Eigentlich war Melanie Huml schon spät dran. Der nächste Termin in München wartete schon. Aber den Besuch im St. Hedwig-Kindergarten in Höchstadt-Süd ließ sich die bayerische Gesundheitsministerin natürlich nicht nehmen. Herzlich wurde sie dort gestern von den Kindern aus den drei katholischen Kindergärten und ihren Betreuerinnen mit einem Lied, einem Tanz und einem kurzen Film mit Eindrücken aus den Einrichtungen empfangen.

Zuvor stellte sich die Staatsministerin am runden Tisch im Pfarrsaal der St. Georgspfarrei den Fragen der sozialen Einrichtungen und dem Kreiskrankenhaus (siehe unten). Zustande kam Humls Besuch über Dekan Kilian Kemmer. Er hatte sie eigentlich zu seiner Feier zum 50. Geburtstag und 25. Priesterjubiläum im vergangenen Jahr eingeladen. Wegen der Geburt ihres zweiten Kindes musste sie allerdings absagen. Auf einen Besuch verzichten wollte sie aber nicht: "Wir kannten uns bisher aus Bamberg. Ihre Wirkungsstätte in Höchstadt zu besuchen, war mir schon lange ein Anliegen", wandte sich Huml an Kemmer.

In ihren Ausführungen ging sie unter anderem auf die geplante Erweiterung und Strukturverbesserung des Kreiskrankenhauses ein. "Das ist notwendig und wichtig für das Personal und für die Patienten", betonte Huml zur Freude von Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Pauschal zu behaupten, es gäbe zu viele Krankenhäuser, sei für sie der falsche Weg. Die Anzahl müsse sich am Bedarf orientieren. Zudem hätten Unglücke - wie am vergangenen Dienstag der Zugunfall in Bad Aibling - gezeigt, dass es nicht nur die großen Unikliniken, sondern auch kleinere Krankenhäuser in der Fläche brauche.


Mitmenschlichkeit leben

Ein weiteres wichtiges Thema war für Huml die Palliativmedizin. "Das ist für mich der Bereich in unserer Gesellschaft, in dem wir Mitmenschlichkeit leben", erläuterte die Ministerin. Nicht nur den Schwerstkranken, sondern auch den Angehörigen gegenüber leiste man eine wichtige Begleitung. Derzeit gebe es 6600 ehrenamtliche Hospizhelfer in Bayern. Huml sei es ein Anliegen, die Hospiz- und Palliativhilfe noch mehr in den Pflegebereich zu integrieren. "Viele wollen ihre letzten Tage in den eigenen vier Wänden verbringen. Aber das ist eben nicht immer das eigene Haus mit Garten, sondern häufig das Pflegeheim", erklärte sie in der Runde.


Mehr Auszubildende

30 Prozent mehr Auszubildende haben sich in den vergangenen Monaten für den Beruf des Altenpflegers entschieden. Viele würden allerdings abbrechen. Die vorgesehene generalisierte Ausbildung, bei der die Möglichkeit besteht, zwischen der Alten- und der Krankenpflege zu wechseln, berge zudem die Gefahr, dass die Altenpflege auf der Strecke bleibt. "Wir wollen mehr Leute in der Pflege, verklappen allerdings den Flaschenhals. Wir brauchen neben den Akademikern auch Pflegekräfte, die am Bett dabei sind und sich kümmern."

Schließlich sei auch die Unterstützung bei einer Suchterkrankung von großer Bedeutung. Besonders Kinder würden unter der Sucht ihrer Eltern leiden und psychisch erkranken.

