Man könnte meinen, jetzt, wo die Gaststätten wieder geöffnet haben dürfen, wird alles gut. Die Gäste bekommen ihr Bier, ihre Brotzeit oder ein gutes Essen, und die Wirte ihr Geld. Könnte man meinen. Mirjam Wellein erzählt eine andere Geschichte.

Der Inhaberin des "Töpflas" fehlt Planungssicherheit. "Wichtig wäre, dass die Politik eine klare Aussage trifft, wie das Jahr aussieht", sagt sie. Denn dass sie ihr Lokal wieder öffnen darf, heißt noch nicht, dass damit alle Probleme gelöst sind. Eher im Gegenteil, denn für die meisten Gastronomen wird die Krise noch einige Monate andauern. Es gehe um die Kalkulation des gesamten Jahres, um Feste und Konzerte, die auch in Zukunft noch ausfallen werden. "Die Regelungen machen es allen Gastronomen schwer, das Jahr zu überstehen."

Nach den Öffnungen der Gastronomie: Die Atmosphäre nicht wieder da

Seit einer Woche hat das "Töpfla" wieder geöffnet. Erstes Fazit: Im Vergleich zu normalen Zeiten setzt Wellein momentan etwa nur ein Drittel um. Sie hält alle Regelungen ein, hat Tische aus der Gaststube rausgenommen und redet den Gästen zu, zur Sicherheit Masken zu tragen. "Ich komme mir vor wie eine Polizeiwirtin", sagt Wellein.

Das Problem ist die Abstandsregelung, sagt die Wirtin deutlich. Alles, was das "Töpfla" ausmacht, die Kartler und Stammtische, die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre sei im Moment nicht herzustellen. Hoffnung schöpft sie durch den Außenbereich. "Wenn das Wetter passt und der Garten wieder genutzt werden kann, dann passt es", sagt sie. Das heißt, dann holt sie die Fixkosten wieder rein - wenn das Lokal gut besucht ist. Mit Gästen nur im Innenbereich sei das kaum zu schaffen.

Hilfe nach der Corona-Zeit: Es mangelt nicht an Unterstützung

Personalkosten hat Wellein momentan keine. Freunde und der Kellerbergverein unterstützen sie ehrenamtlich im Service, sodass wenigstens diese Kosten wegfallen. Eine Perspektive ist das jedoch nicht. Die erwartet Wellein sich ohnehin von anderer Stelle. "Es mangelt nicht an Unterstützung, es mangelt an der Politik, die es uns möglich macht, da wieder rauszukommen."

Damit meint sie nicht die Soforthilfe, durch die sie 8300 Euro bekommen hat oder etwaige Kredite, die ihr in Zukunft vielleicht zur Verfügung stehen könnten. Wobei sie die als erneute Schuldenfalle sieht. Denn die Kosten aufzuschieben, hilft nicht weiter.

Wellein hat eine ganz andere Forderung an die Politik: "Würden die Einschränkungen wegfallen, hätte ich keine Probleme", sagt sie. Von den Gästen komme Unterstützung, ihr wird viel Mut zugesprochen. Wellein vermisst in den Lockerungen den roten Faden. Reisen ins europäische Ausland sind nun zum Teil wieder erlaubt, Thüringen hat anders als Bayern lockerere Regelungen gefunden. Das Problem dabei, so beschreibt sie es, seien gar nicht direkt die Maßnahmen, sondern die Relationen, die für Wellein momentan nicht mehr gerechtfertigt seien. "Und ich soll mit meiner Kneipe die Welt retten?"

Die Gastronomin hofft auf die Unterstützung der Gäste, die zu ihr kommen. "Wir haben alles getan, was geht", sagt sie, meint das aber nicht resignativ: "Es gibt viele Optionen, aber ich werde alles tun, um das ,Töpfla‘ zu halten." Sie warte den Monat ab, um zu sehen, wie sich die Lage entwickelt, dann erst kann sie eine Entscheidung über die Zukunft treffen.

Ganz ähnliches hat Hakan Kanbur von der "Alten Mälzerei" zu berichten. Er gibt seinem Restaurant, wenn sich die Lage nicht verbessert, noch gut zwei Monate. Ihm standen 15 000 Euro Soforthilfe zu, überwiesen worden seien ihm bisher nur 5000. Ihm bleiben im Moment die Gäste aus. "Ich habe zwar Werbung gemacht, die wurde aber nicht angenommen."

Corona-Krise in der Gastronomie:: Ostergeschäft hat gefehlt

Ein harter Einschnitt war das fehlende Ostergeschäft samt Kommunionen. Auch er versteht die Maßnahmen nicht. Die Vorschriften änderten sich, meint er, "es ist eine komplette Unklarheit darüber, was der Staat will." Mit seinem momentanen Umsatz, der etwa zehn Prozent des normalen Umsatzes betrage, könne er gerade einmal die Personalkosten decken. Er muss etwas tun, dafür braucht er aber finanzielle Mittel. "Wenn ich jetzt kein Geld investiere, kann ich eigentlich zumachen."

Durchaus positiv hingegen schaut Carmen D'Aniello in die Zukunft. Nachdem das "Saporito" in die alte Schranne umgezogen ist, mussten die Betriebsabläufe ohnehin umgestellt werden. Ihr kam die langsame Start mit Essensabholung ab Mai und nun dem Gastbetrieb eher entgegen. "Bei uns wird es gut angenommen", sagt D'Aniello, die sich aber auch auf die Unterstützung aus der Familie verlassen kann. Bei ihr wird, vor allem für den Abend reserviert, da auch sie weniger Tische hat und nicht mehr so leicht spontan etwa ein Pärchen unterbringen könne. D'Aniello sagt: "Es wäre schöner, wenn wir mehr Gäste empfangen könnten."