Die Gemeinde Wachenroth plant ein mit Holz aus heimischen Wäldern betriebenes Heizwerk. Wer sich an das Heißwasser-Leitungsnetz anschließen möchte, sollte sich möglichst bald entscheiden.
Peter Reißberger und Karl Murk brachten auf den Punkt, was für sie den besonderen Reiz einer Nahwärmeversorgung ausmacht: "Ich hätte keine Arbeit mehr", sagten die beiden Wachenrother bei der Infoveranstaltung am Dienstagabend wie aus einem Mund.
Sich nicht mehr um die aktuellen Heizölpreise, um Brennstofflager, eine funktionierende Heiztechnik oder gar um den Austausch einer alten Heizanlage kümmern zu müssen, sind schon ausschlaggebende Argumente. Noch besser, wenn das alles - die Umwelt betreffend - mit einem guten Gewissen einhergeht. Aber auch in Bezug auf die "regionale Wertschöpfung", denn das Geld würde in der Region bleiben und nicht ausländischen Konzernen zufließen.
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140 Fragebögen ausgewertet Dominik Böhlein und Christoph Fröhlich, das junge Team der "Energie Vision" Kronach, nannten viele gute Gründe für eine Nahwärmeversorgung, mit der sich die Gemeinde Wachenroth seit etwa einem Jahr beschäftigt. Aufgrund ihrer Referenzen wurde die Kronacher Firma von der Gemeinde Wachenroth mit der Entwicklung und Betreuung des Heizwerk-Projektes beauftragt. Die beiden Projektentwickler legten den interessierten Bürgern in der gut besuchten Ebrachtalhalle das Ergebnis ihrer Machbarkeitsstudie vor. Erstellt hatten sie ihr Werk auf der Basis der vom Straubinger Institut "Carmen" (einem Netzwerk für Agrarrohstoffe-Marketing und Entwicklung) ausgewerteten 140 Umfragebögen, die Wachenrother Bürger abgegeben hatten.
Neben technischen Erläuterungen wurden in der Infoveranstaltung erstmals auch konkrete Zahlen genannt und die
mögliche Finanzierung vorgestellt. Für Grundstück und Heizwerk, Anlagentechnik, Wärmenetz, Planungs- und Genehmigungskosten fallen nach den Berechnungen von Energie Vision Gesamtkosten in Höhe von knapp 6,6 Millionen Euro an. Nach Abzug der Förderung aus dem KfW-Programm und den einmaligen Anschlusskosten der Nutzer müssten noch 4,5 Millionen über Darlehen finanziert werden.
Die laufenden Betriebskosten für Zins, Tilgung, Brennstoff, Betriebsführung, Versicherung und Wartung wurden auf 660 000 Euro jährlich beziffert. Sie müssen durch den Wärmeverkauf gedeckt werden.
Mit anfangs 9 bis 9,5 Cent pro Kilowattstunde werde der Wärmebezug zunächst etwas günstiger sein, da in den ersten beiden Jahren noch keine Tilgung anfällt. Mit dem dritten Jahr beginne die Tilgung, wodurch der Preis auf 11 Cent je Kilowattstunde steige.
Ab dem vierten Jahr pendle sich der Bezugspreis bei 12 bis 12,5 Cent ein und werde auch für die kommenden Jahre stabil bleiben.
Auf Preisniveau von Ölheizungen Die einmaligen Anschlusskosten hat Fröhlich mit 5200 Euro angesetzt. Für eventuell notwendige kleinere Umbauten rechnete er noch 1500 Euro dazu. Die Verbrauchskosten liegen bei einem Bezugspreis von 11 Cent in etwa auf gleichem Niveau wie bei einer Ölheizung und einem Ölpreis von 80 Cent. Da jedoch zu erwarten sei, dass der Ölpreis weiter steige, gehen die Bioenergieexperten von einer Einsparung durch die Nahwärmeversorgung aus, ganz abgesehen von der Versorgungssicherheit.
Standort für das Heizwerk könnte das Areal am Bahndamm sein. Ein Netztrassenplan lag ebenfalls schon aus und wurde von den Wachenrothern mit
Interesse begutachtet. Neun Kilometer Netzleitung würden notwendig.
Die Abwärme der Biogasanlage des Weingartsgreuther Landwirts Lorenz Dietsch soll einbezogen werden. "Die Abwärme ist ein Abfallprodukt und kann das Ganze wirtschaftlicher gestalten", erklärte Fröhlich.
In der nachfolgenden Diskussion wurde unter anderem gefragt, ob die Wälder der Region so viel an Brennstoff hergeben. Eine Frage für Förster Gerhard Hofmann, der die Zahlen für den Landkreis parat hatte. Laut Hofmann gibt es im Kreis Erlangen-Höchstadt 12 500 Hektar Privatwald. Darin wachsen pro Hektar im Jahr sieben Festmeter nach, was zusammen rund 90 000 Festmeter ergibt. Etwa ein Drittel davon, also 30 000 Festmeter, sind nach Hofmanns Worten Energieholz. Wachenroth brauche 2500 bis 3000 Festmeter im Jahr. 3500 Festmeter seien über die Waldbauern bereits gesichert.
Späterer Einstieg nicht möglich Ein Bürger fragte, ob ein späterer Einstieg in das Projekt möglich sei. Nein, antwortete Fröhlich. Denn die Kalkulation müsse ziemlich genau sein, sonst könne man das Projekt nicht auf sichere Beine stellen. An die Anwesenden wurden noch einmal Fragebögen ausgegeben, um festzustellen, "wer noch dabei ist". Danach sollen Vorverträge abgeschlossen und eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gegründet werden.