"Achtung, an der Seite gehen!" Christian Kaller zeigt auf das Geländer, als er gerade durch einen der 26 Höchstadter Kellereingänge geht. Das Mitglied des Kellerbergvereins kennt die Anlagen schon lange, nutzt selbst einen Keller. Er weiß: Die Treppen hinunter sind in der Mitte uneben, haben eine Mulde. Denn als die Keller in Höchstadt entstanden, lagerten die Bewohner darin ihr Bier - und das musste schließlich nach unten kommen.

Mit bis zu sechs Personen und Seilen zogen sie die Fässer eine Etage tiefer. "Die Mulde ist bewusst dort - wegen der großen Fässer", erklärt Kaller. So ließen sie sich leichter hoch- und runtertransportieren.

Bereits im 17. Jahrhundert gruben Bewohner die ersten Keller in den Höchstadter Sandstein. Verständlich, immerhin hat es unten konstant zwölf Grad, wie Kellerbergvereinsvorsitzender Karsten Wiese sagt. Als er sich dann auf den Weg nach unten macht, zeigt das Thermometer über der Erde Temperaturen über 20 Grad an.

Nur im Winter brauen

1410 erteilte der Bamberger Bischof den Höchstadtern das Braurecht, doch das "Altbraurecht" besagte auch: Bierbrauen ist nur zwischen dem 29. September und dem 23. April erlaubt. Außerdem brauchte es eine geeignete Lagermöglichkeit.

Um auch im Sommer frisches Bier zu haben, brachten die Brauer im Winter Eis, das sie zuvor aus Gewässern sägten, mit Zangen in die Keller. Damit der Sandstein geschont wird und nicht zerbröckelt, installierten die Menschen damals ein Belüftungssystem.

So sollte sich möglichst wenig Feuchtigkeit in den Kellern halten. Die Schächte führen an die Erdoberfläche und konnten teilweise vom Kellerbergverein wieder freigelegt werden.

"Jetzt befinden wir uns gerade unter dem Schulhof des Gymnasiums", erklärt Wiese. 2,4 Kilometer erstreckt sich das Kellernetz unter Höchstadt. Es ist die Stadt unter der Stadt. Und auch wenn viele Keller verschüttet sind, noch immer sind rund 170 von ihnen begehbar.

"Der Höchstadter Hopfen war der beste im Bistum Bamberg", erklärt Christian Kaller. Der Hopfen war sogar so beliebt, dass die Bauern ihn bis nach England verkauften. 600 Hektar Hopfenanbau gab es zu dieser Zeit im Aischgrund, doch seit 1933 ist laut Kaller der Anbau zum Erliegen gekommen. "Adolf Hitler brauchte die Flächen für den Getreideanbau", berichtet das Kellerbergverein-Mitglied weiter.

Die kühlen Temperaturen laden an einem heißen Sommertag dazu ein, ein Bier unterhalb der Erde zu trinken. Doch Kellerbergvereinsvorsitzender Wiese warnt: Steigt man wieder an die Erdoberfläche, merkt man das Bier schnell. Und auch Christian Kaller weiß: "Die meisten Stürze passieren rauf, nicht runter." Immerhin möchte man ja auch kein frisches Bier verschütten, wenn man es mit einem Stutzen hoch holt.