Es regnet. In Anoraks gehüllt und mit Schirmen ausgerüstet treffen sich 30 bis 40 Leute am Waldrand in Höchstadt-Süd. Johannes Marabini von der Unteren Naturschutzbehörde hat wieder einmal zu einer Wanderung eingeladen.

"Ich bin Bäche mit Forellen gewohnt und keine Weiher mit Karpfen", begründete Hartmut Strunz, bis vor Kurzem Förster im Bayerischen Wald, sein Interesse. Nun lebt er in der fränkischen Heimat seiner Ehefrau und erkundet mit ihr - in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz - die hiesigen Regionen.

Wunderbar entwickelt

Zu einem Doppeljubiläum hat Marabini eingeladen: 15 Jahre gibt es die Bayern Tour Natur mit ihren öffentlichen Wanderungen zu besonders markanten Punkten der lokalen Biologie und Geografie. 20 Jahre ist es her, dass der Landschaftspflegeverband Mittelfranken das Lebensraumprojekt Niedermoore und Moorweiher in Angriff genommen hat. Damals unter der Schirmherrschaft von Landrat Franz Krug (CSU).

Sein heutiger Nachfolger Alexander Tritthart (CSU) hat die Region zwischen Höchstadt, Krausenbechhofen, Poppenwind und Kleinneuses gleich in seinem ersten Dienstjahr erkundet. "Es hat sich wunderbar entwickelt", war er sich deshalb auch am Samstag sicher. Wie die Unteren Feldweiher nur wenige Schritte im Wald. Für den Teichwirt sind sie unsichere Kantonisten gewesen, mit der Gefahr, dass sie in niederschlagsarmen Jahren trockenfielen, so dass sich eine Nutzung nicht rentierte.

Auch der Bezirk pflegt

Hier griff der Landschaftspflegeverband ein und sorgte für eine mäßige Einstauung, sodass an den Rändern typische Niedermoore mit ihrer besonderen Vegetation entstehen konnten.

Der Landschaftspflegeverband ist eine Einrichtung des Bezirks Mittelfranken. "Natur und Umwelt assoziiert man normalerweise nicht mit dem Bezirk", bekannte denn auch Bezirksrätin Gisela Niclas (SPD).

Rund 50 Hektar Gelände hat der Landkreis aufgekauft, um die einmaligen Landschaftselemente zu erhalten. In den vergangenen 20 Jahren, so hat Karin Klein-Schmitt vom Verband errechnet, sind rund 380 000 Euro in das Projekt um Höchstadt geflossen. Das meiste als Entgelt für Landwirte, die die schutzwürdigen Flächen Jahr für Jahr mähen und pflegen. Wie Heinrich Dietsch. "Für Traktorarbeiten finden wir noch viele; aber für die anfallende Handarbeit...", lobte sie sein Engagement.

Herzstück des Niedermoor-Moorweiher-Projekts ist das Naturschutzgebiet bei Krausen-bechhofen. Ein ganz grünes und ganz stilles Eck. Man glaubt nicht, dass die Häuser von Gremsdorf in Sichtweite sind, wenn die Grünfrösche quaken und Enten quarren. Und: die Wasserflächen sind kaum auszumachen, steht doch nun im Juni das Schilf schon recht hoch. Aber genau seinen Schutz brauchen die Vögel und die Frösche.

"Hier sind die größten Vorkommen der Moorfrösche", erläuterte Marabini auf dem Weg. Wenn die Männchen ihre quietschblaue Laich-Färbung im Frühjahr tragen, locken sie in Massen Naturfotografen an. "Es ist schon grenzwertig, wenn sie in Neopren-Anzügen im Teich auf das Auftauchen der Frösche lauern." Solche Störungen gibt es für die brütenden Vögel weniger, vor allem nicht für die, die sich auf die Insel aus alten Weiherdämmen zurückziehen.

Geheimnisse im Dickicht

Nur hier und da fliegt eine größere oder eine kleinere Silhouette auf. Die Vogelfreunde zücken ihre Feldstecher. Denn hier ist nicht nur der Graureiher zu Hause, sondern auch Purpurreiher und Nachtreiher.
Rohrkolben, Schilf und Binsen, dazwischen die Fruchtstände von Herbstzeitlosen, Mädesüß und Blutweiderich. Ein grünes Dickicht, das seine Geheimnisse nicht sofort preisgibt. Genauer nicht zu jeder Jahreszeit.

Nur ein kleiner Hinweis

Gäbe es nicht den kleinen Wegweiser mit der Abbildung einer Phalaenopsis-Orchidee, käme man nicht auf die Idee, dass die Feuchtwiese am Wegrand vor einigen Wochen ganz violett von den Blüten des Breitblättrigen Knabenkrauts schimmerte.

Skelett- und Hautreste einer Ringelnatter verraten, dass Natur auch Fressen und Gefressenwerden bedeutet. Oder der Sonnentau, der im Moor bei den Schwarzen Weihern beheimatet ist. Er bessert seine Ernährung im sauren Moorboden durch Insekten auf, die an seinen klebrigen Tentakeln haften bleiben.