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Adelsdorf
Pädagogik

Adelsdorfer Schulhundprojekt ist ein Erfolg

Miles ist Schulhund in Adelsdorf. Die Kinder der Klasse 2b kümmern sich liebevoll um ihn, und Lehrerin Susanne Oehler berichtet von vielen positiven Effekten, die Miles' Anwesenheit mit sich bringt.
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Den Kindern wie Annika hilft Miles' Anwesenheit dabei, sich zu konzentrieren. Foto: Johanna Blum
Den Kindern wie Annika hilft Miles' Anwesenheit dabei, sich zu konzentrieren. Foto: Johanna Blum
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Er ist jetzt vier Jahre alt und geht schon seit zwei Jahren in die Grundschule in Adelsdorf. Miles ist kein Mensch, sondern ein Hund, genauer ein Belgischer Schäferhund. In Deutschland gibt es schon etwa 150 Schulhunde. Gerade Hunde sind für den Einsatz in sozialen, pädagogischen, medizinischen und psychiatrischen Arbeitsfeldern sehr gut geeignet. Hunde sind einfühlsam, anpassungsfähig, suchen Kontakt zu anderen Sozialpartnern und genießen Aktivitäten mit Menschen.

Im Unterricht arbeiten die Kinder still. Miles kümmert das alles wenig. Zuerst liegt er neben dem Pult, und weil es so friedlich im Klassenzimmer zugeht, döst er ein bisschen vor sich hin. Ein Hund im Unterricht? Was soll das?

Die Idee mit dem Schulhund kam damals seinem Frauchen, der Grundschullehrerin Susanne Oehler. " Ich hab mich bei einigen Kollegen erkundigt und vor allem gute Informationen von einer Schule erhalten, die auch einen Schulhund hat", erzählt sie. "Dann stellte ich Schulleiterin Sieglinde Gröger die ihr bis dahin unbekannte Idee vor. Sie und das Kollegium waren sofort einverstanden, und Miles kam zum Probeunterricht." Bis jetzt gibt es kein offizielles Programm zum Einsatz von Tieren im Unterricht, auch keine genauen Vorschriften. Der Hund muss nur wesensfest und stressrestistent sein. Schulhund Miles trainiert ein Mal pro Woche mit professionellen Trainern und hat die Prüfung zum Begleithund abgelegt. Von den Fachleuten wurde die Eignung von Miles als Schul- und Therapiehund attestiert.

Schüler haben keine Angst mehr

Beinahe wäre die Idee damals gescheitert, weil einer der Schüler dagegen war. "Ich besuchte ihn dann mit Miles daheim, und sofort war alles in Ordnung", berichtet Susanne Oehler. Aber bevor Miles mit in den Unterricht durfte, hat sie einige Wochen mit den Kindern ausführlich über Hunde, deren Verhalten und auch das Verhalten der Menschen den Hunden gegenüber gesprochen. Anfangs kam Miles ein Mal pro Woche mit. Inzwischen drückt er zwei bis drei Mal in der Woche die Schulbank. Die Ängstlichkeit einiger Kinder hat sich
rasch gegeben. "Zuerst hatte ich Angst, aber jetzt haben wir selber einen Hund", berichtet Bastian strahlend.
Miles ist kein Zirkushund. Er macht keine besonderen Kunststücke. Er ist einfach nur da. Und seine Anwesenheit sorgt dafür, dass die Kinder ruhiger sind. Sie gehen alle nett miteinander um und haben ein sehr gutes Sozialverhalten entwickelt. Für 29 Schüler ist es in der Klasse erstaunlich ruhig. "Wir müssen auf Miles Rücksicht nehmen, weil der ja empfindliche Ohren hat", erklärt Lasse. Alle Fachlehrer, die in der Klasse 2b unterrichten, sind begeistert. "Ob das ohne Schulhund genau so wäre, weiß ich natürlich nicht. Ich denke aber, dass sich die Anwesenheit des Hundes positiv auswirkt", bemerkt die Lehrerin.

Miles mag die Ruhe

Diese Woche sind Jannek und Niko mit dem Hundedienst dran. "Wir müssen ihm Wasser geben, die Decke zurecht legen und wir dürfen ihn auch im Pausenhof führen", erklären sie stolz. "Für meine Klasse ist Miles' Anwesenheit schon Normalität. Es berührt mich schon, zu beobachten, dass die Kinder beim freien Lesen am Boden sitzen, sich zu Miles begeben und ihm vorlesen und dabei mit ihm kuscheln." Eben arbeiten die Kinder konzentriert und es ist ganz leise. Miles streicht herum, denn die Ruhe gefällt ihm sehr. Beim anschließenden Schreiben krault ihn Annika dabei ganz selbstvergessen zwischen den Ohren.

Susanne Oehler hat in diesen zwei Jahren festgestellt, dass der Hund gerade schwierigeren Kindern sehr gut tut. Eines ihrer problematischen Kinder kommt oft gern nach der Schule oder in der Pause und sucht intensiv Kontakt zu Miles, flüstert ihm ins Ohr und man spürt, wie er dabei "runter kommt".

Tiergestützte Pädagogik

Soziales Verhalten und Verantwortung werden so nebenbei eingeübt. "Wir müssen immer schauen, dass im Klassenzimmer nichts auf dem Boden liegt, das Miles fressen oder woran er sich verletzen könnte", erklärt Kilian. "Miles macht manchmal lustige Streiche, und heute hat er sogar Muffins geklaut. Der Unterricht macht einfach viel mehr Spaß", verrät Anna.

Im vergangenen Schuljahr hospitierte sogar eine Studentin in der Klasse, die ihre Abschlussarbeit über tiergestützte Pädagogik geschrieben hat und alles über Miles wissen wollte. Das Feedback der Eltern ist absolut positiv, und auch die Kollegen sind sehr aufgeschlossen.Bei der Einschreibung haben alle Eltern großes Interesse an einer neuen Schulhundklasse gezeigt.
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