Vor 100 Jahren, am 4. Januar 1917, wurde Georg Schaeffler in Marimont/Lothringen geboren. Seine Familie bewirtschaftete dort einen 500 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Familie siedelte nach dem Ersten Weltkrieg 1921 in das Saarland über. Nach Arbeitsdienst und Wehrpflicht begann Georg Schaeffler 1938 mit dem Studium der Betriebswirtschaft in Köln. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er im Januar 1940 zum Wehrdienst eingezogen. Während eines Lazarett-Aufenthaltes im Jahr 1944 schloss er sein Studium mit dem Examen zum Diplom-Kaufmann ab. Sein Vorhaben, an das wirtschaftswissenschaftliche Studium ein Ingenieur-Studium anzuhängen, scheiterte aufgrund der Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit.


Bescheidene Anfänge

1940 erwarb Wilhelm Schaeffler eine Krimmer- und Teppichfabrik im oberschlesischen Katscher. Um das finanziell stemmen zu können, beteiligten sich auch die Familienangehörigen an dem Unternehmen, so auch Georg Schaeffler. Im Zuge der Kriegswirtschaftspläne musste der Betrieb auf die Fertigung kriegswichtiger Erzeugnisse umgestellt werden. 1943 wurde eine Nadellager-Fertigung aufgenommen.

Als Anfang 1945 die sowjetische Armee auf ihrem Vormarsch deutsches Gebiet erreichte, musste die Fertigung zuerst ins sächsische Meerane, dann in eine ehemalige Porzellanfabrik nach Schwarzenhammer in Oberfranken verlegt werden. Hier wurden unter anderem die umbaufähigen Leiterwagen gefertigt, ein damals dringend benötigtes Transportmittel und der Verkaufsschlager schlechthin.


Leitern, Roller, Gürtelschnallen

Auf der Suche nach einem Grundstück mit Gleisanschluss für ihr Unternehmen kamen die Gebrüder Schaeffler 1946 nach Herzogenaurach. Die Stadt verkaufte ihnen ein geeignetes Grundstück gegen die Zusage, innerhalb eines Jahres 120 Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Jahr später beschäftigte die neu gegründete Industrie GmbH bereits 193 Mitarbeiter. Diese fertigte zunächst Holzartikel für den täglichen Bedarf wie Leitern, Kinderroller, Gürtelschnallen und Knöpfe. Bald kamen Metallprodukte hinzu wie Gewindeschneidbacken, Gelenkkreuzbüchsen und Nadellager für den Ersatzteilbedarf. Aus dieser Anfangszeit stammt auch die Markenabkürzung INA für "Industrie-Nadellager", die Georg Schaeffler Jahre später auf Nachfrage seiner Mitarbeiter auch als "Immer neue Aufgaben" übersetzte.


Durchbruch mit Nadellager

Schaeffler dachte schon seit längerem über eine Verbesserung des herkömmlichen Nadellagers nach. 1949 hatte er die Idee des käfiggeführten Nadellagers. Die neue Bauart war gegenüber den bis dahin eingesetzten Nadellagern kompakter, leichter, zuverlässiger und ermöglichte höhere Drehzahlen. Mit der Erfindung des käfiggeführten Nadellagers begann der rasante Aufstieg des Unternehmens. Schaeffler fertigte das Produkt in großen Mengen insbesondere für die deutsche Automobilindustrie. Ab 1953 gab es kein neu gebautes Auto in der jungen Bundesrepublik, in dem nicht serienmäßig Lager aus dem Hause Schaeffler eingebaut waren.

Auf diese bahnbrechende Erfindung folgten viele weitere - hauptsächlich Produkte aus dem Bereich Motorelemente wie Tassenstößel, Nadellager und Zylinderrollenlager. Im Laufe seiner Schaffenszeit meldete Dr.-Ing. E.h. Georg Schaeffler insgesamt 70 Erfindungen zum Patent an. Seine letzte Patentanmeldung wurde im Juli 1996 unter dem Titel "Tassenförmiger Ventilstößel" eingereicht.

Neben der Produktverbesserung und der Entwicklung neuer Produkte legte Schaeffler großen Wert auf die Entwicklung von Fertigungstechnologien und die Optimierung der Fertigungsprozesse. Bei regelmäßigen Werksrundgängen und in Gesprächen mit Mitarbeitern sorgte er für ständige Verbesserungen der Abläufe.


Wohnraum für die Mitarbeiter

Die intensive Arbeit in seinem Unternehmen und die Belange der Belegschaft bestimmten sein Leben. Das Wohlergehen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war ihm ein besonderes Anliegen. Dies zeigte sich durch Sozialleistungen, Werksfeiern, gemeinsame Ausflüge, einen werkseigenen Kindergarten sowie den Bau von Wohnungen. Bis 1966 wurden allein in Herzogenaurach 739 Wohnungseinheiten errichtet. Darüber hinaus engagierte sich Schaeffler als Mäzen in den Bereichen Soziales, Kultur und Wirtschaft und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. So erhielt er unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft, den Bayerischen Verdienstorden und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Herzogenaurach.

Georg Schaeffler heiratete 1963 Maria-Elisabeth Kurssa, die zu jener Zeit in Wien Medizin studierte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Georg Friedrich Wilhelm und Christian Johannes, der kurz vor Weihnachten 1975 tödlich verunglückte. Am 2. August 1996 verstarb Georg Schaeffler im Alter von 79 Jahren. Seiner Frau und seinem Sohn hinterließ er ein Unternehmen mit rund 20 000 Mitarbeitern. Seit seinem Tod führen seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und sein Sohn Georg F. W. Schaeffler als Familiengesellschafter gemeinsam mit dem Management das Unternehmen erfolgreich weiter.

"Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland schien im Laufe der neunziger Jahre immer mehr abzunehmen, man fürchtete das Ende des industriellen Produktionsstandorts Deutschland. Inmitten dieser schwierigen Entwicklungsphase ist der Unternehmensgründer Georg Schaeffler gestorben", beschreibt Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann die damalige Situation. "Ich hatte meinem Mann das Versprechen gegeben, das Unternehmen in die Zukunft zu führen, was sein großer Wunsch war. Es war keine leichte Aufgabe. Manch einer hat uns damals geraten, das Unternehmen zu verkaufen, aber das kam für meinen Sohn und mich nie in Frage. Ich war entschlossen, das Lebenswerk von Georg Schaeffler fortzuführen und die Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen, die sich vor dem Hintergrund der globalen, dynamischen Veränderungen boten."

Heute ist die Schaeffler Gruppe ein global tätiger, integrierter Automobil- und Industriezulieferer mit rund 85 000 Mitarbeitern weltweit. Mit circa 170 Standorten in über 50 Ländern verfügt Schaeffler über ein weltweites Netz aus 75 Produktionsstandorten, 17 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie Vertriebsgesellschaften.

Mit seiner Strategie "Mobilität für morgen" stellt das Unternehmen die Weichen für zukünftiges, nachhaltiges und profitables Wachstum. Grundlage für diese strategische Ausrichtung ist der Anspruch der Schaeffler Gruppe, als Technologieführer mit Innovationskraft und bester Qualität die Mobilität für morgen aktiv mit zu gestalten.