Im Notfall müssen Ersthelfer möglichst schnell an wichtige Informationen über den Patienten kommen: Ist er auf wichtige Medikamente angewiesen oder gegen bestimmte Wirkstoffe allergisch? Hier setzt die Notfalldose an: Eine kleine Box, um schnell über die gesundheitliche Vorgeschichte, Medikamente oder eine Kontaktperson zu informieren. Wie die Notfalldose funktioniert und welche Vorteile das System hat, erklärt der Arzt Dr. Michael Deistler heute mit einem Vortrag in Weisendorf.

Wie sind Sie selbst auf die Notfalldose gestoßen?
Michael Deistler: Ein langjähriger, hochgeschätzter Bekannter, Herr Schreiner, der sich im Seniorenbeirat des Marktes Weisendorf sehr engagiert, hat mich auf die Notfalldose aufmerksam gemacht und mich auch gebeten mich für deren Verbreitung einzusetzen. Da das Prinzip einfach aber genial ist, fiel es mir leicht zuzusagen.

Welche Erfahrungen haben Sie als Notarzt gemacht?
In meiner Zeit als Notarzt in Schwabach, aber auch im Raum Herzogenaurach, die allerdings schon etwas zurück liegt, standen wir häufig vor dem Problem, einen bewusstseinsgetrübten Patienten oder sehr aufgeregte Angehörige anzutreffen, die uns über die Vorgeschichte des Patienten wenig oder keine Informationen geben konnten. Dies hat die Akutversorgung bei schweren Erkrankungen, wie Diabetes oder koronarer Herzkrankheiten oft erschwert und viel Zeit gekostet. Hätte es damals eine Notfalldose gegeben, hätten wir oft schneller und präziser reagieren können. Vielleicht hätte sich die ein oder andere Notfallbehandlung positiv beeinflussen lassen können.

Was ist in der Notfalldose enthalten?
Ein Notfallinfoblatt, welches zweckmäßigerweise zusammen mit dem Hausarzt ausgefüllt werden sollte und zwei Aufkleber, die deutlich sichtbar an der Innenseite des Türstocks der Eingangstür und an der Kühlschranktür gut sichtbar, also auf Augenhöhe, angebracht werden sollten.

Für wen ist die Notfalldose geeignet?
Für alle chronisch Kranken, für Patienten, die nicht bei ihren Angehörigen leben, bei Neuerkrankungen und grundsätzlich für alle Senioren, aber auch für Alleinstehende, bei denen im Notfall aktuell keine Informationen eingeholt werden können.

Was kostet eine solche Dose, woher bekommt man diese?
Meines Wissens ist die Notfalldose über das Internet für zwei Euro zu bekommen, einzelne Apotheken im Umkreis geben sie sogar für einen Euro ab.

Was ist Ihnen in Ihrem Vortrag am Dienstag besonders wichtig?
Es ist mir wichtig darzulegen mit welch geringem Aufwand es möglich ist den Rettungskräften ihre Arbeit zu erleichtern, alle Dinge für den Notfall zu regeln, die dem Patienten wichtig sind und für den Fall vorzusorgen, dass der Patient nicht mehr in der Lage ist wichtige Informationen weiter zu geben, aber auch Dinge in seinem persönlichen Umfeld zu regeln (Information von Angehörigen, Haustierbetreuung, Patientenverfügungen, Organspendeausweis, und vieles mehr).

Das Gespräch führte Franziska Rieger

Info
Termin Die Informationsveranstaltung findet am heutigen Dienstag, 10. April, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Weisendorf, Gerberlseite 2, statt. Der Eintritt ist frei.

Veranstalter Der Seniorenbeirat Markt Weisendorf lädt alle interessierten Bürger zu dem Vortrag ein. fr