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Höchstadt a. d. Aisch
Einzelhandel zu Corona-Zeiten

Auf dem Weg in die Normalität

Unter speziellen Anforderungen öffnen in Bayern am Montag wieder Baumärkte und Gärtnereien. Der Einzelhandel und Friseure haben mehr Zeit, um sich vorzubereiten.
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Geranien so weit das Auge reicht: Hinter der Gärtnerei Großkopf liegen schwierige Wochen. Umso glücklicher ist Geschäftsführer Matthias Großkopf, dass seine Gärtnerei in Zeckern am Montag wieder öffnen darf. Doch den Ansturm gilt es zu bewältigen. Hendrik Kowalsky
Geranien so weit das Auge reicht: Hinter der Gärtnerei Großkopf liegen schwierige Wochen. Umso glücklicher ist Geschäftsführer Matthias Großkopf, dass seine Gärtnerei in Zeckern am Montag wieder öffnen darf. Doch den Ansturm gilt es zu bewältigen. Hendrik Kowalsky

Für die Gärtnerei Großkopf gehören Stress und das Frühjahr zusammen: "Die zehn Wochen zwischen Mitte März und Anfang Mai sind unsere Hochsaison", sagt Matthias Großkopf, der das Familienunternehmen aus Zeckern in vierter Generation leitet.

Stressig ist es auch im aktuellen Jahr, doch die Gründe sind andere. Wegen des Coronavirus musste die Gärtnerei am 21. März schließen, trotz gefüllter Lager. "Wir haben einen Lieferservice aufgebaut, um zumindest einen Teil der Bestände zu verkaufen", berichtet Großkopf. Die Nachfrage übertraf die Erwartungen der Familie bei weitem. "Die Bestellungen haben uns zeitweise überfordert, wir hatten gut zu tun. Trotzdem haben wir den Müllcontainer hinter dem Haus vollbekommen", sagt Großkopf. Zehn bis 20 Prozent des gewohnten Umsatzes brachte der Lieferdienst ein, dennoch landete ein Großteil der Osterglocken, Tulpen und Primeln im Müllcontainer. "Die Schließung tut uns besonders weh, da das Wetter super ist", sagt Großkopf.

Am Montag geht's wieder los

Zumindest den Geranien, die jetzt die Auslagen besetzen, dürfte der Hinterausgang erspart bleiben: Wie die Staatsregierung ankündigte, dürfen Baumärkte, Gartencenter und Gärtnereien ab Montag wieder öffnen. "Das ist die erste gute Nachricht seit langem", freut sich Großkopf. Bis zur Wiederöffnung will er sein Geschäft für den zu erwartenden Andrang rüsten: Das Sortiment wird angepasst, die rund 2000 Quadratmeter große Verkaufsfläche mit Hinweisen und Klebemarkierungen versorgt.

Rücksichtnahme ist das Gebot

Denn einen Ansturm, wie es ihn in den letzten Tagen vor der Schließung vieler Baumärkte und Gartencenter gab, will Großkopf verhindern. "Die Kunden haben uns bei den Bestellungen vertraut, dafür sind wir sehr dankbar Jetzt hoffen wir, dass nicht alle gleichzeitig kommen, sondern die Situation annehmen und Rücksicht zeigen", sagt Großkopf.

Dafür verlängert die Gärtnerei ihre Öffnungszeiten, bringt großflächig Hinweisschilder an. Um die von der Regierung angewiesenen 20 Quadratmeter pro Kunde einhalten zu können, lässt Großkopf die Menschen nur mit Einkaufswagen und Körben ins Geschäft. "Wir haben 100 Wagen und Körbe, das geht ziemlich genau auf", sagt er.

"Ich hatte mit Mai gerechnet"

Auch Rainer Tenta darf ab Montag wieder seine Waren anbieten: Im Adelsdorfer "Regio Baumarkt" ruhte das Geschäft fast einen Monat lang. Sein Baumarkt hat einen Lieferservice angeboten, doch nun laufen die Vorbereitungen für den Restart. "Ich bin überrascht, dass es so schnell geht. Ich hatte mit Mai gerechnet, aber freue mich sehr darüber", sagt der Inhaber. Mit großen Hinweisschildern an den Türen und im Geschäft wolle er die Kunden auf wichtige Maßnahmen zur Einhaltung der Hygienestandards hinweisen. "Das schaffen wir bis Montag", blickt Tenta voraus.

