Der Stadtrat folgte dem Verkehrsgutachten und der darin favorisierten "ortsfernen" Variante. Die Ablehner verwiesen auf den hohen Flächenverbrauch.
Mit klarer Mehrheit schloss sich der Stadtrat am Mittwoch der Empfehlung des Verkehrsgutachtens zur Niederndorfer Ortsumfahrung an. Demnach wird der Planfall 7, also die ortsferne Umfahrung, weiter verfolgt. Die Aurachtalvariante, entlang der Schienen, schied aus, weil sie technisch nur äußert schwierig machbar und damit faktisch nicht umsetzbar wäre. Gegen das von Ingenieur Matthias Kölle (SSP Consult) vorgetragene Ergebnis stimmten aus dem 30-er Gremium sechs Räte: Die drei Grünen, beide Freien Wähler und Bernhard Wilfer von der SPD.
Der Planungsausschuss hatte das Gutachten, das nur eines von vielen ist, die jetzt erstellt werden müssen, schon vorberaten. Die Argumente waren ausgetauscht, die Gegner kritisierten den hohen Flächenverbrauch und die falsche Trassenführung, die Befürworter verwiesen auf die Notwendigkeit einer Straße, die den Verkehrskollaps in Niederndorf abwenden kann.
Beeindruckende Zahlen
Kölle wiederholte die eindrucksvollen Zahlen. Nur ein paar wenige, stellvertretend für die umfangreichen Erkenntnisse: Heute rollen 14 600 Fahrzeuge täglich durch den Ort, 2035 würden es ohne eine Umgehung 17 400 werden. Wenn die Umgehung gebaut ist, sind es in der Ortsdurchfahrt von Niederndorf nur noch 2800. Stattdessen nutzen 17 500 Fahrzeuge den östlichen und 11 700 den westlichen Teil der 5,1 Kilometer langen Südumfahrung.
Peter Maier von den Grünen, von Beruf Architekt, stellte in der Sitzung, wenige Tage vor dem 1. April, eine Vision vor, um die Straße doch noch zu vermeiden. Man könne entlang der Nordumgehung Parkhäuser bauen und von dort die Menschen mit einer Drahtseilbahn hinab in die Innenstadt bis zu Schaeffler transportieren. Das hätte seiner Ansicht nach auch noch den positiven Nebeneffekt, dass man damit die Outletbesucher in die Innenstadt bekäme.
Nichts für Pendler
Matthias Kölle antwortete auf Maiers Vorschlag. Die vorgeschlagenen Parkhäuser im Norden würden riesig werden, ähnlich wie an Flughäfen, sagte er. Außerdem koste die Variante Seilbahn dem Nutzer zu viel Zeit. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Pendler frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit so eine Fahrt attraktiv fände.
Der Freie Wähler Christian Schaufler schlug eine kleine Entlastungsstraße entlang der Schiene vor, anstelle eine große Umfahrung zu bauen. Außerdem könnte man die Bahntrasse wiederbeleben und eine Straßenbahn gemeinsam mit Autos dort fahren lassen. Schaufler: "Das geht in Nürnberg auch."
Beide Vorschläge kamen zu spät. An diesem Abend ging es darum, das Verkehrsgutachten zu betrachten und sich einer Variante für die Umfahrung anzuschließen, deren Notwendigkeit vom Stadtrat längst erkannt und beschlossen ist.
Verkehrs-Tsunami
Das tat dann auch die Mehrheit im Stadtrat. SPD-Fraktionschef Curd Blank zeigte sich erschrocken über die Verkehrszahlen und machte aus dem Wort Verkehrszunahme einen "Verkehrs-Tsunami". Kurt Zollhöfer (CSU) verwies auf die "bittere Erkenntnis", dass das Verkehrsaufkommen weiter steigen werde und schenkte den ermittelten Zahlen bis 2035 Glauben. Auch die Prognose von 2004 für 2015 habe sich bewahrheitet. Auch für Zollhöfer gibt es keine Alternative zu der weiträumigen Südumfahrung. Franz-Josef Lang (CSU) betrachtete es als scheinheilig, wenn Rufe nach weniger Autos kommen, wo "unsere Stadt" doch vom Auto lebe.
Vor der Sitzung hatten sich die Gegner zur Bürgersprechstunde eingefunden. Christian von Reitzenstein wiederholte seine Betroffenheit über die erheblichen Einschnitte in die Natur ("Der Flächenverbrauch ist enorm") und bot den Mitgliedern des Stadtrates eine geführte Begehung der Trasse an.