Der Widerstand gegen das Projekt Südumfahrung wächst weiter. Jetzt hat der Bund Naturschutz ein Gutachten in Auftrag gegeben, mit dem dargelegt werden soll, dass es diese aufwändige Straße nicht braucht. Das vom BN beauftragte Büro bezieht sich dabei auch auf Zahlen, die die bisherigen Verkehrsgutachten der Stadt schon ergeben hätten.

Im Pressegespräch verdeutlichte BN-Regionalreferent Tom Konopka mit Unterstützung der Projektgegner aus Herzogenaurach, dass man auch weiterhin versuchen werde, die Straße zu verhindern. "Wir sind guten Mutes, dass das gelingen kann", sagte er und verdeutlichte erneut die Notwendigkeit, das auch zu schaffen. Denn wenn die Südumgehung erst einmal gebaut sei, dann würde eine Stadt-Umland-Bahn wohl keine Chance mehr haben, als umweltfreundliche Alternative bezuschusst zu werden.

An dem Pressegespräch nahmen neben den offiziellen Vertretern des BN auch Christian von Reitzenstein von der "Bürgerinitiative Herzo Süd bewahren" und als Gast Bernd Brandl als Mitglied der Grundstückseigentümer und Landwirte (Igel) teil. Wie Konopka zusammenfasste, wäre das Bündnis sogar bereit, eine Ostspange hinzunehmen, wenn man damit die Südumfahrung vermeiden könne. Denn schon eine reine Ostumfahrung - sie ist in den Plänen der Stadt Bestandteil des Projekts Südumfahrung - würde eine klare Entlastung der Ortsdurchfahrten von Niederndorf und Neuses bringen und wäre mit deutlich weniger Eingriffen in die Natur verbunden.


Gutachter sieht Widersprüche

Das verdeutlichte auch Wulf Hahn, Geschäftsführer des beauftragten Büros Regio Consult aus Marburg. Ihm fiel in der Ausarbeitung seines Gutachtens besonders auf, "dass dass die tatsächlich gemessenen Verkehrsdaten im Widerspruch zu den Modelldaten stehen." Den Gutachten der Stadt zufolge gebe es nämlich eine Verringerung des Verkehrs in der Niederndorfer Achse, und zwar in einer Größenordnung von 18 Prozent zwischen den Jahren 2002 und 2013. Weitere 13 Prozent seien bis 2015 dazu gekommen. Schlussfolgerungen habe man hieraus aber nicht gezogen.

Auch kritisiert Hahn die aktuellen Zählungen. Man habe die falsche Jahreszeit und die falschen Wochentage gewählt. BN-Mann Konopka ergänzte das: "Man will die Südumfahrung günstig erscheinen lassen."

Gutachter Hahn brachte noch ein paar weitere Erkenntnisse ein. So fehlen ihm in der Betrachtung viele erforderliche Bausteine, wie zum Beispiel Aussagen zum Schnellradwegenetz und zum öffentlichen Nahverkehr. "Wir gehen davon aus, dass der öffentliche Verkehr im Modell fehlerhaft modelliert wurde. Etliche Betrachtungen sind unsauber, die Verkehrserfassung war unzureichend, die angenommenen Verkehrsverlagerungen auf die Südumfahrung sind nicht nachvollziehbar", stellte Hahn fest.

Er fordert in seiner Ausarbeitung außerdem, dass eine Fortschreibung der vorliegenden Verkehrswerte nicht genüge, sondern man neue Modellierungen zwingend brauche. Auch nach Hahns Meinung verringert die ohnehin geplante Ostspange die Belastung in den Ortsdurchfahrten schon deutlich und wäre völlig ausreichend.

Vor allem habe man den künftigen Radschnellwegverkehr nicht betrachtet. Man erreiche auf der 11,6 Kilometer langen Strecke zwischen Herzogenaurach und Erlangen 60 000 Arbeitsplätze und könnte bis zu 12 000 Kfz-Fahrten aufs Rad verlagern, meinte nicht nur Hahn. Auch Gerhard Häfner, Erster Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Herzogenaurach, stimmte hier zu: "Die erheblichen Effekte des Radschnellverkehrs werden von der Stadt ausgeblendet."

Kreisvorsitzender Helmut König wies erneut darauf hin, dass alles wichtig sei, nur keine neue große Straße: "Was wir brauchen, sind die Stub, der Rückbau zentraler Parkplätze, ein massiver Ausbau von Fahrradwegen, der Ausbau von Park&Ride-Parkplätzen sowie Mitfahrgelegenheiten".