Fred Schäfer, Leiter Soziale Dienste Diakonisches Werk: Fred Schäfer vom Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim nutzte den runden Tisch, um sich bei allen Anwesenden für ihre Unterstützung zu bedanken. Er forderte eine rechtsverbindliche Richtlinie für die Asylsozialarbeit. Nicht optimal aufgestellt sei außerdem die psychiatrische Versorgung der Betroffenen: "Es besteht ein hohes Potenzial der Selbst- und Fremdgefährdung." Melanie Huml informierte, dass angesichts der hohen Zahl an Flüchtlingen ein Gutachten in Auftrag gegeben wurde, was künftig in Krankenhäusern und psychischen Einrichtung mehr gebraucht wird: "Das ist mir auch ein großes Anliegen. Viele der Traumata werden erst sichtbar, wenn sich die Menschen in Sicherheit fühlen."

Bernd Schnackig, Arbeitslosenberatung Herzogenaurach: "Die psychische Belastung durch langanhaltende Arbeitslosigkeit macht die Leute fertig", erzählt Bernd Schnackig von der Arbeitslosenberatung Herzogenaurach. Statt sich Gedanken um eine Beschäftigung für sie zu machen, gehe es stets lediglich um die Finanzierung der Arbeitslosigkeit. Besonders der Bereich des geförderten Arbeitsmarkts müsste voran gebracht werden. Jürgen Ganzmann, Geschäftsführer der WAB Kosbach, bestätigte die extreme Zunahme von psychischen Erkrankungen: "Leute halten dem heutigen Druck nicht mehr stand." Michael Thiem von der Laufer Mühle bot sich Schnackig zur Vernetzung an. "Wenn Sie eine Idee haben, etwas zu ändern, bin ich gerne bereit", richtete sich auch Huml an Schnackig.

Johanna Auerbeck, Leiterin Seniorenzentrum St. Anna: Ein Problem in der geplanten Generalistik, bei der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger dieselbe Pflegeausbildung durchlaufen, sieht Johanna Auerbeck, Leiterin des Seniorenzentrums St. Anna. Die berufsbegleitende Förderung, bei der Pflegehelfer zu Fachkräften geschult werden, würde dann nämlich wegfallen. "50 Prozent unserer Fachkräfte kommen bei uns aus dieser Förderung. Wenn das gestrichen wird, wird es dunkel in der Altenpflege", betont Auerbeck. Sie befürchtet, dass sich mit einer generalistischen Ausbildung viele Auszubildende in Richtung Krankenhaus und nicht Seniorenheim bewegen werden.

Elke Yassin-Radowsky, Weißer Ring:
"Es gibt zu wenig Psychotherapeuten und Trauma-Ambulanzen", brachte Elke Yassin-Radowsky, beim Weißen Ring zuständig für den Landkreis Erlangen-Höchstadt, in die Diskussion ein. Melanie Huml stimmte ihr zu: "Wir brauchen mehr im ambulanten Bereich. Bisher haben wir das nur in Nürnberg und München." Derzeit arbeite man im Ministerium bereits an einem Psychisch-Kranken-Gesetz, das es derzeit in Bayern noch nicht gibt. "Eine Wartezeit von einem halben Jahr ist für die Betroffenen einfach zu lang", betonte Yassin-Radowsky. Besonders, wenn ein Selbstgefährdungspotenzial bestehe.

Albert Prickarz, Verwaltungschef Kreiskrankenhaus:
Zu wenig Ärzte, nicht nur auf dem Land, sondern besonders in den Krankenhäusern, darüber sorgte sich Albert Prickarz, Verwaltungschef im Krankenhaus St. Anna. "Wir haben schon viel gelöst mit Ärzten aus dem Ausland", erklärte er in der Runde, dennoch bestehe ein großes Defizit. "Viele gehen ins Studium, arbeiten aber letztendlich nie am Patienten", bedauert auch Melanie Huml, die selbst Medizin in Erlangen studiert hat. Während es vor 1990 noch eine echte "Ärzteschwemme" gab, würde die heutige Ärztegeneration mehr Wert auf ihre Work-Life-Balance legen. Mit dem hohen Numerus Clausus würde man zudem jungen, motivierten Menschen den Weg ins Studium erschweren.