"Hier ruht der letzte Familienbetrieb", ist auf dem Kreuz zu lesen. Darunter liegt ein schwarzer Sarg. Bayerische Bauern haben ihn im Garten des Landwirtschaftsministeriums in der Münchner Ludwigstraße zurückgelassen. Zuvor hatten sie mitgebrachte Erde darauf angehäuft. Ihre Hoffnung haben die Bauern damit aber nicht begraben. "Kämpft weiter", rief einer der Demonstranten seinen Berufskollegen zu.

Etwa Hundert Landwirte nahmen an der Demo in München teil. Die meisten von ihnen seien aus Franken angereist, berichtet Ralf Geyer aus Schirnsdorf. Aus der Region hätten sich Landwirte aus Vestenbergsgreuth, Haag, Gutenstetten, Schlüsselfeld, Reichmannsdorf, Burgebrach, Steinsdorf, Lonnerstadt und anderen Orten an der Demo beteiligt. Wobei Geyer sehr bedauerte, dass die Beteiligung nicht größer war. Es werde zwar überall "gemosert und gejammert", aber zur Demo kämen dann doch nur wenige.

Landwirt "stocksauer" auf Landwirtschaftsministerin

"Ich bin stocksauer, wie sie mit ihren Familienbetrieben umgeht", sagt Ralf Geyer über die Landwirtschaftsministerin. Michaela Kaniber (CSU) habe es nicht für nötig gehalten, auch nur einige Minuten mit "ihren" Bauern zu sprechen. "Ein trauriges Kapitel", fanden auch andere Teilnehmer. Dabei habe sie um 12.15 Uhr im ersten Stock des Gebäudes - "nur vier Meter über uns" - ein Foto gepostet. Geyer empfand dies als reine Provokation.

Die ebenfalls eingeladene Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sei zwar auch nicht gekommen, habe aber am Tag vor der Demo bei Geyer angerufen und ein längeres Gespräch mit ihm geführt. "Das rechne ich ihr hoch an", sagt der Schirnsdorfer Landwirt. Geärgert habe ihn auch, dass der Bayerische Bauernverband die Demo nicht unterstützt, sondern eher dagegen gearbeitet habe.

Ziemlich genau ein Jahr nach der großen Bauerndemonstration in Berlin waren die Bauern mit eigenen Fahrzeugen nach München gereist. Ihr Ziel war das Ministerium, vor dem sie sich samt Megafon postierten. Dort konnte sich jeder Landwirt seine Sorgen und Probleme von der Seele reden. Themen waren die existenzbedrohenden Verordnungen und Gesetze wie auch die überbordende Bürokratie.

Familienbetriebe: "Auflagen nicht mehr zu schaffen"

"Diese Auflagen sind für einen Familienbetrieb nicht mehr zu schaffen", so Geyer. Aus Kleinweisach trat Alfred Winkler ans Mikrofon. Er machte deutlich, was ein Bauer alles sein muss: Landwirt, Tierpfleger, Hygienefachmann, Natur- und Landschaftspfleger, Mechaniker, Kaufmann, Arbeitgeber, Versicherungsfachmann und vieles mehr.

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