Kroatien ist seit dem 1. Juli der 28. Mitgliedstaat der Europäischen Union. In seiner wechselvollen Geschichte hat das kleine Land mit nur 4,4 Millionen Einwohnern vom Königreich über die österreichisch-ungarische Monarchie bis zum jugoslawischen Staat und zum Kommunismus alle möglichen Staatsformen durchlebt. Wie stehen die Kroaten jetzt zur EU-Mitgliedschaft? Wir haben Pater Stefan Pavokovic, seit vielen Jahren Pfarrer in Wachenroth, befragt. Er unterhält viele Kontakte in sein Heimatland Kroatien.

Pater Stefan, wie sehen Sie den EU-Beitritt ihres Heimatlandes?
Pater Stefan: Geht man in die Geschichte zurück, gehörte Kroatien eigentlich immer schon zu Europa. Die Kroaten sind ein katholisches und ein europäisches Volk. Mit dem Einzug des Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Kroaten ins Ausland, vor allem nach Deutschland, gegangen.
Kroatien hat Deutschland, Kanzler Kohl und Minister Genscher viel zu verdanken. Der Beitritt zur EU ist eigentlich der Vollzug dessen, was man in Kroatien immer schon gefühlt hat.

Was erwartet man in Kroatien vom EU-Beitritt?
Pater Stefan: Ich glaube, Kroatien kann vom EU-Beitritt profitieren. Darauf wird man auch in Kroatien bauen. Aber das Glück Kroatiens liegt in der eigenen Hand. Durch die Mitgliedschaft ergeben sich große Chancen und viele Möglichkeiten. Aber sie müssen sehr fleißig sein und wie in einer Familie mit den anderen zusammenarbeiten.

Wie sehen diese Möglichkeiten aus?
Kroatien hat an Naturschönheiten und Kultur sehr viel zu bieten. Herrliche Landschaften, Weinberge und nationale Spezialitäten. Aber auch sehr schöne Orte und Städte. Man denke nur an die Weltkulturerbestadt Dubrovnik. Das ist sehr gut für den Tourismus.

Wie stehen ihre Landsleute zum Euro? Die Landeswährung derzeit ist ja die Kuna.
Die Meinung im Land ist zweigeteilt. Eigentlich möchte man den Euro schon. Andrerseits ist auch die Angst davor zu spüren. Aber das ist ja noch lange nicht so weit.