Die Bergkirchweih findet traditionell am Donnerstag vor Pfingsten statt und endet am ersten Montag nach Pfingsten. Während der zwölf Festtage erwarten die Veranstalter Hunderttausende von Besucherinnen und Besuchern aus ganz Franken und darüber hinaus.
Breite Zusammenarbeit führt zum Erfolg – Ansporn für die Zukunft
Den Anstoß für die Bewerbung gaben laut Mitteilung der Stadt Erlangen insbesondere die Kellerwirte und Schausteller. Federführend stellte der Verein Bergflair ERhalten e.V. den Antrag beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Die Antragstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Erlangen, Beratern, der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft Erlangen sowie mit den Kellerwirten. "Diese breite Zusammenarbeit war entscheidend für die hohe Qualität der Bewerbung", betonte "Berg"-Referent Konrad Beugel.
Wertvolle Unterstützung kam auch von außen: Der Austausch mit der Stadt Fürth, deren Michaelis-Kirchweih bereits seit 2018 im Verzeichnis geführt wird, lieferte wichtige Hinweise für den Bewerbungsprozess. Auf diesem besonderen Fundament konnte eine starke und überzeugende Bewerbung erarbeitet werden. Besonderer Dank gilt laut Beugel neben den Ehrenamtlichen im Verein "Bergflair ERhalten" auch ehemaligen Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Dr. Andreas Jakob, der frühere Leiter des Stadtarchivs, sowie Jochen Buchelt, Bierexperte im Heimat- und Geschichtsverein, begleiteten und unterstützten den Bewerbungsprozess maßgeblich.
"Die Aufnahme in das Landesverzeichnis ist eine besondere Anerkennung für unsere Bergkirchweih und alle, die sie seit Generationen mit Leben füllen", erklärte Konrad Beugel. Gleichzeitig sei die Auszeichnung Ansporn und Auftrag, den historischen Charakter dieses Festes auch in Zukunft zu bewahren. Die Wirte haben angekündigt, künftig mehr Wert auf Tradition und Gemütlichkeit statt auf Bier, Party und Ballermann-Atmosphäre zu legen, wie BR24 berichtet. Die Bergkirchweih gehört zur DNA der Stadt Erlangen – und das seit nunmehr 271 Jahren. "Die Bergkirchweih ist weit mehr als ein Volksfest – sie ist gelebte Tradition, die Generationen verbindet", betont die Stadt. Mit der offiziellen Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe wird diese besondere Verbindung nun auch überregional sichtbar gemacht.
Streitfrage: Ist die Bergkirchweih das älteste Bierfest der Welt?
Die Erlanger Bergkirchweih wird vonseiten der Stadt als "ältestes Bierfest der Welt" betitelt – doch wie belastbar ist diese Behauptung? Fest steht: Das Volksfest geht auf das Jahr 1755 zurück, als der Erlanger Stadtrat beschloss, den traditionellen Pfingstmarkt mit dem Vogelschießen der Schützenkompagnie zusammenzulegen und auf den Burgberg zu verlegen. Damit ist die Bergkirchweih nachweislich 55 Jahre älter als das weltberühmte Münchner Oktoberfest, das erstmals 1810 stattfand. Wie BR24 berichtet, ist die Erlanger Bergkirchweih "Deutschlands ältestes Bierfest" – eine Formulierung, die auf sicherem Boden steht. Die Stadt Erlangen selbst geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet den "Berch" als "ältestes Bierfest der Welt". Diese Selbstbezeichnung bezieht sich auf kontinuierlich stattfindende Volksfeste mit Bierausschank, die bis heute in ihrer ursprünglichen Form gefeiert werden.
Tatsächlich lässt sich die Behauptung international nur schwer verifizieren. Weltweit könnte es ältere lokale Bierfeste geben, die jedoch nicht so bekannt oder dokumentiert sind. Die Bergkirchweih kann aber für sich in Anspruch nehmen, das älteste durchgehend dokumentierte und in seiner Tradition bewahrte Bierfest zu sein. Mit über 270 Jahren Geschichte, den historischen Felsenkellern und den denkmalgeschützten Kellerhäuschen verfügt sie über ein einzigartiges kulturelles Fundament, das nun auch durch die Aufnahme ins Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes offiziell gewürdigt wird.
Im Vergleich zu anderen großen deutschen Volksfesten ist die Datenlage eindeutig: Das Oktoberfest wurde 1810 gegründet, das Cannstatter Volksfest in Stuttgart startete 1818, und auch das Gäubodenvolksfest in Straubing ist deutlich jünger. Selbst wenn der Titel "ältestes Bierfest der Welt" eine gewisse Selbstvermarktung beinhaltet – in Deutschland und vermutlich auch in Europa ist die Bergkirchweih konkurrenzlos das älteste ihrer Art.
Fränkisches Kulturerbe in seiner Vielfalt
Die Erlanger Bergkirchweih steht nicht allein: Franken ist reich an kulturellen Traditionen, die als Immaterielles Kulturerbe gewürdigt werden. Das Bayerische Landesverzeichnis enthält zahlreiche fränkische Einträge, die die besondere kulturelle Vielfalt der Region widerspiegeln. Fünf der 13 im Jahr 2024 neu aufgenommenen Kulturformen kommen aus Franken, was die besondere Bedeutung der Region für das bayerische Kulturerbe unterstreicht.
