif war einst Bürgermeisterkandidat der SPD, hat die Partei inzwischen aber verlassen und sich der Jungen Liste zugewandt. Die erste Gruppe, die bereits eine halbe Stunde vor Beginn ankam, war rot-grün besetzt und aus Herzogenaurach. Aus dieser Stadt war auch eine Besucherin, die den FT bislang nur am Rande kannte, sich aber sehr angetan von der Podiumsdiskussion zeigte. "Eine klasse Veranstaltung", lobte sie.