Der 18. Dezember ist Welttag der Migration. Ein Aspekt für eine erfolgreiche Integration von Migrantinnen und Migranten ist die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Wie gelingt sie? Welche Aspekte spielen eine Rolle, damit Drittstaatsangehörige bei ihren Arbeitgebern auf dem Land bleiben? Das hat eine Fallstudie in Bayern unter der Leitung von Stefan Kordel vom Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht. Wie die Universität erklärt, sei die Fallstudie ein Teil des internationalen Projekts „Migration Impact Assessment to Enhance Integration and Local Development in European Rural and Mountain Regions“, kurz "Matilde", das über drei Jahre die Auswirkungen der Migration auf die lokale Entwicklung von ländlichen und Bergregionen untersucht hat.

Erfolgreiche Integration wird in der Politik oft daran gemessen, ob Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sind. Für Neuzugewanderte ermöglicht der Arbeitsplatz ein selbstbestimmteres Leben, aber auch für Unternehmen sind zugewanderte Menschen eine wertvolle Ressource: vor allem in Sektoren wie Gesundheit und Pflege, Hotellerie und Gastronomie oder dem Handwerk, die händeringend nach Arbeitskräften suchen. In ländlichen Räumen noch stärker als in Ballungsgebieten.

Im Rahmen von "Matilde" haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Unternehmen sowie Migrantinnen und Migranten zu verschiedenen Phasen wie Anwerbung, Einarbeitung und das Halten von Arbeitskräften befragt. Damit wollten sie herausfinden, welche Aspekte für eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt auf dem Land wichtig sind.

Ganzheitliche Einbindung von Arbeitskräften aus Drittstaaten notwendig

Ein Ergebnis: Beim Anwerben und Einarbeiten von Arbeitskräften aus Drittstaaten stehen vor allem persönliche Netzwerke im Vordergrund neben der Inanspruchnahme privater und öffentlicher Vermittlungsagenturen. Ersteres betrifft sowohl Drittstaatsangehörige, die aus dem Ausland angeworben werden, als auch jene, die bereits vor Ort sind. Deshalb stellen manche Betriebe eine enge Begleitung durch Mentorinnen und Mentoren bereit. Diese helfen, sprachliche Schwierigkeiten sowie fehlende Kenntnisse über Arbeitsabläufe bei der Einarbeitung zu überwinden und unterstützen bei der Orientierung am neuen Wohnort sowie bei der Abwicklung bürokratischer Vorgänge.

Was hält Migrantinnen und Migranten auf dem Land?

Gefragt nach dem Grund fürs Bleiben im Betrieb, im Sektor und in der Region nennen Drittstaatsangehörige vor allem arbeitsbezogene Themen. Dazu gehört der Abschluss der Berufsausbildung, ein gutes Arbeitsklima und eine zufriedenstellende Bezahlung. Auch das Vorhandensein von vielfältigen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ziehen die Migrant/-innen in die Entscheidung, vor Ort zu bleiben, mit ein. Aber auch Faktoren, die über den Arbeitsalltag hinausreichen, beeinflussen, so Projektmitarbeiter Tobias Weidinger vom Institut für Geographie, ob die Arbeitskräfte am Ort bleiben. So ist für Drittstaatenangehörige die soziale Eingebundenheit sowie das Freizeitangebot vor Ort sehr wichtig. Dabei hinderlich: der unzureichend ausgebaute ÖPNV, der das Erreichen von diesen Angeboten sowie die Vereinbarkeit mit dem beruflichen Alltag erschwert. 

Keine pauschalen Lösungen

Einfache Aussagen über das Bleiben von Drittstaatsangehörigen auf dem Land sind nicht pauschal möglich: „Die Ergebnisse aus dem "Matilde"-Projekt unterstreichen, dass es keine ‚One-size-fits-all‘-Antwort auf die Frage gibt, ob Drittstaatsangehörige in ländlichen Regionen bleiben möchten. Vielmehr muss eine ganzheitliche Perspektive, die über den Arbeitsalltag hinausgeht, betrachtet werden“, sagt Stefan Kordel.

Die Fallstudie Bayern hat die empirische Grundlage für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen gelegt, die gemeinsam mit Praxisakteuren aus den Sektoren Gesundheit und Pflege sowie Hotellerie und Gastronomie diskutiert und geschärft wurden.  

Über "Matilde"

Das Konsortium des vom EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 geförderten Projekts besteht aus zwölf Universitäten und Forschungsinstitutionen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es online: www.matilde-migration.eu