Patrick Prell hat gerade auf der Liste für das Bürgerbegehren "Ja zur Bildung, Nein zu Studiengebühren" unterschrieben. Er ist der 175. Unterzeichner in seinem Wohnort Röttenbach. Und: Der 28-jährige Prell ist Fachkraft für Abwassertechnik und gerade dabei, seinen Meister zu machen.

Dennoch - oder gerade deshalb - ist er gegen Studiengebühren. "Man soll Gruppen nicht gegeneinander ausspielen", sagt er und fordert vom Staat, dass er die Mindereinnahmen der Universitäten kompensiert. Über die Abschaffung der "Uni-Maut" hinaus wünscht sich Prell auch staatliche Unterstützung für angehende Meister. Eine Pauschale von 1000 Euro würde vielen weiterhelfen.

Prell verkennt nicht, dass die Ausgangssituationen bei Studenten und künftigen Meistern verschieden sind; nur letztere haben die Möglichkeit, als Gesellen ordentlich zu verdienen. Gemeinsam ist ihnen aber der erhöhte Aufwand: Bei Studenten nennt er Umzug und Wohnungsmiete. Bei ihm selbst fallen, wenn er die Meisterschule in Lauingen besucht, auch Kosten für die Unterbringung an.

Von einem Wettbewerbsnachteil spricht Irene Häusler von den Freien Wählern. Sie weiß von ihren studierenden Töchtern, dass etliche Studenten lieber an Studienorte außerhalb Bayerns wechseln. Denn das bedeutet einfach 1000 Euro im Jahr weniger Ausgaben. "Ich habe mich am Dienstagmittag eingetragen. Ich war ziemlich genau der 400. Unterzeichner", sagt Höchstadts stellvertretende Bürgermeisterin (JL).

"Die Studiengebühren, das sind immerhin zehn Prozent zusätzlich zu den Kosten eines Studienjahres", hat Axel Rogner, Stadtrat der Jungen Liste in Höchstadt und Bundestagskandidat der Freien Wähler, auf Basis der Bafög-Leistungen errechnet. Zahlen und Geld sind sein Thema. Dennoch fordert er: "Bildung darf nichts kosten, sie ist unser Knowhow für die Zukunft."

Und macht Relationen deutlich: Der Bildungsetat in Bayern insgesamt beträgt, so Rogner, 17 Milliarden Euro; die Studiengebühren betrugen 180 Millionen Euro. "Es geht also um ein Prozent." Rogner selbst ist ein Mann des zweiten Bildungswegs. Über eine Lehre machte er eine Technikerausbildung als Fernstudium. "Das habe ich selber bezahlt."

Seine Argumente gegen Studiengebühren sind zum einen, dass Bayern das letzte Bundesland ist, das welche erhebt, während andere Länder sogar Begrüßungsgeld für Studenten zahlten. Zum anderen stellt er gegenüber, dass bislang 71 Prozent der Studierenden aus Akademikerfamilien stammen und nur 24 Prozent aus Facharbeitekreisen, aber gerade Akademiker immer weniger Kinder bekommen: "Die Uni-Maut verbessert die Chancengleichheit nicht; der Staat muss die Finanzen umschichten, um den Wissens- und Ausbildungsstandard halten zu können."