Weil vor genau 600 Jahren hier Fischweiher angelegt werden sollten, wurde "Kifferndorf" im Jahr 1413 erstmals urkundlich erwähnt. Dieses Jubiläum nehmen die 42 Einwohner des kleinen Höchstadter Ortsteils zum Anlass, am kommenden Wochenende das wohl größte Fest in ihrer Geschichte zu feiern. Und dabei dürfen sie mit einer Schar von Gästen rechnen, die die Einwohnerzahl um ein Vielfaches übersteigen wird.

Abt Lambert vom Bamberger Kloster Michelsberg wollte 1413 im Auftrag von Bischof Albrecht Teiche anlegen lassen und tauschte dafür Grund in Kieferndorf gegen Grund in der Stadt Höchstadt. Kreisheimatpfleger und Historiker Manfred Welker hat dies herausgefunden und lässt zum Jubiläum die Geschichte des idyllisch zwischen Wald und Weihern gelegenen Örtchens wieder aufleben.

Nach Welkers Recherchen plünderten im Dreißigjährigen Krieg hundert Reiter die Nachbarorte Medbach und Bösenbechhofen und nahmen den Bewohnern von Kieferndorf sechs Pferde und etliche Kleider ab. Die Lehen- und Vogteiherrschaft über Kieferndorf hatte das Kloster Michelsberg.

Zu Fuß nach Etzelskirchen

Kieferndorf gehörte schon immer zur katholischen Pfarrei und Schule Etzelskirchen. Eine dreiviertel Stunde waren früher die Schulkinder zu Fuß ins Etzelskirchener Schulhaus unterwegs.
1868 lebten nach den Recherchen von Manfred Welker in 26 Gebäuden 42 Einwohner. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren es 39 Einwohner in acht Gebäuden, 1928 zehn Einwohner mehr.

In der Vergangenheit war Kieferndorf eine rein landwirtschaftliche Gemeinde. Die Milch wurde nach Etzelskirchen geliefert. Auf den Feldern wurden Kühe und Pferde eingespannt. Den ersten Traktor im Ort schaffte sich Georg Geyer, Hausnummer 2, 1952 an - einen Deutz mit 15 PS.

Eine wichtige Rolle im Dorfleben spielte schon in der Vergangenheit der Grafenweiher. Nach der sonntäglichen Frühmesse wurden dort die Pferde geschwemmt. In dem Weiher gab es auch bestimmte Badeecken, in denen sich Kinder und Jugendliche tummelten. Über Jahre herrschte ganz offiziell Badebetrieb. Erst als 1978 das Höchstadter Freibad eingeweiht wurde, verlor der Grafenweiher seine Bedeutung. Den Namen gaben ihm die Kieferndorfer, weil der Weiher zur gräflich-pommersfeldischen Schlossverwaltung gehörte.

Flüchtlinge aus Freiwaldau

Am 14. April 1945 rückten amerikanische Truppen mit Panzern in Kieferndorf ein. Ein Jahr später kamen die ersten Heimatvertriebenen nach Kieferndorf - meist aus Freiwaldau im Sudetenland.
Wie Kreisheimatpfleger Welker herausgefunden hat, war Georg Hartenfels 1960 der erste Autobesitzer in Kieferndorf - er kaufte sich damals einen VW-Käfer. 1972 wurde Kieferndorf zusammen mit Etzelskirchen nach Höchstadt eingemeindet. 1987 löste die zentrale Wasserversorgung die Hausbrunnen ab.

Ein Kuriosum sorgte 2004 in Kieferndorf für Gesprächsstoff. Mehrmals hatten Bürger ein weißes Reh gesichtet.
Jetzt wird am Wochenende das 600-Jährige gefeiert. Start ist am Samstag um 15.30 Uhr mit dem Festzug. Bis in die Nacht gibt es Livemusik, um 22 Uhr wird ein Feuerwerk den nächtlichen Himmel erleuchten. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Wendehammer. Weiteres Highlight ist das Fischerstechen um 14 Uhr auf dem Dorfweiher