Die Situation auf dem Areal der drei größeren Mehrfamilienhäuser in der St.-Georg-Straße erinnert stark an Verhältnisse, wie sie vor der Wende im Osten anzutreffen waren. Seit Monaten lagern hier Berge von Bauschutt und Baumaterialien. Seit November 2012 ist das Grundstück eine Großbaustelle.

Die Häuser sollten gedämmt und generalsaniert werden. Die Mieter müssen Lärm und Schmutz ertragen, haben aber schon längst genug davon. Die Arbeiten auf der Baustelle gingen mehr als schleppend voran und sind jetzt erst einmal ganz eingestellt.

Der Eigentümer der Häuser mit den 36 Wohnungen, die "Simons und Stark Bau- und Verwaltungs GmbH" in Heroldsberg, hat Insolvenz angemeldet. Geschäftsführerin Branka Stark, die im November 2013 noch Zuversicht verbreitet hatte, ist derzeit nicht zu erreichen.
Die Geschäfte der Firma hat Rechtsanwalt Joachim Exner übernommen, der vom Amtsgericht Fürth bestellte vorläufige Insolvenzverwalter.

Mietverträge bleiben gültig

Er versicherte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass er "den schwierigen Zustand der Dauerbaustelle zeitnah verbessern" wolle. An den Mietverträgen ändere sich nichts, die hätten auch in der Insolvenz Bestand.
Trotzdem machen sich die Mieter Sorgen, wie es mit den Wohnungen, in denen sie teilweise schon 50 Jahre leben, weitergeht. "Wir wünschen uns eine deutsche Firma, die weiß, was sie tut, und die die Häuser schnellstens übernimmt", sagt eine langjährige Mieterin. Sie beobachtete in den vergangenen Monaten die Rumänen, die an den Wohnblocks gearbeitet hatten. Selbst Geschäftsführerin Stark sprach im November von "prähistorischen Methoden".

Die Mieter klagen darüber, dass sie derzeit keinen Ansprechpartner haben, sie ihre Balkone ebenso wenig nutzen können wie den im Mietvertrag zugesicherten Dachboden. Den gewohnten Ausblick ins Grüne gibt es nicht mehr, dafür leben sie auf einer Baustelle.

Der Versuch der jetzt insolventen Eigentümer, die Wohnungen einzeln zu verkaufen, war bisher nicht erfolgreich. Bei der Dauerbaustelle auch kein Wunder. "Aber es haben sich viele Höchstadter die sanierte Demo-Wohnung angeschaut", erzählt eine Mieterin, die wie ihrer Mitbewohner in der Ungewissheit lebt, was kommt.

Die Rettung könnte dabei die Stadt Höchstadt bringen. Für den auf die Insolvenz angesprochenen Bürgermeister Gerald Brehm (JL) wäre es durchaus denkbar, dass die Stadt eine Wohnungsgesellschaft gründet und die drei Häuser übernimmt. Im Zusammenhang mit dem städtischen Beamtenwohnhaus am Kellerberg habe man darüber schon nachgedacht, sagt Brehm. Die Stadt müsste keinen Gewinn erwirtschaften und bekäme Darlehn günstiger als Privatunternehmen. Mit einer Wohnungsgesellschaft, die aber nicht über den normalen Haushalt abgerechnet werden dürfte, könnte auch der Mietpreis in Höchstadt verträglich gehalten werden, meint Brehm. Voraussetzung wäre aber eine politische Mehrheit im Stadtrat.