Mischkonzept im Schuhgeschäft

Eine Woche mehr Vorbereitungszeit hat Birgit Brückner, Inhaberin von "Helgas Schuhladen" in Höchstadt. Seit dem 18. März ist ihr Laden geschlossen, einen Onlineshop gab es bis dahin nicht. "Erst zwei Tage vorher wurde uns mitgeteilt, dass wir schließen müssen. Wir haben unsere Homepage umgestellt, unser Warensortiment online gestellt und einen Lieferservice eingerichtet. Wir liefern Schuhe persönlich und holen sie ab, wenn etwas nicht passt", sagt Brückner. Etwa 80 Quadratmeter misst ihr Geschäft, das sie mit vier Angestellten betreibt. Sie darf gemäß der Vorgaben der bayerischen Staatsregierung ab 27. April vier Kunden gleichzeitig bedienen.

Um die Anforderungen einzuhalten, setzt Brückner mit ihren vier Angestellten auf ein Mischkonzept: "Wir bieten den Kunden Termine an, maximal drei pro Stunde. So haben wir immer Platz für die Laufkundschaft und vermeiden Wartezeiten", sagt Brückner. Der Lieferdienst werde jedoch aufrechterhalten. "Wir wollen das gerade unseren älteren Kunden weiter anbieten."

Die von der Regierung getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hält Brückner grundsätzlich für richtig. "Aber ich halte es für inkonsequent, dass Supermärkte Non-Food-Artikel verkaufen dürfen. Oder Drogerien zu Ostern Spielwaren anbieten, während die Fachgeschäfte geschlossen bleiben müssen. Ich denke, dass gerade die kleinen Läden den Andrang besser steuern können", erklärt Brückner.

Den stationären Handel stützen

Für die Zukunft hofft die Geschäftsinhaberin auf die Unterstützung der Anwohner. Der stationäre Handel habe sowieso zu kämpfen. Die Coronakrise spiele den stärker werdenden Online-Händlern in die Karten. "Ich hoffe, dass diese Krise ein Umdenken der Menschen mit sich bringt und sie wieder vermehrt in der Heimat einkaufen. Wir zahlen unsere Gewerbesteuer hier, wir unterstützen die Vereine. Was wir erwirtschaften bleibt in der Region. Es wäre toll, wenn sich die Anwohner nach der Corona-Krise daran erinnern und den stationären Handel stützen", meint Brückner.

"Wie sollen wir uns schützen"?

Ab dem 4. Mai dürfen die bayerischen Friseure wieder ihrem Handwerk nachgehen. Diese Meldung sorgte dafür, dass bei "Essler & Haare" in Höchstadt das Telefon nicht mehr still steht. "Nach der Pressekonferenz von Markus Söder riefen reihenweise Kunden an, die für den ersten Tag Termine vereinbaren wollten", berichtet Gernot Essler.

Der Inhaber des 120 Quadratmeter großen Friseursalons muss zur Wiedereröffnung spezielle Hygienestandards einhalten, um Kunden bedienen zu dürfen. Wie das klappen soll, weiß er nicht: "Wir arbeiten am Kunden, haben direkten Kontakt zu den Menschen. Wie sollen wir uns schützen? Natürlich verwenden wir Desinfektionsmittel, wir werden auch Masken tragen. Aber auf Abstand können wir beim Haareschneiden nicht gehen."

Trotz der Unklarheit überwiegt bei Essler aber die Vorfreude auf die Wiedereröffnung seines Geschäfts:"Wir sind natürlich froh, dass es weitergeht, auch wenn die Situation sehr stressig ist. Wichtig ist, dass geklärt wird, welche Schutzmaßnahmen wir treffen können."

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