Immaterielles Kulturerbe in Mittelfranken:
- Erlanger Bergkirchweih (neu aufgenommen 2026)
- Kunigundenfest in Lauf an der Pegnitz
- Goldschlägerhandwerk in Schwabach
- Windsbacher Knabenchor
- Treideln auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal (von Kelheim bis Bamberg)
Immaterielles Kulturerbe in Oberfranken:
- Kronacher Schwedenprozession
- Genussregion Oberfranken (als Gute-Praxis-Beispiel)
- Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken
- Kulturformen der Nutzung bäuerlicher Gemeinschaftswälder im Steigerwald und angrenzenden Regionen
- Flechthandwerk in Oberfranken
Immaterielles Kulturerbe in Unterfranken:
- Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste mit Plantanz
- Lohrer Karfreitagsprozession
- Traditionelle Wiesenbewässerung in Franken
Wie BR24 berichtet, wurden 2024 fünf mittel- und oberfränkische Traditionen ins Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen. Ferner gehören auch weitere fränkische Traditionen wie die Bamberger Gärtner, die Dörrobstherstellung im Steigerwald und die Fürther Michaelis-Kirchweih zum Immateriellen Kulturerbe.
Erhöhte Sichtbarkeit und gezieltes Marketing
Durch die Aufnahme in das Verzeichnis wird die überregionale Sichtbarkeit der Bergkirchweih weiter gestärkt, teilt die Stadt Erlangen mit. Die Stadtverwaltung plant, die Auszeichnung gezielt zu nutzen, um für das Fest zu werben. In wenigen Wochen beginnt die Bergkirchweih 2026 – erstmals mit dem prestigeträchtigen Titel des Immateriellen Kulturerbes. Diese Premiere dürfte dem ohnehin beliebten Volksfest zusätzlichen Auftrieb verleihen.
Das Konzept des Immateriellen Kulturerbes unterscheidet sich grundlegend vom bekannten UNESCO-Weltkulturerbe. Während letzteres Bauwerke oder Naturstätten umfasst, fokussiert sich das Immaterielle Kulturerbe auf lebendige Traditionen wie Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste und überliefertes Wissen.
Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Weltweit sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil der Alltagskultur darstellt, sichtbar gemacht werden. Zudem werden Maßnahmen zu dessen Erhalt und Weiterentwicklung unterstützt. Deutschland trat dem UNESCO-Übereinkommen im Jahr 2013 bei. Neben dem bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes existieren eigene Länderverzeichnisse in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland. Um die besondere kulturelle Vielfalt im Freistaat sichtbar zu machen, wurde 2013 parallel zur nationalen Liste ein eigenes "Bayerisches Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes" eingerichtet.
Identität und Kontinuität durch lebendige Traditionen
Immaterielles Kulturerbe – kurz IKE – sind lebendige Traditionen, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und Kontinuität vermitteln, so das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Die kulturellen Ausdrucksformen, die im Bayerischen Landesverzeichnis gelistet sind, stehen stellvertretend für die Vielfalt des kulturellen Erbes in Bayern. Sie zeigen, wie sich unzählige Menschen im Freistaat für den Erhalt und die Weitergabe ihrer lebendigen Traditionen engagieren.
Die Erlanger Bergkirchweih ist damit in illustrer Gesellschaft. Sie reiht sich ein in eine Liste von Kulturformen, die das bayerische Erbe in seiner ganzen Bandbreite repräsentieren – von traditionellem Handwerk über Festbräuche bis hin zu musikalischen Traditionen. Neben der Bergkirchweih zählen auch zahlreiche weitere Kirchweih-Traditionen im Raum Erlangen zum gelebten Brauchtum der Region.
Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil unserer Alltagskulturen ausmacht, als Immaterielles Kulturerbe sichtbar gemacht werden. Maßnahmen, die zur Erhaltung und Weiterentwicklung geeignet sind, werden dabei gezielt unterstützt. Die Erlanger Bergkirchweih gehört nun offiziell zu diesem schützenswerten Kulturgut.
Ausblick: Bergkirchweih 2026 mit neuem Titel
"Der Berg ruft!" – unter diesem Motto findet die 271. Erlanger Bergkirchweih vom 21. Mai bis 1. Juni 2026 statt, wie die Stadt Erlangen bekannt gibt. Erstmals wird das traditionsreiche Volksfest dabei den prestigeträchtigen Titel als Immaterielles Kulturerbe tragen – eine historische Premiere für den "Berch".
Die Bergkirchweih 2026 beginnt traditionell am Donnerstag vor Pfingsten, dem 21. Mai, mit dem feierlichen Fassanstich durch den Oberbürgermeister um 17 Uhr. Über eine Million Besucher werden erneut auf dem Gelände rund um den Burgberg erwartet. Zwölf Festtage lang verwandelt sich das historische Areal in ein fröhliches Beisammensein mit Musik, Bier, Tanz und traditionellen Fahrgeschäften.
Besucherinnen und Besucher können sich auf folgende Highlights freuen:
- Zwölf Festkeller mit denkmalgeschützten Kellerhäuschen unter schattenspendenden Linden- und Kastanienbäumen
- Traditionelles Bergkirchweih-Festbier, das eigens für das Fest eingebraut wird
- Rund 90 Schausteller mit Fahrgeschäften und Kirmesattraktionen
- Das traditionelle Riesenrad als weithin sichtbares Wahrzeichen der Bergkirchweih
- Live-Musik auf verschiedenen Bühnen in den Kellern
- Der Berggottesdienst am letzten Sonntag der Bergkirchweih
- Das traditionelle Bierbegräbnis am Abschlusstag, bei dem sich die Besucher mit weißen Taschentüchern zum Lied "Lili Marleen" vom "Berch" verabschieden
Mit der frischen Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe dürfte die Bergkirchweih 2026 noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Veranstalter setzen dabei verstärkt auf die Bewahrung der traditionellen Atmosphäre und des historischen Charakters, der das älteste Bierfest der Welt seit über 270 Jahren auszeichnet.