Franken mögen keine Bierpreiserhöhungen, man denke nur an den Bamberger Bierkrieg von 1907. Damals wurde der Preis für ein Seidla von 10 auf 11 Pfennig erhöht und damit ganz klar eine rote Linie überschritten. Eine ähnliche Linie überschreiten 2018 die Wirte auf der Erlanger Bergkirchweih, könnte man meinen.


Rekord: Der Bierpreis auf dem Berch 2018

Aber jetzt mal der Reihe nach: Dass der Bierpreis auf dem Berch von Jahr zu Jahr um 50 Cent steigt, ist weder Neuigkeit noch Überraschung. Das geht schon seit vielen Jahren so, einzig zwischen 2016 und 2017 setzte die Preiserhöhung eine Runde aus. Alles wie gehabt also.

Darüber kann man sich natürlich trotzdem tierisch aufregen, den Berch verfluchen und allen, die dort unschuldige Biertrinker abzocken, mit Boykott drohen. Unter dem Facebook-Posting von inFranken.de zum diesjährigen Bierpreis auf der Erlanger Bergkirchweih standen jedenfalls einige Koronar-Arterien kurz vor dem Platzen.


Nachgerechnet: Ist die Preiserhöhung gerechtfertigt?

Anstatt in Rage zu verfallen, könnte man die Kröte auch einfach schlucken (und vorzugsweise mit einem Schluck Bier runterspülen) und kurz in sich gehen: Könnte es legitime Gründe für die Preiserhöhung geben? Abgesehen davon natürlich, dass im Leben doch sowieso alles immer teurer wird und früher alles besser war und überhaupt?

Ja, die gibt es tatsächlich: Die Stadt Erlangen rechnet vor, dass die Ausrichtung der Bergkirchweih in den letzten Jahren massiv teurer geworden ist. Während der Berch im Jahr 2006 noch 215.072,25 Euro kostete, schlug er im Jahr 2015 mit 371.874,97 Euro zu Buche. Das entspricht einer Kostensteigerung von fast 73 Prozent. Direkt zuordenbare Kosten werden von den Wirten und Schaustellern getragen. Die Stadt Erlangen beteiligt sich in diesem Jahr mit 40.000 Euro an den Gesamtkosten, in Zukunft mit 50.000 Euro pro Jahr.

Dementsprechend wurde das sogenannte Platzgeld für die Schausteller erhöht - pauschal um 5 Prozent. Im Platzgeld enthalten sind beispielsweise die Abfallentsorgung und Reinigung, aber auch die deutlich gestiegenen Sicherheitskosten sowie Feuerwache und Rettungsdienst. Imbisse und Spirituosen-Stände zahlen je nach Lage zwischen 15 und 30 Prozent mehr.


Ausgerastet: Bringt doch alles nichts

Das also sind die nüchternen Zahlen. Sie lassen sich kurz und knapp zusammenfassen unter: 9,50 Euro. Mal ehrlich: Mich persönlich jucken die 50 Cent mehr für die Maß nicht. Ich werde auf jeden Fall auf den Berch gehen, meine drei Maß trinken und mit dem Taxi nach Hause fahren. Nach Bamberg. Nein, nur Spaß ... Ich verstehe voll und ganz, wenn jemand sagt, der Literpreis von 9,50 Euro fürs Bier ist ihm zu teuer. Was ich nicht verstehe, sind die Aufregung und Wut, die sich deswegen in den sozialen Medien (und bestimmt auch an den Stammtischen, aber da war ich nicht dabei) entladen. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Schon klar, die Franken verstehen keinen Spaß, wenn es um den Bierpreis geht. Bamberger Bierkrieg von 1907 und so. Während damals übrigens Volkes Wille siegte, die Bierbrauer einknickten und der Preis von 11 auf 10 Pfennig zurückgedreht wurde, bringt im Falle der Bergkirchweih vermutlich alles Jammern und Klagen nichts. Die 9,50 Euro sind gesetzt - bis zum nächsten Jahr. Übrigens: Sparfüchse gehen in den Goldmann-Keller, da kostet das Bier traditionell einen Euro weniger.


Ausgelacht: Die Münchner haben es noch schlechter als wir


Man könnte sich auch damit trösten, dass der Bierpreis auf der Wiesn in diesem Jahr die 11-Euro-Schallmauer durchbrechen wird. Zugegeben, ein schwacher Trost. Aber zum Glück müssen wir da nicht hin.

Ein Kommentar von Rupert Mattgey

Bei diesem Kommentar handelt es sich um eine persönliche Meinung. Er spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder.