Es ist eine Überraschung, die sitzt. Britta Dassler wird kommendes Jahr nicht erneut für die FDP in den Bundestagswahlkampf ziehen. In knapper Entscheidung sprach sich bei der Nominierungsversammlung am Mittwochabend eine Mehrheit gegen Dassler als erneute Direktkandidatin aus.

Mit 23 zu 26 Stimmen unterlag sie bei der Abstimmung im Herzogenauracher Vereinshaus gegen Ralf Schwab aus Möhrendorf, der sich - für einige überraschend - zu einer Kampfkandidatur gegen Dassler entschieden hatte.

Für Dassler, die 2017 erstmals über die FDP-Liste in den Bundestag einzog, ist es eine herbe Niederlage. Die 56-Jährige wollte sich gestern nicht zum Ergebnis der Nominierungsversammlung äußern. Ihr Ehemann Michael Dassler reagierte fassungslos und sprach von einem intriganten Spiel.

Initiative ging von Erlangen aus

"Es ist relativ kurzfristig entstanden, es so zu machen. Es ging von einer Initiative des Kreisverbandes Erlangen aus", erklärt der Nominierte Ralf Schwab die Beweggründe für seine Kandidatur. Er sei von Seiten der FDP Erlangen angesprochen worden, ob er nicht antreten wolle.

Und da er der Meinung sei, dass eine Auswahl unter mehreren Kandidaten immer besser sei, habe er sich dazu entschlossen.

Der 61-jährige Schwab ist seit 18 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Er ist Gemeinderat in Möhrendorf, wo er 2007 nach einem Streit mit dem Bürgermeister von den Freien Wählern zur FDP gewechselt war.

Kreisverbände im Clinch?

Als Möhrendorfer ist Schwab selbst Mitglied des Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Er ging nun jedoch als "Kandidat der Erlanger" ins Rennen. Welche Spannungen zwischen den beiden Kreisverbänden werden hier offenbar?

"Dass mancher in Herzogenaurach nun nicht so glücklich ist, ist klar", sagt Schwab. "Aber ich glaube nicht, dass es einen Riss gibt." Er habe Anrufe und Whatsapp-Nachrichten mit Glückwünschen von FDP-Mitgliedern quer durch den Wahlkreis bekommen.

Auch Britta Dassler habe ihm gratuliert. "Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin ein vernünftiges Verhältnis haben", sagt Schwab. Fotos mit dem obligatorischen Blumenstrauß gibt es jedenfalls von dieser Nominierungsversammlung nicht.

"Ich wurde vorab nur ganz kurzfristig informiert, dass sich Ralf Schwab aufstellen lässt", sagt Elke Weis, stellvertretende Vorsitzende der FDP Erlangen-Höchstadt auf FT-Anfrage. Nur zwei oder drei Tage im Voraus habe sie davon erfahren.

"Es war schon sehr sachlich und es wurde offen darüber diskutiert", sagt Weis auf die Frage, inwieweit es bei der FDP zwischen Erlangen und Landkreis knirscht. "Klar, war es ein ,Hoppla, was ist denn hier passiert?' Das ist nicht einfach eine flotte Abendnummer. Es war eine schwierige Entscheidung."

Wirtschaftskompetenz ist gefragt

Es sei auch um die Frage gegangen, welche Kernthemen der jeweilige Kandidat vertrete und welche bei der anstehenden Wahl am wichtigste werden könnten. "Wir brauchen wirklich jemanden, der die Wirtschaft vertritt - das Markenzeichen der FDP", sagt Weis. Schwab habe hier punkten können. Dassler habe sich mehr auf die Themen Bildung und Sport konzentriert. Durch die Folgen der Corona-Pandemie würden jedoch Finanzen und Wirtschaft ins Zentrum des Wahlkampfs rücken.

Herbe Enttäuschung

Michael Dassler aus Herzogenaurach, Stadtrat, Kreisrat und bis 2019 fünf Jahre lang Kreisvorsitzender, reagierte mit herber Enttäuschung. Die knappe Mehrheit nehme aus persönlicher Animosität heraus in Kauf, dass das Bundestagsmandat verloren geht. Denn es sei wohl kaum zu erwarten, dass ein bislang Unbekannter auf der Landesliste weit vorne platziert wird. "Damit wurde der Partei ein Bärendienst erwiesen", sagte Dassler. "Meiner Meinung nach ist das von langer Hand geplant worden".

War Volkswirt bei Siemens

FDP-Direktkandidat Ralf Schwab ist studierter Volkswirt. Lange arbeitete er bei Siemens in Erlangen in leitender Position im Bereich Rechnungswesen und Bilanzen. Hier habe er ein "gewisses Aushängeschild", sagt er. Haushaltskonsolidierung, Wirtschaftsentwicklung und der Umgang mit Neuverschuldung seien neben Digitalisierung und Umweltschutz die Kernthemen, die er im Wahlkampf anspreche.

 Christian Bauriedel

und Bernhard Panzer