Kaum ist der letzte Schnee von den Straßenrändern weggetaut, rücken sie wieder aus, die Männer vom Kreisbauhof in Heßdorf. Der vierköpfige Trupp hat die Aufgabe, auf beiden Seiten der 186 Kilometer Kreisstraßen den Unrat einzusammeln, den Umweltfrevler meist aus ihren Autos geworfen haben.

Aber nicht nur dabei kommen ganze Berge von Müll zusammen. Auf dem Bauhofgelände lagern auch rund 70 alte Auto- und Traktorreifen, die dort eigentlich gar nicht hingehören. "Das ist die Ausbeute dieses Winters", sagt Bauhofleiter Jürgen Ertl. Die letzten neun Exemplare fanden Kreisbauhof-Mitarbeiter bei einer Streckenkontrolle an einem Rastplatz bei Ailersbach.

Steuerzahler muss zahlen

Alte Autoreifen sind für die Männer vom Bauhof das größte Übel.
In manchem Jahr sind es über 200, die nur an den Kreisstraßen illegal abgeladen werden, rechnet Ertl hoch. Für die fachgerechte Entsorgung muss dann der Steuerzahler aufkommen. Denn wie jedem Bürger werden auch dem Landkreis auf den Wertstoffhöfen 2,50 Euro pro Reifen berechnet. Bauhofleiter Ertl und seinem Stellvertreter Markus Simon fehlt für solche Straftaten jegliches Verständnis.

Um all den Müll, der sich an den Straßenrändern ansammelt, los zu werden, muss der Kreisbauhof genauso bezahlen wie jeder Privatmann.

Bierflaschen, Dosen, Autoradios, Computer, selbst blaue Müllsäcke mit gebrauchten Einwegspritzen haben die Männer schon aus den Straßenböschungen geholt. Wenn jetzt die dreiwöchige Aktion wieder startet, werden pro Tag im Schnitt zwölf 200-Liter-Müllsäcke zusammenkommen, ist sich Jürgen Ertl sicher.

Jeden Tag ein Flachmann

Die Reinigung der Böschungen ist auch notwendig, um mit dem Mulch-Unimog durchfahren und mähen zu können. Die Bauhofmitarbeiter könnten auf die Müllsammel-Aktion aber auch ganz gut verzichten. Stattdessen dürfen sie auch noch die Hinterlassenschaften von Serientätern beseitigen. "Zwischen Beutelsdorf und Untermembach liegt jeden Tag an der selben Stelle am Waldrand ein Flachmann", berichtet Ertl. Noch haben sie den Autofahrer, der das Fläschchen zum Fenster rauswirft, nicht ausfindig gemacht.

Bis 300 Euro für fünf Reifen

Sollte er doch einmal erkannt werden, droht ihm ein Bußgeld von 15 Euro. Dann kommt Hans Leuchs ins Spiel, Sachgebietsleiter vom Umweltamt des Landkreises. Er verhängt die Bußgelder und kann sich dabei auf einen ähnlichen Katalog stützen, wie er im Straßenverkehr gilt. In die Kategorie des Schnapsfläschchens fallen auch Zigarettenschachteln und andere "Gegenstände unbedeutender Art".

Bis zu einem Eimer pflanzliche Abfälle kosten 30 Euro Bußgeld, für einen illegal in der Landschaft entsorgten Fernseher verrechnet Leuchs 150 Euro. Wird jemand ermittelt, der bis zu fünf Altreifen irgendwo verschwinden lässt, erwarten ihn zwischen 100 und 300 Euro Bußgeld.

Die Täter bekommen ihren Bescheid, haben zwei Wochen Zeit für einen Einspruch. Wird der nicht eingelegt oder ihm nicht stattgegeben, müssen sie zahlen, sagt Leuchs. Notfalls wird sogar eine "Erzwingungshaft" verhängt. 30 bis 40 Verfahren wegen wilder Müllablagerungen leitet er im Jahr ein. Leuchs: "Meistens zahlen die Leute, weil sie es nicht zu einem öffentlichen Verfahren kommen lassen wollen."