Erlangen: Dubiose "Obdachlosenzeitung" vor Weihnachten im Umlauf - so erkennt man Betrug vor dem Kauf
Autor: Isabel Schaffner
Erlangen, Donnerstag, 16. Dezember 2021
Die Stadt Erlangen hat Anfang Dezember Informationen über eine wohl unseriöse Obdachlosenzeitung mit dem Namen "Straßenlicht" erhalten. Vor allem in der Vorweihnachtszeit steigt die Bereitschaft für Spenden bei den Passanten.
- Erlangen: Meldung an Stadt - dubiose Obdachlosenzeitung "Straßenlicht"
- Auch in Lauf (Nürnberger Land) gesichtet: Menschen zu Weihnachten mehr bereit zu spenden
- "Straßenkreuzer"-Chefredakteurin: So erkennt man seriöse Obdachlosenzeitungen
- "Schrottige" Zeitung: Stadt kann zwielichtigen Verkauf verbieten
In der Vorweihnachtszeit sind Werte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe präsenter als zu anderen Jahreszeiten. In Erlangen scheinen sich Menschen an der Spendenbereitschaft von Passant*innen bereichern zu wollen. Der Stadt wurde im Dezember eine Zeitung gemeldet, die nicht unter die professionellen Exemplare fällt.
"Straßenlicht" in Erlangen: "Schrottige" Zeitung mit zwielichtigem Impressum
Immer wieder käme es vor, dass bedenkliche Straßenzeitungen mit unterschiedlichem Namen verkauft würden, erklärt Ilse Weiß, Chefredakteurin vom Straßenkreuzer e.V. aus Nürnberg. In ihrer Stadt habe sie keine gesehen, doch in Erlangen und Lauf wurde das "Straßenlicht" nach ihren Informationen gesichtet. Erneut sei eine ähnliche Schrift gewählt worden. Der Stil kehre also wieder.
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Das Suspekte an der Zeitung in ihren verschiedenen Varianten: Im Impressum stehe ein Verein aus Darmstadt, der nicht zu erreichen sei. Die Vermutung sei daher, dass sich Menschen hinter diesem Verein am Erlös der Zeitungen bereichern, anstatt Bedürftige zu unterstützen. Ist es nicht schwer für Passant*innen, seriöse von unseriösen Blättern auf den ersten Blick zu unterscheiden?
Ilse Weiß findet den Unterschied zu ihrem "Straßenkreuzer" offensichtlich: "Ich glaube, es ist sehr einfach zu erkennen, weil dieses 'Straßenlicht' einfach schrottig aussieht." Die Verkäufer*innen des "Straßenkreuzers" hätten Ausweise, um ihre Seriosität zu bezeugen. Die Verantwortlichen seien außerdem im Gegensatz zum "Straßenlicht" ansprechbar und versteckten sich nicht. Der regelmäßige Verkauf der Hefte solle den über 80 Verkäufer*innen eine Perspektive bieten "und sie ermutigen, ihr Leben so gut es geht selbst zu verantworten", heißt transparent es auf der Webseite.
Verkauf in Erlangen fällt unter "erlaubnispflichtige Sondernutzung"
Die Stadt Erlangen teilt inFranken.de mit, dass zwar gewerberechtlich keine Erlaubnis erforderlich sei, um Druckerzeugnisse auf öffentlichen Straßen zu verkaufen. Allerdings handele es sich "straßen- und wegerechtlich um eine sogenannte erlaubnispflichtige Sondernutzung". Solch eine Erlaubnis hätten die Verkäufer des "Straßenlichts" nicht. Die Stadt könne den Verkauf dadurch unterbinden.
Dies ist aber nicht geschehen. Denn allzu präsent scheint die dubiose Zeitung nicht zu sein. Bei Nachprüfungen sei der Stadt Erlangen kein Verkauf aufgefallen. Weiß kennt keine weiteren professionellen Straßenzeitungen neben dem "Straßenkreuzer" in Erlangen und Nürnberg und verweist auf die Mitgliedschaft der Zeitung beim "International Network of Streetpapers". Dieser Weltverband unterstützt laut eigenen Angaben Qualitätsjournalismus und arbeitet auf soziale Ziele hin.