Der Gesangverein Harmonie Neuhaus feierte am vergangenen Samstag eine Premiere, denn wegen der schlechten Wettervorhersage hatten die Organisatoren schweren Herzens kurzfristig ihr Konzert zum ersten Mal seit Bestehen der Serenade in die Adelsdorfer Mehrzweckhalle verlegen müssen. Mit Recht, denn zu Beginn prasselte der Regen auf das Hallendach - jedoch gegen Ende lachte die Sonne frech zu den Dachfenstern herein.
"Wir wären so gerne Gastgeber gewesen", sagt Baron Guido von Crailsheim und seine Gattin Cornelia vor dem Konzert. "Ein bisschen froh bin ich ja schon, dass es jetzt regnet", flüsterte er dem FT zu. "Was hätten wir uns geärgert, wenn die Sonne geschienen hätte."

Die Neuhauser Schlosshofserenade wurde schon vom ehemaligen, bereits verstorbenen Chorleiter Karl Sandig im Jahre 1981 ins Leben gerufen. Anlass war damals der 60. Geburtstag des Chores.
Nun gehört sie zum festen kulturellen Bestandteil der Gemeinde Neuhaus und findet alle zwei Jahre - dieses Mal zum 17. Mal - statt. Der Titel des Songs der Münchner Freiheit "Solang man Träume noch leben kann" gab dem Konzert den Namen.
Christiane Brenner, Chorleiterin des gastgebenden Chores Harmonie Neuhaus, in deren Händen auch die künstlerische Gesamtleitung lag, hatte ein anspruchsvolles und bunt gemischtes Programm zusammengestellt.

Zuhörer schwärmen

Der Männerchor Eintracht Greuth unter Leitung von Erich Staab (Regionalkantor Erlangen, Höchstadt, Neunkirchen/Sand), das Vokalensemble "Vier Zylinder sticht", ein Familienquartett mit Wurzeln in Poxdorf und LOC, eine Instrumentalgruppe aus Nürnberg, schafften es spielend, zusammen mit dem Chor Harmonie, begleitet von Hella Commichau am Piano, den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Lieder wie "I have a dream", "Danke für die Stunden" und "Adiemus" mit einem geheimnisvollen Songtext (Harmonie), "Wochenend und Sonnenschein", "Ich hab das Fräulein Helen' baden seh'n" (Vier Zylinder sticht), "Die Gedanken sind frei" und "Griechischer Wein" (Männerchor Eintracht Reuth), gingen ins Ohr und wurden eindrucksvoll dargeboten.

"Ein Männerchor ist was Tolles", hörte man am Ende im Foyer eine Zuhörerin schwärmen. Andere Besucher waren begeistert von der Gruppe "Vier Zylinder sticht", die Lieder im Stil der Comedian Harmonists zum Besten gaben und nicht nur sangen, sondern auch noch kleine schauspielerische Einlagen zeigten. Der Name erklärt sich ganz einfach: Die Vier tragen einen Zylinder und der Kaktus - "das Lied und den Kaktus haben wir immer dabei" - der sticht.

Großer Beifall

Die Gruppe LOC ließ die Zuhörer zum Mond fliegen ("Fly me to the moon") und entführte alle mit ihrem "handgemachten Jazz" in den Karneval ("Manha de Carnaval"). Auch den gemütlichen Teil nach dem Konzert untermalten die Vier mit ihrer Musik. Alle Beiträge ernteten großen Beifall.

Christiane Brenner, eine Vollblutmusikerin, übernahm vor 16 Jahren nur aushilfsweise den verwaisten Chor in Neuhaus. Der damalige Dirigent Thomas Merz musste aus beruflichen Gründen aufhören. Aus einer "Aushilfe" wurde aber bald ein festes Engagement. Die Neuhäuser sind froh und stolz, so eine super Chorleiterin zu haben, versteht sie es doch, die Proben für jeden Sänger, trotz eiserner Disziplin, zu einem positiven Erlebnis zu machen und die Chorgemeinschaft zu stärken.

Ein Dankeschön an alle Mitwirkenden sprach vor dem gemeinsamen Schlusslied "Kein schöner Land" die zweite Vorsitzende der Harmonie, Ramona Schickert, aus. Es war ein gelungenes Konzert und noch lange saßen Sänger, Musikanten und Gäste beisammen.