Wahrscheinlich jeder kennt das Problem: Man hat es eilig, will mit dem Auto schnell ans Ziel. Doch dann: eine Panne. Ärgerlich und vor allem passiert es meistens genau dann, wenn man es eben gerade nicht brauchen kann. Gut, wenn dann eine Pannenhilfe kommt, die einem hilft oder gegebenenfalls abschleppt. Menschen in dieser Notlage hat in Erlangen-Höchstadt ein Mann aus Hemhofen ausgenutzt und stand deshalb am Mittwoch vor dem Amtsgericht Erlangen.

Er musste sich verantworten, weil der 38-Jährige Geld von den Opfern verlangt hat, damit er sie anschließend abschleppt. Rechtswidrig, denn die Leistung wird durch verschiedene Versicherungen oder einen Schutzbrief meist abgedeckt. Der Angeklagte hat so im Zeitraum vom 18. April bis 6. August des vergangenen Jahres insgesamt 438 Euro erwirtschaftet, die in seine eigene Tasche flossen. Kurios dabei ist, dass der Schuldige sich sogar auf Geldbeträge herunterhandeln ließ. Es sei ein "üppiges Trinkgeld" gewesen, ließ sein Anwalt verlauten.

Der Chef schöpfte Verdacht

Angestellt war der Angeklagte bei einer Firma aus Neustadt an der Aisch, deren Chef ihm zunächst nur auf die Schliche kam, weil sich eine Kundin bei ihrer Versicherung über das Unternehmen beschwerte. Daraufhin suchte der Kfz-Mechaniker die Aufträge heraus, die der Hemhofener zuletzt übernommen hatte, und rief diese Kunden an. Insgesamt hat der Unternehmer 160 Kunden angeschrieben, um sie um Stellungnahme zu bitten. Elf davon wurden betrogen, bei zwei hat der Angeklagte es nur versucht. Anschließend habe man den Angeklagten um eine Stellungnahme gebeten und ihn entlassen. "Es ist natürlich schwierig, wenn es auf die Firma zurückfällt", erklärt der Chef.

Doch der 38-Jährige zeigt sich geständig, reuig: "Es tut mir leid", heißt sein Geständnis. Er habe Geldnöte gehabt, Unterhaltsrückzahlungen seien offen gewesen, ebenso wie ein Strafgeld wegen Beamtenbeleidigung. Der Angeklagte hat bereits sechs Einträge im Bundeszentralregister, unter anderem wegen Diebstahls und des Erwerbs von Betäubungsmitteln.

Doch sein Anwalt ist sich sicher: "Wir haben hier keinen Hochkriminellen vor uns." Er sei nach wie vor in einer finanziell schwierigen Lage, doch "er hat nicht versucht, einen riesigen Reibach zu machen", so der Verteidiger. Er forderte neun Monate zur Bewährung, vor allem auch deswegen, weil sein Mandant sich bemüht habe, den Unterhalt für seine Tochter zu bezahlen, auch nachdem ihm gekündigt wurde. Laut eigenen Aussagen hat der Mann heute keine Unterhaltsschulden mehr.

Die Staatsanwältin hingegen plädierte vor allem aufgrund des kurzen Zeitraums der Taten und der "Dreistigkeit", weil sich Menschen in einer Notlage befunden hätten, für ein Jahr und drei Monate Gesamtfreiheitsstrafe auf Bewährung und 100 Arbeitsstunden für gemeinnützige Dienste. Richter Wolfgang Pelzl entschied sich für einen Mittelweg von einem Jahr auf Bewährung und zusätzlich 100 Arbeitsstunden. "Man muss sich in die Situation der Opfer versetzen", erklärt er. Das Vertrauen, das man jenem Abschleppdienst schenkt, sei ausgenutzt worden, die Firma aus Neustadt habe auch einen Image-Schaden erhalten. "Der Geldschaden ist bei jedem Einzelnen niedrig, der Vertrauensschaden aber hoch", so der Richter.