Rohbau des Rathausneubaus fast fertig: In Herzogenaurach wird Richtfest gefeiert. Am Donnerstag (16. September 2021) lädt die Stadt Herzogenaurach zum nächsten wichtigen Baufortschritt auf die Rathausbaustelle ein: zum Richtfest. Dieses wird traditionell als Dank an die engagierten Handwerker und Bauleute gefeiert, die an der Entstehung des Rohbaues mitgewirkt haben. Nun ist dieser fast fertig.

„Freut euch mit uns in diesem Augenblick, denn wir Bauleut‘ sind fröhlich und genießen das Glück. Deshalb – eben heutzutage – man im Ballungsraum der Stadt, möglichst in zentraler Lage, ein modernes Büro nun hat.“ Diese gereimten Zeilen stammen aus dem Richtspruch von Rainer Müller von der Baufirma GS-Schenk. Zusammen mit Bauleiter Josef Rappl stand er auf dem Baugerüst der ersten Etage und trug beim Richtfest des Herzogenauracher Rathausneubaus sein für diesen Anlass formuliertes Gedicht vor.

Herzogenaurach: Mit Abbruch des Vorgängerbaus Platz schaffen für Neues 

Während seiner Ansprache prosteten die beiden Bauleute den Gästen mit einem Glas Wein zu und warfen am Ende das leere Gefäß in Richtung Boden. Die Scherben sollen Glück bringen. „Gesegnet sei das ganze Haus. Vor Hagel, Blitz und Feuersbrunst schütze es Gott mit seiner Gunst. Es sei dem Haus stets Glück beschieden und dauerhaft steh es in Frieden“, hieß es außerdem. Somit gilt das traditionell zum Ende des Rohbaus stattfindende Richtfest nicht nur als ein Dankeschön an alle am Bau Beteiligten, sondern soll mit der Richtspruch-Zeremonie dem künftigen Rathausneubau eine positive Zukunft bringen. 

Im Zuge der noch geltenden Corona-Beschränkungen fand die Feier wie bereits die Grundsteinlegung im kleineren, nicht offenen Rahmen statt. Begleitet wurde sie von Vertretern des Stadtrates, den beteiligten Planungsbüros, Vertretern der Baufirmen, den Projektverantwortlichen und Amtsleitern der Stadtverwaltung.  „Der Rohbau befindet sich in den letzten Zügen. Die endgültige Form des neuen Rathausgebäudes ist jetzt deutlich sichtbar und lässt nun im Ensemble mit dem Schlossgebäude klar das künftige Rathaus im Gesamtbild erkennen“, freut sich auch Erster Bürgermeister Dr. German Hacker in seiner Rede. Mit den Abbrucharbeiten des Rathaustraktes aus den 1960er Jahren hat das Projekt Rathausneubau im März 2019 begonnen.

Archäologen untersuchten im Anschluss daran das Gelände und legten die Reste der historischen Ringmauer und des Bergfrieds frei. Im November 2019 errichteten die Spezialtiefbauer eine Bohrpfahlwand aus 270 Bohrpfählen mit einer Tiefe von 9,5 bis 16,0 Meter rund um die künftige Baugrube. So wurde diese im April 2020 ausgehoben und die Überreste des Kellers des Vorgängerbaus abgerissen. Nach Fertigstellung der Baugrube mit einem Gesamtaushub von 11.700 Kubikmetern konnten im August 2020 die Kräne aufgestellt werden und der erste Beton wurde gegossen. Für die Bohrpfahlwand und den Rohbau wurden insgesamt 6.850 Kubikmeter Beton verbaut. 980 Mal mussten die Betonmischfahrzeuge auf die Baustelle kommen und ihre Ladung einfließen lassen. Ebenfalls für Bohrpfahlwand und Rohbau wurden rd. 900 Tonnen Bewehrungsstahl verwendet. Das entspricht in etwa der Masse von 660 PKW

Durchbruch für das neue Rathaus: Schloss und Neubau als Einheit 

Nachdem der Neubau Stockwerk für Stockwerk in die Höhe gewachsen ist, konnte im Juli dieses Jahres der Durchbruch zwischen dem in Sanierung befindenden Schloss und dem Neubau gemacht werden. Dr. Hacker erklärt: „So fügten sich erstmals die historischen Gemäuer und der moderne Betonbau zu einer Einheit zusammen – zum neuen Rathaus für Herzogenaurach“. Zum Abschluss der Rohbauarbeiten wird demnächst noch die Decke über dem Ratssaal als Spannbetondecke errichtet.

Derzeit werden im Erdgeschoss beginnend die Holz-Alu-Fenster eingebaut. Die mit den Gewerken Elektroinstallation, Sanitärtechnik und Heizungstechnik beauftragten Firmen haben ihre Baustelleneinrichtung beendet und beginnen mit ersten Montagearbeiten. Bis Jahresende 2021 ist der Einbau des Hohlraumbodens in den Büroräumen geplant. Mit der für die Sandsteinfassade beauftragten Firma erfolgen die letzten planerischen Detailabstimmungen. Der Beginn der Fassadenmontage ist für Mitte Oktober 2021 angedacht. Weitere Gewerke werden parallel zu den laufenden Arbeiten vergeben. 

Die Rathausbaustelle besteht im Grunde aus zwei Baustellen: Neben dem Neubau wird gleichzeitig auch das historische Schloss saniert. Die Baumeisterarbeiten dort sind weitgehend abgeschlossen. Es wurden unter anderem Türdurchbrüche vergrößert oder neue erstellt, Wand- und Deckendurchbrüche für die Haustechnik realisiert sowie die Anschlussbereiche des ehemaligen 60er-Jahre-Traktes überarbeitet.  

Herzogenauracher Rathaus: Auch im Schloss geht es mit Sanierung vorwärts

Auch steht die Sicherung der Stuckdecken steht kurz vor dem Abschluss. Im Moment werden zudem alte und nicht mehr gebrauchte Leitungen und Rohre der Haustechnik ausgebaut. Außerdem werden beschädigte Teile des Dachstuhls repariert, wofür das Schlossgebäude eingerüstet werden muss. So kann die Ziegeleindeckung des Schlossdaches punktuell geöffnet werden, um die schadhaften Balken austauschen zu können. Ebenso wie im Neubau wird auch im Schloss mit ersten Montagearbeiten für die Haustechnik begonnen. 

Eckdaten des neuen Rathauses:

  • Tiefe der Baugrube: 6,70 Meter
  • Bodenaushub: 11.770 Kubikmeter
  • Länge der Bohrpfähle: 9,5 bis 16 Meter
  • Anzahl  Bohrpfähle: 270 Stück
  • Beton für die Bohrpfahlwand und Rohbau: 6.850 Kubikmeter
  • Betonmischfahrzeuge: 980
  • Bewehrungsstahl Bohrpfahlwand und Rohbau: 895 Tonnen
  • Bruttorauminhalt Neubau: 22.872 Kubikmeter
  • Nettogeschossfläche Neubau: 5.108 Quadratmeter
  • Nettogeschossfläche Schloss: 2.667 Quadratmeter