Wie sich die Bilder doch gleichen. Es ist Mitte Januar, Bürgermeister German Hacker und Stadtkämmerer Manfred Hofmann sitzen im Amtszimmer des Chefs, um die Zahlen des aktuellen Haushalts der Stadt zu präsentieren. Beide bemühen sich, sachlich nüchtern zu bleiben und nicht in allzu große Begeisterung auszubrechen. Denn eines ist seit Jahren gleich: Außerordentlich hohe Steuereinnahmen ermöglichen der Stadt hohe Investitionen bei gleichzeitiger Schuldenfreiheit. Die finanzielle Lage ist mehr als gesund.

Auch diesmal kann der Kämmerer bei den Gewerbesteuereinnahmen aus dem Vollen schöpfen. 49 Millionen Euro bedeuten den zweithöchsten Betrag seit dem Rekordjahr 2013 (57 Mio. €). Damit lag diese Summe zum Jahresende 2016 noch ein paar Millionen höher als noch drei Wochen vorher erwartet. Zur Erinnerung: Zum Jahresbeginn hatte Hofmann vorsichtig einen Ansatz von knapp 21 Millionen angenommen. Anfang Dezember zeichnete sich bereits ein fast doppelt so hoher Betrag ab (41 Mio.), zum Jahresende waren es dann sogar fast 50 Millionen. Da ist nach Weihnachten noch eine saftige Nachzahlung eingetroffen.


Vorsichtige Planung

Manfred Hofmann bleibt aber vorsichtig. Auch für 2017 geht er "nur" von 20,7 Millionen Einnahmen aus der Gewerbesteuer aus. Das lassen die Vorentscheide so erwarten, sagte er. Der durchschnittliche Betrag der letzten zehn Jahren lag bei 33 Millionen.

Aber auch die Einnahmen aus der Einkommenssteuer haben sich erhöht. Sie lagen mit 17,7 Millionen Euro eine Million heuer als im Vorjahr. Das nannte Bürgermeister Hacker als besonders erfreulich, zeichnet sich auch diese Quelle doch seit Jahren als eine feste Größe ab. Großverdiener seien da gar nicht erfasst, denn die "nutzen hauptsächlich dem Herrn Schäuble", sagte der Kämmerer.


Hohe Kreisumlage

Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. So sorgen die Rekordeinnahmen aus der Steuer auch für Spitzenwerte bei den Ausgaben. Zweijährig versetzt, ist da die Kreisumlage zu nennen. 2018 muss die Stadt 28,2 Mio. an den Landkreis abdrücken, heuer sind es 17,4. Landrat Alexander Tritthart hat also doppelten Grund, sich über die Finanzstärke seiner Heimatstadt zu freuen. Ein weiterer hoher Ausgabeposten sind im diesjährigen Haushalt die Personalausgaben mit 11,7 Millionen Euro.

28,5 Millionen Euro kann die Stadt heuer in ihre Investitionen stecken. Darunter sind knapp fünf Millionen, die in die städtischen Schulen fließen. Großer Brocken ist da der Bau des Pavillons der Carl-Platz-Schule. In den Bereich Kinder und Jugend investiert die Stadt 3,4 Millionen (zum Beispiel Tagesstätten). Und dann wendet man eine hohe Summe für die städtischen Töchter auf. Sechs Millionen Gesellschafter-Darlehen gibt's für die Herzo Werke, die ja zeitgleich mit der Erschließung neuer Wohngebiete ebenfalls millionenschwere Aufgaben zu schultern haben und keine Rücklagen bilden können. Eine Million geht an die Stadtentwässerung.


Überschuss

Eine Million Euro Schulden beträgt zum Jahresbeginn der (formelle) Schuldenstand der Stadt. Eine Zahl können sich die Herzogenauracher auf der Zunge zergehen lassen: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt rechnerisch bei 43 Euro und damit weit unter dem Landesdurchschnitt (654 Euro). Wie dick noch das Rücklagen-Polster ist, verdeutlicht eine weitere Summe. Der Stand der liquiden Mittel betrug jetzt zum Jahresbeginn stolze 57,8 Millionen Euro. Durch den geplanten Einsatz von Eigenmitteln für die Investitionen verringert sich der Rücklagen-Berg auf voraussichtlich 52,7 Millionen Euro, wie der Kämmerer ausführte.

Der in Doppik erstellte Etat der Stadt schließt mit einem Überschuss von 4,7 Millionen Euro. Rechnet man die Sonderposten und Abschreibungen mit ein, bleibt immer noch ein Plus von 500 000 Euro. In den Erträgen schließt der Ergebnishaushalt mit 58,3 Millionen Euro ab, in den Aufwendungen mit 53,6.

101 Posten sind es, die in dem einen dicken Ordner füllenden Zahlenwerk aufgelistet sind. Dazu kommen mehr als zehntausend einzelne Produktkonten, die über 1200 weitere Seiten füllen und allesamt im Internet abrufbar sind.

Die anstehenden großen Projekte hätte Bürgermeister German Hacker "gerne noch schneller", wie er im Pressegespräch verrät. Aber gewisse Sachen brauchen einfach ihre Zeit und seien auch nicht schneller zu stemmen. Was die finanzielle Lage der Stadt angeht, weiß Hacker natürlich, "dass wir uns glücklich schätzen können.Wir wissen, dass das kein Normalfall ist. Es ist natürlich eine Genugtuung, dass es so gut läuft."

Von daher sollte man annehmen, dass der Etat im Stadtrat einstimmig genehmigt wird. Ob das so ist, wird sich am kommenden Donnerstag (26. Januar, 18 Uhr) zeigen. Die Opposition der CSU hat in Person von Fraktionschef Bernhard Schwab die Vorberatungen in den Gremien zwar als "offen und sachlich", also als "wirklich gut" bezeichnet. Es sei auch "vieles drin, was wir mittragen", ergänzte Walter Drebinger. Aber man wolle auch ein paar eigene Akzente setzen. Bleibt also abzuwarten, wie die eingebrachten Anträge (der FT berichtete) ankommen.