FAU Erlangen: Brustkrebsprävention individueller mit digitalem Zwilling
Autor: Redaktion
Erlangen, Mittwoch, 16. Sept. 2026
Das Projekt PREVENTwin entwickelt einen digitalen Präventionszwilling für Brustkrebs.
Wie hoch ist mein persönliches Risiko, an Brustkrebs zu erkranken? Und vor allem: Was kann ich selbst tun, um es zu senken? Genau hier setzt das Forschungsprojekt "PREVENTwin – Entwicklung eines digitalen Präventionszwillings für die nachhaltige Prävention von Brustkrebs" der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen an. Unter der Leitung von PD Dr. Hanna Hübner, Leiterin der Arbeitsgruppe Digitale und Personalisierte Medizin, soll in den kommenden zwei Jahren ein digitaler Zwilling entwickelt werden, der individuelle Brustkrebsrisiken und beeinflussbare Faktoren darstellt – etwa Bewegung, Ernährung, Körpergewicht oder Alkoholkonsum. PREVENTwin wird mit insgesamt 70.000 Euro gefördert. Die Fördermittel stammen aus der von der Siemens Healthineers AG eingerichteten Foundation for Sustainable Healthcare, dem Matching-Funds-Programm des Uniklinikums Erlangen sowie Mitteln der Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen.
PREVENTwin ist das erste von fünf Projekten, die die Foundation for Sustainable Healthcare gemeinsam mit der Forschungsstiftung Medizin in den kommenden Jahren unterstützen wird. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Gleichzeitig unterscheidet sich das persönliche Erkrankungsrisiko erheblich. Neben familiären und genetischen Faktoren beeinflussen unter anderem hormonelle Faktoren, Körpergewicht, körperliche Aktivität, Ernährung und Alkoholkonsum das Risiko.
Moderne Berechnungsmodelle können viele dieser Faktoren bereits berücksichtigen und daraus ein individuelles Erkrankungsrisiko ableiten. Doch eine Prozentzahl allein beantwortet für die einzelne Frau häufig noch nicht die entscheidenden Fragen. "Unser Ziel ist es deshalb, aus einer reinen Risikoberechnung, also einer abstrakten Zahl, eine verständliche Information zu machen, aus der konkrete Handlungen abgeleitet werden können", erklärt Projektleiterin Hanna Hübner. Der digitale Präventionszwilling soll zeigen: Welche Faktoren meines Risikos kann ich nicht beeinflussen – und wo gibt es möglicherweise Ansatzpunkte für Prävention? "Wichtig ist uns dabei, das jeweilige Risiko so zu kommunizieren, dass die Frau weder unangemessen alarmiert ist oder Schuldgefühle entwickelt, noch dass sie sich in falscher Sicherheit wiegt", so Dr. Hübner.
Was wäre, wenn ...?
Der geplante Präventionszwilling soll verschiedene Informationen zu einem digitalen Modell zusammenführen. So könnte eine Nutzerin nicht nur ihr errechnetes Brustkrebsrisiko sehen, sondern auch nachvollziehen, wie dieses im Verhältnis zum durchschnittlichen Risiko gleichaltriger Frauen einzuordnen ist.
Hinzukommen sollen verständlich aufbereitete Szenarien zu beeinflussbaren Faktoren. "Dabei geht es nicht darum, vorherzusagen, ob eine einzelne Frau tatsächlich Brustkrebs bekommen wird oder nicht. Vielmehr wollen wir transparent machen, welche Faktoren wissenschaftlich mit dem Erkrankungsrisiko zusammenhängen und was Veränderungen für die einzelne Frau möglicherweise bedeuten könnten", betont Hanna Hübner.
Die technische Grundlage für das Forschungsprojekt ist bereits vorhanden: PREVENTwin baut auf der BayPass-App auf, die im Rahmen des digiOnko-Projekts entwickelt wurde und im Rahmen der PräDigt-Studie in der Erlanger Frauenklinik bereits eingesetzt wird. Mehr als 2.000 Frauen haben die digitale Plattform schon genutzt. Sie erfasst unter anderem individuelle Risikofaktoren, Vorsorgeverhalten, Ernährung, sportliche Aktivität und weitere Gesundheitsdaten.
Auf dieser Basis lässt sich über etablierte Risikomodelle das persönliche Zehn-Jahres- und Lebenszeitrisiko für Brustkrebs berechnen. PREVENTwin geht nun noch einen Schritt weiter: Aus der bestehenden Risikoerfassung soll ein Werkzeug entstehen, das komplexe Informationen möglichst anschaulich und verständlich übersetzt.