"Alle reden vom Naturschutz, aber der Baum vor dem eigenen Haus stört." Diese Feststellung trifft Gerhard Leicht, Leiter des Höchstadter Bürgerbüros, zu einem Thema, das am Montagabend im nichtöffentlichen Teil der Bauausschusssitzung behandelt wurde. Auf der Tagesordnung standen mehrere Anträge von Bürgern mit dem gleichen Ziel: Auf öffentlichem Grund vor ihren Anwesen gepflanzte Bäume sollen verschwinden.

Die Bürger stören sich an herabfallendem Laub, Blüten und Früchten der Bäume. Der "Dreck" würde Gehwege und Vorgärten verschmutzen, wird immer wieder argumentiert.

Der Entfernung der Bäume so einfach zustimmen wollten die Ausschussmitglieder aber nicht.
Wie Zweiter Bürgermeister Günter Schulz, der die Sitzung leitete, mitteilte, habe man sich darauf verständigt, erst einmal jeden einzelnen Baum bei einem Ortstermin unter die Lupe zu nehmen und dann zu entscheiden, ob Bäume weichen müssen oder stehen bleiben.

Birkensamen im Kaffee

Höchstadts Gartenbautechniker Herrmann Zehn hat derzeit sechs Anträge von Bürgern vorliegen, die Bäume vor ihren Grundstücken entfernen lassen möchten. "Und solche Fälle kommen immer öfter", sagt Zehn. "Da beschweren sich Bürger darüber, dass Birkensamen in ihre Kaffeetasse fallen oder das frisch gereinigte Pflaster wieder verschmutzt wird." Aber nicht nur Birken werden kritisiert, auch Eichen und andere Bäume sollen weichen.

Der Gartenbautechniker stellt sich hinter die Bäume. Er sei grundsätzlich dafür, sie stehen zu lassen. Sie seien normalerweise standortgerecht. Nur bei einer "unverhältnismäßig hohen Belastung" sei eine Entfernung gerechtfertigt.

Normale Lebensäußerungen

Blätter im Herbst, Fruchtfall und Blüten seien "normale Lebensäußerungen eines Baumes". Die hätten Anlieger zu dulden, zitiert Zehn aus der gängigen Rechtsprechung. Wenn, dann müsste von dem Baum schon eine Gefahr ausgehen. In Einzelfällen biete die Stadt auch an, Bäume unter Kostenbeteiligung der Anlieger verpflanzen zu lassen.