Sie ist eigentlich gar nicht so schwierig, die kyrillische Schrift. Zu dieser Feststellung kamen am Vatertag die 14 Elftklässler des Höchstadter Gymnasiums, die am Dienstag , 3. Juni, vom Frankfurter Flughafen Richtung Moskau starten.Wenige Tage vorher hatten sie sich an dem eigentlich schulfreien Tag zu einem Crashkurs in Kyrillisch getroffen, um für ihren jetzt beginnenden Schüleraustausch gerüstet zu sein.

Das Höchstadter Gymnasium pflegt seit 1996 einen Austausch mit dem Gymnasium Opalicha in Krasnogorsk. Dieser 100.000-Einwohner-Vorort von Moskau ist seit 2003 Partnerstadt von Höchstadt. Eine Woche lang werden die Höchstadter jetzt in den russischen Familien ihrer Austauschschüler verbringen, um Land, Leute und auch den Schulbetrieb in Russland näher kennenzulernen.

Keine Angst vor Verständigungsproblemen

"Ich freue mich schon riesig", schwärmte
gestern noch eine 16-jährige Höchstadter Teilnehmerin. Verständigungsprobleme sieht sie keine auf sich zukommen, nachdem sie schon länger mit ihrer Partnerin in Krasnogorsk via Facebook auf Englisch korrespondiert. "Nach dem Schnellkurs kann ich auch schon die kyrillische Schrift entziffern", ist die junge Dame zuversichtlich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Spannungen zwischen der EU und Russland in Frage gestellt wurde der Schüleraustausch in diesem Jahr zu keinem Zeitpunkt. "Gedanken haben wir uns schon gemacht, aber mehr auch nicht", sagt Daniel Geiger. Der 32-jährige Gymnasiallehrer reist erstmals als Lehrer mit nach Russland, hat an dem Austausch aber auch schon als Schüler teilgenommen.

"Gerade jetzt, wo Spannungen zwischen den Völkern aufkommen, ist es wichtig, Kontakt zu halten", erklärt Lehrer Erik Mennecke (36) mit Blick auf die Krise in der Ukraine. Mennecke betreut den Russland-Austausch seit 2009, fliegt in diesem Jahr aber nicht mit.

Er sieht bei diesem Kulturaustausch keine Gefahr für die Sicherheit der Höchstadter Jugendlichen. Diese seien in Moskau zudem immer mit einheimischen Schülern und Lehrern unterwegs.

Die Vertreter des Höchstadter Russland-Teams sind überzeugt, dass der Austausch "völlig unbehelligt" von den Geschehnissen in der Ukraine ablaufen wird. Es werde alles sehr entspannt über die Bühne gehen, wie in westlichen Städten.

Kundige Begleiter

Neben zwei Begleitlehrern wird mit Klaus Strienz auch einer der Väter des Russland-Austausches mit nach Moskau fliegen. Und als besondere Kennerin des Gastgeberlandes ist Anja Baumann vom Höchstadter Freundeskreis Krasnogorsk dabei, die in Moskau studiert hat. Finanziell wird der Austausch vom Förderverein des Gymnasiums, vom Bayerischen Jugendring und von der Firma Martin Bauer unterstützt.

Die Vestenbergsgreuther Teeproduzenten haben ein eigenes Werk in Krasnogorsk und förderten die Schulpartnerschaft von Anfang an. "Das Interesse, Russland zu besuchen, ist da", stellt Daniel Geiger fest. Höchstadter Schüler nutzen die Chance zu erfahren, wie es sich in anderen Teilen der Welt lebt. Dank der Fördergelder von verschiedenen Seiten halten sich die Kosten mit rund 300 Euro für die einzelnen Teilnehmer in Grenzen.

Die Schüler reisen natürlich nicht unvorbereitet in die russische Hauptstadt. Im Vorfeld musste jeder ein Referat zu politischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder historischen Aspekten des Gastgeberlandes erarbeiten. Über die Referate wurde dann auch diskutiert. So erfuhren die Schüler beispielsweise, welche kulinarische Köstlichkeiten sie in der russischen Küche erwarten.

Die Organisatoren des Höchstadter Russland-Teams wollen mit dem Austausch Einblicke in die jeweils andere Lebenswelt der jungen Menschen geben, lange zurückliegende Vorurteile abbauen und die gegenseitige Toleranz festigen. Im Antifaschistischen Museum in Krasnogorsk soll den Gästen aus Franken die russische Geschichte näher gebracht werden. Natürlich gehören in Moskau auch der Kreml, die Duma und das Raumfahrtzentrum zum Besuchsprogramm.

Der Gegenbesuch der russischen Schüler vom Gymnasium Opalicha in Franken ist Ende dieses oder Anfang kommenden Schuljahres geplant.