Der alte fränkische Bruderstreit ist wieder voll entbrannt: Per einstweiliger Verfügung wollte Adidas den Konkurrenten Puma ausbremsen. Daraus ist nun vorerst nichts geworden.

Der zweitgrößte Sportkonzern der Welt hatte seinem kleineren Rivalen vorgeworfen, mit dem Laufschuh NRGY eine Dämpfungstechnik von Adidas kopiert zu haben. Puma hielt dagegen, man habe die Schuhe selbst entwickelt.

Dieser Einschätzung hat am Montag nach dem Oberlandesgericht Düsseldorf auch das Landgericht Hamburg recht gegeben - und eine erneute Adidas-Klage abgewiesen. Die Richter erkannten keine sogenannte wettbewerbliche Eigenart des Adidas-Schuhs, die es Puma verboten hätte, einen ähnlichen Laufschuh zu entwickeln.

Das Streitobjekt: Schuhsohlen, die aus weißen Schaumstoffkügelchen zusammengesetzt sind. Der Kunststoff namens eTPU federt besonders stark, er gibt dem Läufer angeblich Energie zurück.

In Wahrheit geht es in dem Prozess um enorm viel Geld. Um die Rechte an einem milliardenschweren Zukunftsgeschäft. Und um einen Jahrzehnte alten Wettstreit zweier Weltmarken, die kaum eine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig auszustechen.


Fortsetzung des Brüderstreits

Der jüngste Konflikt zwischen Adidas und Puma erinnert an die Zeiten der beiden Firmengründer Adolf (genannt "Adi") und Rudolf Dassler, die sich gegenseitig regelrecht bekriegten. 1948 teilte das zerstrittene Unternehmer-Duo die Gebrüder Dassler Schuhfabrik in zwei Teile auf. Rudolf gründete Puma und Adi eben Adidas. Beide Weltkonzerne befinden sich bis heute in Herzogenaurach. Und sehen jetzt die Chance, den Weltmarkt für Running-Schuhe neu aufzurollen.

Brancheninsider glauben, dass sich eTPU-Sohlen als neuer globaler Industriestandard durchsetzen könnten. Adidas verkaufte bereits 2015 mehr als zwölf Millionen Paare seiner Modellreihe namens Boost, zu Preisen von bis zu 180 Euro. Die Zahl der Kunden soll noch weiter steigen. Aber auch Puma will jetzt verstärkt in das Geschäft einsteigen.

Beide Konzerne arbeiteten fast zeitgleich an der neuen Dämpfungstechnik, sogar der Partner war damals derselbe: Der Chemiekonzern BASF hatte das Sohlenmaterial produziert und 2009 den Unternehmen angeboten. Nach mehrjähriger Kooperation mit Puma entschied sich BASF dann zur exklusiven Zusammenarbeit mit Adidas. 2013 brachte die Drei-Streifen-Marke daraufhin ihre Boost-Serie auf den Markt.

Puma fand nach dem Seitenwechsel von BASF einen neuen Industriepartner - und zog 2015 mit dem eigenen Modell NRGY nach. Dagegen klagte Adidas. Für Puma bestand damit das Risiko, die neuen Schuhe kurzfristig wieder vom Markt nehmen zu müssen. Diese Gefahr ist nun gebannt.

"Jetzt haben wir freie Bahn für unsere eigenen eTPU-Schuhe", sagt Neil Narriman, Leiter gewerblicher Rechtsschutz bei Puma, "nun können wir mit weiteren Modellen auf den Markt kommen".

Adidas will wohl weitere rechtliche Schritte prüfen. Tatsache ist, dass die Möglichkeiten jedoch begrenzt sind. Per einstweiliger Verfügung kann Adidas den Puma-Schuh nicht mehr stoppen.


Puma klagt ebenfalls

Zudem läuft noch eine Berufungsverhandlung von Puma gegen Adidas, in der es ebenfalls um die neuartigen Sohlen und das Design geht. Hier will ein Gericht in Frankfurt im Oktober sein Urteil verkünden. Der ewige Wettstreit der Weltmarken - er geht in eine neue Runde.