Mit einer Probe des Karpfenlieds im Bus ging sie los, die Tour nach München von Vertretern des Karpfenlands Aischgrund. Ziel war das Restaurant "Der Pschorr" unmittelbar am Münchner Viktualienmarkt. Seit zehn Jahren betreibt Wirt Jürgen Lochbihler die Gaststätte in einer ehemaligen Getreidehalle in bester bayrischer Wirtshaustradition, aber ohne irgendwelchen pseudoalpenländischen oder pseudobajuwarischen Schnickschnack. Der Name erinnert an den bedeutenden Münchner Brauer Josef Pschorr.

Mit Martin Oberle an der Trompete und Regina Dukart als Akkordeonbegleiterin zieht die 15-köpfige Gruppe mit Karpfenkönigin Katrin und Höchstadts Bierkönigin Dorothea an der Spitze in die Gaststätte ein.

Die Spezialität des Hauses sind Gerichte vom Murnau-Werdenfelser Rind. Und nun auch Karpfen? Wie passt das zusammen? "Wir setzen auf Regionalität und auf in traditioneller Weise produzierte Nahrungsmittel", klärt Lochbihler die Aischgründer Delegation auf. Und das sind Aischgründer Karpfen ebenso wie die Renken und Saiblinge, die ebenfalls auf der Karte stehen. Dazu gehört das helle Bier aus dem Fass und - als zweite Verbindung zu Franken - ein Silvaner-Cuvée aus Castell.

Diese Verbindung entstand durch Lochbihlers Frau Inka. Die zur seltenen Rinderrasse durch Richard Balling, der im Landwirtschaftsministerium für Vermarktung zuständig ist. Er machte Lochbihler auch auf den Aischgründer aufmerksam und sorgte mit Martin Oberle für die ersten Fischlieferungen in die Landeshauptstadt.

Auszeichnung als Aischgründer Fischküche

Die allersten hat Lochbihler selber aus Franken importiert. "Unsere Mitarbeiter sind jedes Jahr bei der Weinernte in Castell dabei, um die Herkunft und Herstellung unserer Produkte kennenzulernen. Auf dem Rückweg habe ich Karpfen mitgenommen", erzählt der Wirt von den Anfängen des Kontakts. Das bringt den Pschorr-Mitarbeitern eine Einladung zu einer neuen Weiterbildung ein. Karpfenland-Vorsitzender Gerald Brehm lädt sie zum Weiherabfischen ein.

Mitgebracht hat er diesmal "nur" ein Schild, das den "Pschorr" als Aischgründer Fischküche ausweist. "Karpfen blau ist den Münchnern nicht vermittelbar, sehr wohl aber der gebackene", weiß Lochbihler. Und: "Wir haben uns in zehn Jahren Gäste gezogen, die gute Ausgangsprodukte zu schätzen wissen."

Dazu beigetragenen haben alle 100 Mitarbeiter, die den Gästen eben auch die Geschichte der Produkte nahebringen können. Das Wichtigste erfuhren sie und auch die Gäste schon durch die Delegation. Die Teichwirte Lorenz Jordan und Leonhard Thomann, "Karpfenpapst" Oberle und Ehrenmitglied Waldemar Schmitt erläuterten das Wesentliche, ehe Oberle nochmals zur Trompete griff und den Karpfen auch musikalisch übermittelte.

Regionale Vielfalt vermitteln

Im Gegenzug führte Lochbihler seine Gäste durch das Haus, in dem täglich 1800 bis 2000 Gerichte zubereitet werden. Neben dem biedermeierlichen Theresiensaal im Obergeschoss besichtigten sie das traditionelle Bierlager, in dem die Fässer noch mit Stangeneis gekühlt und vor allem befeuchtet werden, und schließlich die Küche. Deren Chef Wolfgang Schmitt ist verantwortlich dafür, das die Aischgründer Karpfen auch in München wie im Aischgrund schmecken.

Für Balling gehört das dazu, um Qualität in der Gastronomie zu erhalten: "Wie man den Karpfen kennt, ist er ein typisches Produkt der Gastronomie." Bislang eben der lokalen Gaststätten, die ein regionales Gericht in einer bestimmten Weise zubereiten, die verbreitenswert ist. Deshalb wünscht sich Lochbihler eine Zusammenarbeit der Dehoga und der Teichwirte sowie "Küchenbotschafter". Darunter versteht er im Falle des Karpfens "fränkische Köchinnen", die andernorts Küchenpersonal in der authentischen Zubereitung schulen. Für ihn ist das ein Weg, die kleinteilige Landwirtschaft in Europa zu erhalten und seinen Gästen die regionale Vielfalt des Freistaats zu vermitteln.