Die Mitarbeiter des Kulturzentrums E-Werk in Erlangen sind verärgert. "Wir bekommen ein Fünftel weniger Lohn als die Mitarbeiter im Rathaus", sagt Ben Schwägerl, der im E-Werk als Veranstaltungstechniker arbeitet und die Interessen der 72 fest angestellten Mitarbeiter des Kulturzentrums als Betriebsrat vertritt.

Mit der Parole "100 Prozent Kultur verdient auch 100 Prozent Bezahlung" wollen die Mitarbeiter des E-Werks am kommenden Mittwoch, 15. März ab 16 Uhr, vor dem Rathaus in Erlangen für bessere Löhne auf die Straße gehen. "Wir bekommen maximal 82 Prozent des im Öffentlichen Dienstes üblichen Vergleichslohnes", sagt der 33-jährige Vorsitzende des Betriebsrates.

Anfang Februar hätten die städtischen Angestellten in einer neuen Tarifrunde 2,35 Prozent mehr Lohn bekommen. "Wir sind mal wieder leer ausgegangen in Sachen Gehaltserhöhung", kritisiert Schwägerl.


Geld reicht hinten und vorne nicht

Man arbeite schon länger daran, das Gehalt der Angestellten im E-Werk nach oben zu korrigieren. Von den Mitarbeitern seien viele in Teilzeit beschäftigt. Dadurch reiche das Gehalt zum Leben für viele hinten und vorne nicht aus. Bereits im November habe der Betriebsrat den Stadtrat in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die Möglichkeit eines Nachtragshaushaltes für 2017 zu prüfen, um eine Angleichung der Löhne und Gehälter an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes zu erreichen.

Der Hintergrund dazu ist eine Wirtschaftlichkeitsprüfung des E-Werks, die die Grundlage für eine Einschätzung des Förderbedarfs bilden solle. "Wir haben keinen Grund, an einem positiven Ergebnis der Prüfung zu zweifeln. Wir arbeiten professionell, wirtschaftlich und auf einem kulturell sehr hohen und vielfältigen Niveau. Insofern sehen wir auch keinen Grund, nicht für eine angemessene Bezahlung aller unserer Beschäftigten einzutreten", ist sich Betriebsratsvorsitzender Schwägerl sicher.

Eigentlich sollte die Wirtschaftlichkeitsprüfung am 15. März im Kulturausschuss vorgestellt werden. Daraus werde nun nichts, kündigt die zuständige Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens (Grüne) an. Man habe die Vorstellung des Papiers noch einmal von der Tagesordnung genommen, weil im Rathaus noch interner Beratungsbedarf bestünde.


GmbH statt städtischer Betrieb

"Die Forderung nach einem vernünftigen Lohn kann ich nachvollziehen", sagt Lender-Cassens gegenüber dem FT. Das E-Werk sei aber kein städtischer Betrieb sondern eine GmbH. Die Stadt könne lediglich den kommunalen Zuschuss an das Kulturzentrum erhöhen, damit das E-Werk die Löhne erhöhen könne. Der städtische Zuschuss betrage derzeit jährlich rund 500.000 Euro.

Wenn man qualifiziertes Personal im E-Werk behalten wolle, müsse man langfristig Tariflöhne bezahlen, so Lender-Cassens sicher. "Wir sind an einem Punkt, wo Handlungsbedarf besteht", sagt sie im Hinblick auf die aktuelle Lohnlücke bei den Mitarbeitern in Höhe von knapp 20 Prozent. "Dass das E-Werk mit über 200.000 Besuchern pro Jahr das größte soziokulturelle Zentrum in Deutschland überhaupt ist, das hat mich schon umgehauen", sagt Lender-Cassens zu den Ergebnissen der noch unveröffentlichten Wirtschaftlichkeitsprüfung. Der Stadtrat müsse schlussendlich entscheiden, sagt Lender-Cassens, ob Erlangen mehr Fördergelder an das Kulturzentrum aufbringen kann oder nicht.


Rückendeckung vom Chef

In diesem Zusammenhang müsse auch das Programm auf den Prüfstand kommen. Im E-Werk finden kommerziell erfolgreiche Veranstaltungen wie Konzerte und Disco-Veranstaltungen statt. Daneben gibt es soziokulturelle Angebote, die weniger Ertrag bringen und einen höheren Personalaufwand erfordern. Rückhalt bekommen die Mitarbeiter von der Spitze des E-Werks. "Es würde uns sehr freuen, wenn wir die Möglichkeit hätten, die längt fällige Anpassung an den Tarif endlich durchzuführen", sagt Geschäftsführer Berndt Urban.

Er unterstütze die Bestrebungen des Betriebsrats "voll und ganz". Man sei "das größte soziokulturelle Zentrum in Bayern und seit nun 35 Jahren ein wichtiger Taktgeber im kulturellen Geschehen der Region", so Urban. Mehr Zuschuss von der Stadt sei nötig, "damit wir weiterhin für Erlangen und die ganze Region das qualitative Kulturprogramm bieten können, für das wir bekannt sind".