Wie sehr sich die jazz!3-Reihe Ariane Dammann-Rangers in Höchstadt mittlerweile etabliert hat, bewies wieder einmal der Publikumszuspruch für das Konzert am Samstagabend im Schlossgewölbe. Auch wenn man von Mal zu Mal glaubt, jetzt sei wirklich die letzte Nische genutzt, findet sich immer noch Raum für Stühle wenn nötig in einer unvermuteten Ecke. Damit soll, versprach die Veranstalterin, jedoch absehbar Schluss sein, denn eine Vergrößerung, ein Durchbruch zu den hinteren Räumen ist geplant.

Bis dahin gilt es die auch nicht unattraktive Jazzkeller-Atmosphäre auszuhalten, eine Reminiszenz an Zeiten, als der Jazz in Deutschland noch scheel angesehen, als US-Import und irgendwie subversiv galt. Das ist ein für allemal vorbei. Jazz ist heute eine Kunstmusik, komponiert und gespielt von hoch virtuosen und bestens ausgebildeten Musikern für ein bildungsbürgerliches Publikum. Das mag man bedauern oder begrüßen, umkehren wird sich diese Entwicklung nicht.

Zurück in der Heimat

Ein schönes Beispiel dafür ist Mareike Wiening. Die gebürtige Herzogenauracherin, Jahrgang 1987, absolvierte eine solide musikalische Grundausbildung u. a. beim Jazzpianisten Thomas Fink, bis sie mit dem Schlagzeug das Instrument ihres Herzens fand. Jahre zielstrebigen Lernens in Mannheim, Kopenhagen und an der New York University fundierten ihren Rang als Musikerin, Komponistin und Bandleaderin. Heute lebt sie in Köln, ist international bekannt und unterwegs. So mit ihrem Quintett seit Herbst vergangenen Jahres, um ihre CD "Metropolis Paradise" zu promoten. In den kommenden Monaten stehen Konzerte in Spanien auf dem Programm - und am Samstag gastierte das Mareike-Wiening-Quintett in Höchstadt. Denn trotz aller Weltläufigkeit zieht es die Schlagzeugerin immer wieder in die fränkische Heimat, ein sympathischer Zug einer bescheiden gebliebenen Musikerin.

Mitgebracht hatte sie adäquate Musiker aus drei Ländern. Alex Goodman aus Kanada spielt eine lässige E-Gitarre, Rich Perry aus den USA am Saxophon ist das melodische Zentrum der Gruppe, der Deutsche Johannes Felscher steht für einen besonders runden und warmen Ton am Kontrabass, und sein Landsmann Volker Engelberth am Piano sammelte selbst schon diverse Meriten und Preise.

Eher melodisch

Zu hören waren ambitionierte Kompositionen eher im mittleren Tempo, eher melodisch-bedächtig als hart groovend, eher kammermusikalisch als traditionell. Doch das "eher" gilt eben nicht für alle zehn Songs dieses Abends. Es ist nicht leicht bzw. unmöglich, das Quintett in eine stilistische Schublade zu stecken. Zu disparat waren die teils noch unbenamsten Stücke, von einer Drummerin, die vertrackte Rhythmen aus dem Effeff beherrscht, und ihren New Yorker Spitzenmusikern nonchalant interpretiert. In "Rich Changes" etwa baute Wiening überraschende Rhythmuswechsel ein mit einem plötzlich swingenden "walking bass" und einem Piano, das sich zunächst eher unscheinbar im Hintergrund hält und dann zunehmend "hot" wird. Klar, dass die Bandleaderin ihre Künste in diversen Soli aufschillern ließ.

Raum zur Entfaltung

Aber auch ihre Musiker erhielten ausreichend Raum zur Entfaltung. Fast mystisch dunkel beginnt ein Stück noch ohne Titel mit ungewöhnlichen Melodien und einem längeren Gitarren-Vorspiel. Goodman startet immer scheinbar beiläufig, bis er sich zu seinen Klangkaskaden steigert, Perry bläst unspektakulär, dem Ensemble dienend, Engelberth zeigte vor allem am Schluss, was er kann, in "El Escorial" versteht Wiening mächtig Dampf zu machen. Höhepunkt des Konzerts war "Misconception", in dem unangestrengtes Musizieren kulminiert zu einem mächtig donnernden rockähnlichen Riff.

Ein schönes Konzert also wieder mit hervorragenden Musikern. Vorgeschmack auf zwei weitere jazz!3-Veranstaltungen in diesem Jahr, Vorgeschmack aber auch aufs Höchstadter Jazzfestival vom 25. bis 27. Juni 2021. "Jazz an der Aisch" wird es heißen.